Überwachung
Zugriff der Hacker
Wie ist es möglich, dass ein Polizist E-Mails auf meinem Computer lesen kann? Eine Erklärung

Eine Überwachung beginnt unscheinbar. Irgendjemand ruft freundlich bei dem Lebenspartner der Zielperson an, vorgeblich im Auftrag des Arbeitgebers. Dringend wird gebeten, ein Dokument an die Adresse arbeitgeber@gmail.com zu schicken. Oder eine Papiermülltonne spuckt jene Notizen aus, auf denen man Passwörter oder Eselsbrücken notierte. Oder jemand liefert Pizza und verschafft sich so Zutritt zur Wohnung. Oder er gibt vor, den Wasserstand ablesen zu wollen.
Es sind die üblichen Gelegenheiten, die sonst auch Diebe machen. Nur dass diesmal der suchende Blick vor allem die gelben Klebezettel am Monitor kontrolliert. Ein ermitteltes Passwort öffnet verschlossene Türen. Ganz ohne Technik an das Ziel der Wünsche zu kommen, ist eine leichte Übung für geschulte Mitarbeiter der Sicherheitskräfte.
Doch das ist lediglich ein Vorgeplänkel. Zur Kontrolle der Massen ist es ernsthaft nicht zu gebrauchen, weil zu aufwendig, zu auffällig. Wenn also spielen nicht hilft, wird angegriffen - mit roher Gewalt. Eine Brute Force Attack versucht ein Passwort zu erraten, millionenfach. Gut gepflegte Wörterbücher werden benutzt, die die beliebtesten Buchstabenfolgen enthalten, einfache Varianten werden kombiniert. Ein Rechner im Hintergrund macht das klaglos wochenlang, während der Mensch sich feineren Methoden widmet.
Zum Beispiel dem gezielten Lauschen - . Dabei wird der Netzwerkverkehr zu und von einer Internetadresse protokolliert und analysiert. E-Mails jagen unverschlüsselt durch die Leitung. In einer von tausend steht das brisante Passwort. Zentrale Server werden beim Einbinden von Netzlaufwerken angesprochen und fragen in bekannten Mustern nach Authentifizierung, die entschlüsselt und dann wiederholt werden kann. Bekommt man Zugriff auf den Rechner, ist der schwerste Schritt geschafft. Zudem wird ein Passwort oft mehrfach benutzt. Ein Versuch, dieselbe Eintrittskarte an anderen Eingängen vorzuzeigen, lohnt bestimmt. Genauer: Millionen Versuche - mit einem Klick. Aber das Schnüffeln kann dauern, bei vorsichtigen Leuten zu lange.
Schneller geht es, wenn das Opfer nach möglichen Verletzbarkeiten abgetastet wird - ein
Vulnerability Scan
. Jede virtuelle Leitung, die Bits entgegennimmt, ist eine Tür. Ein gutes Dutzend sind auf normalen Rechnern erreichbar.
Machen sie einen Test: Start-Ausführen->'command'->'netstat -a' . Schon sehen Sie eine Liste mit den offenen Ports ihres Rechners. Es sind Datenhäfen, die ankommende Pakete entgegennehmen: TCP , UDP , ICMP . Schließen Sie sie.
An jedem Eingang steht ein Pförtner, eine Software, die Datenpakete öffnet und auf Kommandos untersucht, die anschließend aufzuführen sind. Freimütig und verbindlich geben die dienstbaren Geister Auskunft über ihre Identität, welchen Zweck sie haben, in welcher Version sie existieren. Natürlich sollten nur "gute" Pakete akzeptiert werden. Also solche, die in Form und Inhalt dem angebotenen Dienst entsprechen und nichts anderes machen können, als beispielsweise eine Grafik an den Browser zu liefern. Aber die Kunst der Tarnung ist in der Datenwelt sehr weit entwickelt. Da Standards die Normen offen dokumentieren, ist eine harmlose äußere Hülle notwendig. Die allerdings ist leicht zu haben.
Automatisiert wird eine Tür nach der anderen abgeklopft, bis ein Programm antwortet, das einen bekannten Bug enthält.
Nun platzt die Bombe. Ein wird ausgeführt. Dem Pförtner wird ein Paket übergeben, dass vorgeblich Nutzdaten, tatsächlich jedoch den vorbereiteten Code enthält. Das Prinzip ist einfach: Der Code ist zu lang. Weil Einreisekontrollen auch im Computer umständlich und langsam sind, versucht der Pförtner, das Paket ungeprüft in das vorgesehene Speicherfach zu stopfen. Was dort nicht hineinpasst, fließt in das benachbarte Fach , das leider nicht für die Aufbewahrung von Nutzdaten vorgesehen ist, sondern für die Speicherung von Befehlen. Schon ist aus Daten, die als Bild hereinkamen, ein Killerkommando geworden.
Klare Befehle brauchen wenig Platz. In Maschinencode ( ) geschrieben ist das Programm zum Nachladen einer Datei aus dem Netz unscheinbar klein. Den Befehl zum Ausführen der frischen Datei bringt das nächste Killerkommando. Damit kann ein kleiner Server auf dem Rechner des Opfers gestartet werden, der sich selbst versteckt und auch für Virenscanner unsichtbar macht. Er öffnet eine Hintertür , über die sehr komfortabel die komplette Kontrolle übernommen wird. In aller Ruhe kann man von anderswoher die vorhandenen Daten untersuchen oder die Rechenleistung des eroberten Rechners zum eigenen Zweck nutzen - ein "Zombie" ist erwacht.
Der komplette Vorgang - Scannen, Aufmachen, Nachladen, Kontrollieren - ist tatsächlich kompliziert. Doch er lässt sich in Software gießen, die wie jedes Programm beliebig kopiert und verbreitet werden kann. Hunderte von Angriffsvarianten lassen sich unter einer Oberfläche vereinen, die eine gängige Textverarbeitung an Komfort übertrifft. Nur der erste Kämpfer muss den Schutzwall mit eigener Geisteskraft durchdringen - die Armee kann seinem Pfad durch alle identischen Wälle folgen. Kinderleicht. Beamtentauglich.
Wie kann man sich schützen?
Vorsicht und Sensibilität sind die wichtigsten Voraussetzungen. Sicherheit beginnt beim
Betriebssystem
. Manchen wird
unterstellt
, dass sie mit voller Absicht versteckte Türen enthalten, die von staatlichen Organen mit entsprechender Lizenz genutzt werden können. Natürlich ist das ganz und gar unvorstellbar - es könnte so ja jedermann eintreten, der einen Ausweis fälschen kann - und das System wäre als unsicher diskreditiert. Nur
quelloffene Software
jedoch bietet die Möglichkeit, sich selber von der Korrektheit aller Befehlsfolgen zu überzeugen oder dies von Experten der eigenen Wahl prüfen zu lassen.
Hat man ein sicheres Betriebssystem, muss man seine Schutzmaßnahmen aktivieren. Unnötige Angebote nach außen müssen deaktiviert werden. Dazu sollte man gezielt entsprechende Dienste abschalten. Denn wo nichts ist, wird nichts gehackt. Der Schutz der Verbindungen kann aber auch von einer zusätzlichen Software - einer Firewall - übernommen werden, die nur bekannten Systemen Netzkontakt erlaubt und sich nach außen taub stellt. Natürlich gilt, dass beide Strategien - Abschaltung und Schutz - gemeinsam mehr Erfolg versprechen.
Allerdings: Wenn man alle Dienste abschaltet, ist kein Kontakt zum Netz mehr möglich. Und eine Firewall ist auch nur Software, die Löcher haben kann. Ganz sicher vor Angriffen aus dem Netz ist nur, wer den Stecker zieht - oder sensible Daten nicht auf Internetcomputern speichert.
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- Datum 16.5.2007 - 11:14 Uhr
- Quelle ZEIT online
- Kommentare 16
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ist eigentlich in einem Staat dazu da, Konflikte aufzulösen, die sich gegen 'Leib und Leben' der Staatsangehörigen eskalieren könnten.
Ich denke mal, die meisten Polizisten sehen das (in BRD, 2007) auch so. Sprengstoffe, kleine Kinder und sowas hab ich nicht zu bieten, mein Rechner hängt ganz offen am Netz.
Bitte hacken Sie jetzt !
denn wer weiß, wer denn der 'Staat' ist. Wenn der 'Staat' demokratisch ist, mag das okay sein, aber ein Staat kann sich schnell ändern. Einfach durch die unterschiedlichen Medieneindrücke. Politikermeinungen ändern sich. Was heute niemanden auf Ihrem Computer interessiert, kann Ihnen morgen vielleicht großen Schaden anrichten. Wenn zb Ihre Bankdaten ausgespäht werden. Oder ihre Emailkontakte. Wenn also 'Irgendjemand' plötzlich sehr gut über Sie bescheid weiß - und wenn dieser jemand möglicherweise nur ein schrulliger Administrator in der Polizeibehörde ist. Und Ihnen - vielleicht sind Sie eine Frau - nachstellt.
Ach, es gibt tausende Gründe, warum die privaten Daten privat bleiben sollten.
das gestern war gar nicht nett von Ihnen. Und weil ich gerne fies bin, habe ich Ihnen etwas SPAM geschickt. Dass da ein sehr ekelhaftes Bild dabei war ... war kein Zufall. Das liegt jetzt auf Ihrer Festplatte im SPAM-Ordner. Und weil sowas nicht sein darf, habe ich auch gleich dem Staatsanwalt Bescheid gegeben, dass Sie so Bilder anbieten. Der hat dann auch gleich seinen elektronischen Spürhund losgeschickt. Und wie praktisch, Sie mussten dafür nicht mal anwesend sein. Auf jeden Fall ist jetzt alles gut dokumentiert und morgen Nacht werde ich Ihren Browser übernehmen und noch etwas mehr Beweise erzeugen. Und wenn Sie dann davon Nachricht bekommen ist schon alles komplett beim Staatsanwalt.
Wie gesagt, das gestern war nicht nett von Ihnen und ich wünsche Ihnen deshalb viel Spaß mit der Staatsanwaltschaft und Nachbarschaft.
Liebe Grüße,
X
PS: Das ganze ist natürlich frei erfunden, aber keineswegs unrealistisch.
Auch hier gilt der alte militärische Grundsatz beim Funk: Im Klartext kommen nur Sprüche welche eine sofortige Auswirkung haben, also 'Angriff'. Würde das Wort 'Angriff' versclüssselt oder getarnt werden....... .
Ich vermute mal, daß hier einige Personen versuchen, der Bevölkerung vorzugaukeln, daß man die propagierte Massnahem vor allem wegen der Schwer(st)verbrecher einführt. Nur diese wissen sich zu schützen.
Als OS am besten Linux mit einem selbst zusammengestellten und kompillierten Kernel, bietet schon eine wesentlich geringere Angriffsfläche. Verteilter Mailverkehr über unterschiedliche Adressen bei unterschiedlichen Webmailanbietern. Häufiger wechsel der Passwörter. Sonderzeichen in Passwörtern, unreglmässig verwendet, und schon tut sich jedes noch so gut geplegte Wörterbuch schwer.
Nur dann mails verschlüsseln, wenn es erforderlich erscheint. Kritische Mails, welche Trojaner enthalten könnten, öffne ich nur in Internetcafes oder ähnlichen Orten. Und habe ich für mich sehr sensible Daten auf einem Rechner, so ist dieser sicher ohne permanente Internetverbindung.
da versteht auch 'otto blöd' mal, wies hacken gehen kann. aber interessiert hätte mich natürlich noch, wie ich als windows user (wer hat schon open source..) mit anti-viren programm (das sich ja wie beschrieben täuschen läßt), herausbekommen kann, ob da solche 'mini-assembler-agenten' auf meinem pc zu gange sind. wenn ich den artikel richtig verstanden habe, kann so eine backdoor ja ohne jede
aktive 'mitarbeit' des pc-users, wie unsichere mail-anhänge öffnen etc.., eingerichtet werden. gibts da programme, die so
was enttarnen können ?
Mit Windows Vista wird Festplattenverschlüsselung integraler Teil des Betriebssystems und als obligatorische Sicherheitsmassnahme bald auch in die Versicherungsverträge einfliessen. Zuerst für firmeneigene Notebooks dann für den Rest. Der Privatbenutzer wird folgen. Dann sind Hausdurchsuchungen mit Datenträger-Beschlagnahme wirkungslos. Wie auch heute schon bei den 'echten' Verbrechern. Das Online-Ausspähen von Passwörtern wäre die einzige Möglichkeit noch an die Datenbestände heranzukommen.
Aber auch gegen dieses Ausspähen werden sich Gegenmassnahmen durchsetzen. Hardware Firewalls sind fester Bestandteil aller neueren DSL-Router, Software Firewalls befinden sich neben den Antiviren Scannern in allen Security Suiten, beides vielfach ohne Wissen der Users. Auch bei der Passworteingabe ist Umdenken angesagt, die Zeit der manuell eingegebenen Plaintext-Passwörter geht wohl zu Ende.
Normalerweise kann man davon ausgehen das MS und andere Softwareanbieter weitgehendst mit den Behörden zusammenarbeiten. Von daher braucht man gar keine Sicherheitslücken ausnutzen. Man kann den Abzuhörenden User über die Windows Registrierung rausfinden und ihm einfach ein anderes Windows Autoupdate unterschieben das halt eine Überwachungsschnittstelle installiert. Bei neuen Handys (mit OST-Update) geht das auch schon und wurde sogar schon vom FBI zum abhören genutzt. Virenscanner/Firewalls nutzen natürlich nichts, das sieht man schon am Sony-Rootkit das hat auch kein Virenscanner gefunden obwohl es sehr weit verbreitet war.
Lacht lauter Genossen!
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