Downloads Ein bisschen Revolution

Apple-Chef Steve Jobs fordert das Ende des Kopierschutzes für heruntergeladene Musik. Obwohl er dabei vor allem an sein Unternehmen denkt, kann man ihm nur beipflichten. Ein Kommentar

Steve Jobs fordert die Abschaffung des Kopierschutzes für Musikdateien

Steve Jobs fordert die Abschaffung des Kopierschutzes für Musikdateien

Es ist ein langer Text, den Apple-Chef Steve Jobs geschrieben hat . "Gedanken über Musik" heißt es, und was er darin fordert, ist nichts Geringeres als die Abschaffung des "Digitalen Rechte-Managements" (DRM) für online käufliche Musik. Jobs ist nicht nur der Kopf eines großen Unterhaltungselektronik- und Computerherstellers, er ist gleichzeitig auch Chef des größten Vertriebs für Musikdateien: Der iTunes Music Store (ITMS) wird weltweit von zahlreichen Menschen für den schnellen und unkomplizierten Erwerb einzelner Stücke oder ganzer Alben aus dem Internet genutzt.

Doch die im ITMS verkaufte Musik unterliegt digitalen Restriktionen: Auf maximal fünf Geräten dürfen die Songs abspielbar sein – und damit dies funktioniert, müssen die Player ein speziell von Apple benutztes Verfahren unterstützen, sonst bleiben die Boxen stumm. Programmierer aus aller Welt versuchen immer wieder, Apples Kopierschutzmechanismus auszuhebeln. Oft mit Erfolg, sodass Apple seine Software regelmäßig verändert. "Wir haben immer nur wenige Wochen, um das Problem zu lösen", schreibt Steve Jobs. Andernfalls hätten die Plattenfirmen das Recht, ihre Songs aus dem Online-Shop zurückzuziehen.

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Nach mehreren Jahren Erfahrung wirkt Jobs konsterniert: "Es gibt eine Menge intelligenter Menschen in der Welt, einige mit einer Menge Zeit, die es lieben, solche Geheimnisse zu lüften und einen Weg zur freien (und gestohlenen) Musik zu veröffentlichen."

Jobs spricht damit ein grundliegendes Dilemma des DRM an. Jeder Kopierschutzmechanismus tritt einen Wettlauf gegen die Zeit an. Den verloren früher schon Computerspiele, deren Schutz gegen Vervielfältigung "gecrackt" wurde, später auch der DVD-Kopierschutz CSS. Dass nun auch die digitale Musik an der Reihe ist, überrascht wenig.

Hinzu kommt, dass die verschiedenen Kopierschutzsysteme unterschiedlicher Anbieter zueinander inkompatibel sind: In Apples Store gekaufte Musik läuft nicht auf dem Zune-Player von Microsoft, bei Napster gemietete Musik nicht auf dem iPod. Dieser Zustand hat für die Nutzer momentan noch kaum Auswirkungen – spätestens beim Kauf des nächsten MP3-Players jedoch kann aus dem potenziellen ein echtes Ärgernis werden, wenn die gekaufte Musik nicht mehr läuft.

Leser-Kommentare
    • QUOTE
    • 07.02.2007 um 14:52 Uhr

    ...kann man nur materielle Dinge.

    Das Kopieren von Information verringert weder die zur Verfügung stehende Ausgangsmenge, noch verlagert sie sie.

    Insofern ist es unsinnig, im Zusammenhang mit dem Kopieren von Information gleich welcher Art von 'Diebstahl' oder 'Raub' zu reden.

    Das Phänomen des reichen Künstlers ist ein Phänomen, das erst durch den technischen Fortschritt der menschlichen Gesellschaft, durch die massenhafte Reproduzierbarkeit von Information, Büchern, Tonträgern, zuletzt sogar Filmen, geschaffen wurde - bis zum 19. Jahrhundert waren Dichter, Sänger, Komponiste, Schauspieler fast immer arm, an der untersten Ebene der sozialen Leiter, und nur die besten konnten überhaupt ihren Lebensunterhalt bestreiten, oder fanden fürstliche Förderer. Und DENNOCH gab es immer Künstler, Schriftsteller, Maler und Schauspieler. Und nicht mal schlechtere als heute, möchte ich meinen.

    Nun frißt der technische Fortschritt seine eigenen Kinder, die 'Plattenmilliardäre' - die Maschinen zur Informationsvervielfältigung sind in den Händen der Massen angelangt.

    Na und?

    Die Versuche der nicht mal 100 Jahre alten 'Rechte'industrie, ihre Pfründen gegenüber der Gesellschaft analog dem Motto 'Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!' zu sichern, wirkt moralisch so obsolet wie die Wiedereinführung der Leibeigenschaft.

    • Locke1
    • 07.02.2007 um 18:38 Uhr

    Offensichtlich sieht zumindest Steve Jobs ein, dass DRM nicht auf lange Sicht erfolgreich sein kann: gegen das Heer der 'Hacker', die aus den unterschiedlichsten Gründen die DRM-Beschränkungen zu hacken versuchen kann auf die Dauer keine Softwareschmiede bestehen.
    Vielleicht sind die Menschen, zumal die, die Musik lieben, gar nicht so schlecht (im Mitel), und man kann tatsächlich relativ Verlustfrei auf so schlechte Scherze wie DRM verzichten. Meines Erachtens könnte man stattdessen viel eher die unterschiedlichen Qualtitätsansprüche der Nutzer befriedigen: möchte ich Musik auf einer High-End-HiFi-Anlage genießen, oder nur zum Joggen den Großstadtlärm aussperren - beides muss ich gleich teuer bezahlen...

    @ QUOTE: Der Zustand des Künstlers als armer Schlucker ist aber wohl auch kaum wieder erstrebenswert: Es ist doch wirklich abgrundtief Schade, dass es eigentlich kein Spätwerk von z.B. Mozart gibt... Von mir aus kann man auch anonyme Tauschbörsen verbieten - aber mit meinen Freunden und bekannten werde ich immer Musik austauschen, da hilft eben auch kein DRM...

  1. '... bis zum 19. Jahrhundert waren Dichter, Sänger, Komponiste, Schauspieler fast immer arm, an der untersten Ebene der sozialen Leiter, und nur die besten konnten überhaupt ihren Lebensunterhalt bestreiten, oder fanden fürstliche Förderer.'

    Das alles gilt heute noch genauso. DRM ist keine Erfindung irgendwelcher Plattemilliardäre, sondern von Medienkonzernen. Und deren Ziel ist Gewinnmaximierung.

    Der Verkauf von Musik nach dem Sharewareprinzip funktioniert weltweit für tausende von Musikern, obwohl ich bezweifle, dass davon irgendjemand reich geworden wäre. Aber darum geht es ja nicht. Es geht um den Überlebenskampf der Kultur gegen die Medienkonzerne und die von ihnen gekauften Politiker.

    v.

  2. Nun, nachdem wir hier alle Facetten der Ansichten abgespeist haben - von philosophisch bis einfach nur dämlich -, halte ich einfach einmal ein paar Fakten fest:

    1. Wer DRM als eine Verletzung seines Rechts auf freie Persönlichkeitsentfaltung sieht, sollte vor dem Verfassungsgericht klagen - oder einfach CD's kaufen.

    2. Wenn Steve Jobs mit seinem iTunesStore die Wurzel allen Übels ist, sollte man ihm (Steve Jobs) nahelegen, mal ein paar Millionen im Kampf gegen Krankheiten auszugeben ... andere Personen, die früher mal im Softwaresegment tätig waren und nun zum Weltenheiler (mit Nebenjob Chairman bei Microsoft) aufgestiegen sind, scheinen sich ja nun in den Gedanken der Menschen reingewaschen zu haben.

    3. Leute die sich Musik im iTunesStore kaufen (darum geht es ja offensichtlich nur) sollten sich mal zuhause die XBoX ansehen und sich fragen, warum sich die alten SNES-Kassetten dort nicht abspielen lassen.

    4. Das die statistisch errechneten 3% DRM-beschmutzen Lieder, die sich auf dem iPod befinden, eine solche Welle des Leids auslösen können, ist mit gesundem Menschenverstand nicht mehr nachvollziehbar. Mich würde eher stören, dass ich die Lieder im iTunesStore nicht Lossless kaufen kann, sondern auf fast lächerlich wirkende 128kBit /s herunterkomprimiert.

    Alles im allen kann es den Menschen in Deutschland wirklich nicht schlecht gehen, wenn wir solche Probleme haben. Gehen wir also wieder ein wenig Apple-Bashing betreiben.

    Und r0ll0 wünsche ich Gute Besserung.

    • r0ll0
    • 07.02.2007 um 22:28 Uhr

    muahahahaa...muUuaAAAhAAAAAAhaaa.....MUAHAHAHAAAAARRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRR....ehehe

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