Medien Ziemlich dickSeite 2/2
Journalistisch überzeugender sind einige Porträts ob von Robert de Niro, dem auch in vielen anderen Zeitungen gerade behandelten Internet-Unternehmer Niklas Zennström, dem Kurnaz-Anwalt Bernhard Docke oder vom neuen Star der Demokraten in den USA, Barak Obama. Diese Texte wirken sachgerecht und weniger aufgedreht als manch anderes im Heft. Die Beschreibung Obamas ist wohl eine Übernahme aus dem Mutterblatt ein umso größeres Versäumnis ist es, nur mit einem Halbsatz anzudeuten, was gerade hierzulande interessiert. Mitten in einer zögerlichen und sich in diesem Punkt oft genug selbst widersprechenden Partei der Demokraten hat es Barak Obama riskiert, mit einer großen floor speech einen eigenen Iraq War De-Escalation Act einzubringen. Wäre es da nicht die Aufgabe der deutschen Redaktion gewesen, mindestens einen erläuternden Absatz einzufügen?
Angesichts des angekündigten Willens, alles anders, zugleich schöner und bedeutender zu machen, musste die Redaktion etwas in die Knie gehen. Noch ist der Glamour in der Werbung etwas größer als im Werbeumfeld. Noch sind die Ankündigungen mancher Texte gravierender als diese selber. Auch in den kleineren Formen und Rubriken muss sich noch einiges einpegeln. Wäre da nicht der dröhnende Anspruch, den Zeitschriftenmarkt gleich zu überstrahlen, mit Sorgfalt im Detail und mehr redaktionellen Ideen außerhalb der Porträts könnte es gelingen, sich in diesen geduldig einzufädeln.
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Vanity Fair ist da - Blogeintrag aus Claras Loft: Klatschgeschichten mit Glanz und Charmanz »
- Datum 07.02.2007 - 06:19 Uhr
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die erwartungen waren ja hoch, sicherlich auch künstlich gehyped durch die berichterstattung vor der heutigen ersterscheinung. hab mir die zeitschrift gekauft, was bei einem euro einführungspreis kein problem war.
der schwarz-goldene schutzumschlag ist sehr ansprechend, das til-schweiger-cover gaaanz schlimm! von einer dt. vanity fair hätte ich mehr erwartet. der schutzumschlag 'schützt' tatsächlich und ist absolut notwendig!
hab das magazin bisher nur mal oberflächlich gescannt. scheint mir nicht schlecht zu sein, durchaus hochwertig, was den journalismus und die fotografie angeht. 'elite' allerdings nicht. frage mich auch, wie man das niveau halten will, im wochenrhythmus. trotz 80 mitarbeitern. deutschland ist halt doch sehr klein und nicht USA.
zwar finde ich das foto til schweigers mit gartenschlauch zwischen den beinen auch eher albern und unkreativ, an softpornos, gar an eine ejakulation, fang ich dabei aber nicht an zu denken - es sein denn b. gäbler bezeichnet auch das wasserlassen als ejakulieren.
der ansatz bzw. der vorsatz der zeitschrift ist m.e. lobenswert, spiegelt er doch die junge intelligenzia des landes wider, die den spagat zwischen dj culture und hegel problemlos hinbekommt und auch sucht. fraglich ist allerdings, ob dies in der 1. ausgabe der dt. vanity fair funktioniert hat. ...ich lese noch ;-)
Wo fängt die Zeitung an und wo hört der (Werbe-) Katalog auf ?
Seien wir fair. Es ist eine Herkules-Aufgabe, ein neues, innovatives Magazin aus der Taufe zu heben. Amerikanische Lotsen können dabei auch kaum helfen, weil die Klippen im mediterranen Mehr fast unüberwindbar sind. Anspruch, Inhalt, Optik, Meinung, Haltung, Charakter. Professionalität. Und letztendlich der Copy-Preis. So viele Imponderabilien. Und so wenig Sicherheit. Für eine neue Zeitschrift braucht man nicht nur viel Geld, sondern auch viel Geduld. Und viel Glück. Wer das ganz anders sieht, frage bitte bei Frau Gabriele Fischer nach! Oder bei Helmut Markwort. Bei einer Null-Nummer besteht immer die Hoffnung, das sich so ein neues Heft entwickelt. Ebenso nach der ersten oder zweiten Ausgabe. Dann aber heißt es 'Flagge zeigen'. Zeitgemäßes Layout. Gute Fotos. Tolle Storys. Und das immer und immer wieder. Gute Ansätze machen ja Hoffnung - der Erwartungsdruck ist groß. Aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Und wer diese Details nicht beherrscht, dem mißlingt letztendlich das Ganze.
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