Frankreich Und Ségolène zitiert BrechtSeite 2/2
Ségolène steht seither für das Volk der Kleinen, der Vergessenen, der Arbeiter, die ihr Geld schwer verdienen – wenn überhaupt – und die ihr Sorge äußerten, wie beängstigend es sei, dass die Politik sich davon verabschiedet hat, das Volk zufrieden stellen zu wollen. Dieses Volk werde nicht nur ignoriert von der Rechten, sondern auch verachtet, sagt Royal und zitiert Bert Brecht: „Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?“
Ségolène Royal widmet ihre Botschaft dem zornigen französischen Volk, das in der Geschichte gezeigt hat, was passiert, wenn man nicht darauf hört, was es zu sagen hat. Das Volk stellt im französischen kollektiven Unterbewusstsein per se eine ständige Gefahr für die Macht dar. François Mitterrand wurde von ihm getragen, das seit der Gründung der V. Republik 1958 auf seine Stunde wartete. Nun soll 2007 also wieder die Stunde der Linken sein. Selbst wenn dieses Volk soziologisch viel differenzierter ist: Am Sonntagnachmittag nach der Rede Ségolène war es links. Ganz links.
Denn wenn die Botschaft noch nicht angekommen ist: Ségolène ist die Kandidatin der Linken und von allen Linken. Viele Genossen hatten in den vorigen Woche gemurrt, sie sei nicht links genug. Die Genossen sollten unbesorgt sein. Sätze mit scharfen Anti-Globalisierungs-Tönen, die die Staatlichkeit als Prinzip der Republik wieder betonen: Die Lektion des ersten Wahlgangs 2002 wurde gut gelernt, als die Linke sich verzettelte und Lionel Jospin schon in der ersten Wahlrunde scheiterte.
An diesem Sonntag war die Atmosphäre des Frühlings von 1981 deutlich spürbar. Obwohl man nicht wüsste, wie Ségolène Royal ihr Programm verwirklichen könnte: Das war schön.
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- Datum 12.02.2007 - 09:08 Uhr
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