Vogelgrippe Schockierender EgoismusSeite 2/2

Wer will da noch Mitleid mit ahnungslosen Geflügelbauern haben? Schockiert dürften sich allein jene Züchter zeigen, die in vollem Bewusstsein des Risikos die Augen offen halten – und achtsam all jene Auflagen befolgen, die die EU nach dem dramatischen Feldzug des vergangenen Jahres einführte.

Denn eines sollten Hühnerfarmer und Putenmäster nicht vergessen: Es geht zuvörderst, aber nicht allein um die Tiergesundheit. H5N1 kann auch Menschen infizieren. In seiner derzeitigen Form gelingt ihm das nur selten und unter extrem unhygienischen Bedingungen. Wissenschaftler warnen aber seit Jahren davor, dass sich der Erreger verändern kann, und die Hürde zum Menschen plötzlich spielend überwindet. Eine Pandemie ungeahnten Ausmaßes könnte die Folge sein, der spanischen Grippe von 1918 ähnlich, mit Millionen Toten weltweit.

Je häufiger das Virus die Chance bekommt, sich zu vermehren, desto häufiger bietet sich ihm auch die Gelegenheit für Mutationen – und desto größer das Risiko der gefürchteten Pandemie. Zwar bleibt extrem unwahrscheinlich, dass der Sprung auf den Menschen hier in Europa stattfindet. Die potenziellen Brutstätten liegen eben in Asien und Afrika: Indonesien musste bislang die meisten menschlichen Opfer beklagen, 63 Menschen starben dort bisher. Und im afrikanischen Westen verlor erst am Wochenende eine Frau ihr Leben durch H5N1, wie sie sich ansteckte, ist unklar - und gerade das ist bedenklich, denn ein funktionierende Überwachungsstruktur gibt es in Afrika einfach nicht.

Aber es gibt sie in Europa. Wir verfügen über ein ausgezeichnetes System zur Kontrolle der Seuche, und elementarer Bestandteil dieser Strukturen ist Information - die allerdings angenommen und genutzt werden muss. Wenn sich am Dienstag Experten aus allen 27 EU-Staaten in Brüssel treffen, um über Konsequenzen nach dem Ausbruch der Vogelgrippe in England zu beraten, sollten sie vor allem eines sicherstellen: dass auch die europäischen Geflügelbauern bewusst mit dem Risiko umgehen.

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Leser-Kommentare
  1. Ich kann den Artikel nur unterstützen. Auch wenn durch den milden Winter die augenscheinliche Gefahr für die Bevölkerung zurück gegangen ist - die Verbreitung des Virus und Auswirkungen sind immer noch akut. Wer die Presse verfolgt wird fast jeden Tag etwas aus Ägypten, China oder Vietnam lesen können. In Zeiten der Globalisierung, gerade wenn alles von "A" nach "B" transportiert wird muss man auch mit dem Einschleppen des Erregern rechnen. Das der Schock für die Betreiber groß ist und das arme Federvieh noch zeitiger daran glauben muss ist verständlich. Wichtig ist trotzdem die immer währende Vorsicht in allen hygienischen Belangen.

    Gruß Dieter
    immer aktuelle Vogelgrippe News - www.vogelgrippe-seuche.de

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