Iran Es geht ums Ganze

Iran will in der Atomfrage nicht einlenken, obwohl es sich immer größeren Druck ausgesetzt fühlt. Das hat seine guten Gründe.

Angesichts des eskalierenden Streites zwischen den USA und Iran lohnt es sich, die Welt einen Augenblick lang aus der Perspektive des Regimes in Teheran zu betrachten. Die Regierung Bush hat sich offensichtlich dazu entschlossen, den Druck auf Iran zu erhöhen. Sie greift derzeit zu allen ihr zur Verfügung stehenden diplomatischen, politischen und wirtschaftlichen Mitteln, um Iran zu isolieren. Selbst einen Krieg will Bush nicht ausschließen. Das Regime in Teheran fühlt sich zu Recht bedroht.

Das freilich ist nicht neu. Die Islamische Republik Iran ist niemals von den USA in irgendeiner Weise anerkannt worden. Jeder Präsident der USA hat mit unterschiedlicher Intensität und unterschiedlichen Mitteln immer darauf hingearbeitet, dieses System wieder loszuwerden. Iran war mit der Revolution 1979 aus der von den USA dominierten internationalen Ordnung herausgefallen. Das sollte rückgängig gemacht werden. George W. Bush hat es in seiner inzwischen berüchtigten Rede vom Januar 2002 auf die „Achse des Bösen“ gesetzt und damit eine Phase der verschärften Auseinandersetzungen eingeleitet. Man könnte auch sagen: Es war der Auftakt zum Endspiel.

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Seit 2003 hat sich der Konflikt nach und nach auf die Nuklearfrage verengt. Damals entdeckte die Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien, dass Teheran sie in Sachen Nuklearforschung 18 Jahre lang an der Nase herumgeführt hatte. Das Vertrauen war dahin. Seither verdächtigt man Iran entgegen aller Beteuerungen des Regimes, heimlich an einer Bombe basteln zu wollen. Es gibt dafür keine endgültigen und schlüssigen Beweise, doch gibt es viele besorgniserregende Verdachtsmomente. Jedenfalls reicht das, um den jahrzehntelangen Konflikt zwischen Iran und den USA auf die Nuklearfrage zuzuspitzen.

Natürlich geht eine Bedrohung von einem nuklear bewaffneten Teheran aus. Immerhin hat Irans Präsident Machmud Achmadinedschad Israel offen mit der Vernichtung gedroht. Doch es ist falsch anzunehmen, dass Achmadinedschad die Bombe über Jerusalem abwerfen würde, sobald er sie in die Hände bekäme - so verrückt ist dieser Mann nicht. So verrückt aber ist vor allem nicht das iranische Machtsystem. Das nämlich ist viel komplexer, als man es gemeinhin glauben möchte.

Obwohl Achmadinedschad seit seiner Wahl vor mehr als zwei Jahren alle Aufmerksamkeit der Medien auf sich zieht, hat er insbesondere in außenpolitischen Fragen nichts zu entscheiden. Alle Entscheidungsgewalt liegt beim obersten religiösen Führer, Ali Chamenei. Dieser agiert in der Regel als Moderator zwischen den unterschiedlichen Fraktionen der iranischen Elite. Die Erfahrung zeigt, dass es ihm bei aller Radikalität, die er selber auch repräsentiert, darum geht, zwischen den Gruppen ein prekäres Gleichgewicht zu halten. Tatsächlich gibt es viele Anzeichen, dass Chamenei die jüngste innenpolitische Schwächung Achmadinedschads befördert hat. Es ist ein Versuch, das System wieder ins Lot zu bringen. Es ist das Funktionieren von checks and balances auf iranisch. Ziel dieser Kontrollmechanismen ist in erster Linie nicht etwa mehr oder weniger Demokratie, es geht dabei vor allem um das Überdauern des Systems. Nicht alles, aber fast alles, was dem Regime zum weiteren Machterhalt nützt, das wird auch getan.

Dialogbereiter ist Teheran damit nicht. Wenn es heute zu einem Krieg kommt, dann wird er offiziell geführt, um zu verhindern, dass Iran die Bombe in die Hände bekommt – das eigentliche Ziel aber bleibt: Die USA und auch die Europäer wollen im Iran ein anderes System. Die Herrschenden in Teheran wissen das nur zu genau. Es geht um ihre Existenz. Es geht ums Ganze, und das Ganze ist nicht die Bombe, sondern die Islamische Republik Iran. Und das ist keine gute Voraussetzung zum Einlenken.

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Leser-Kommentare
  1. 1.

    Da sind Sie dem Problem schon näher als 'Caracalla'. Sie haben sich schon etwas mit der Liste von 'iceman' angefreundet. Wenn Sie jetzt noch Ihre bescheuerten Übertreibungen herunterschrauben könnten, dann wird was draus.

    • Devin
    • 13.02.2007 um 11:38 Uhr

    @dollhopf: Als Widerspruch scheint das nur! Die Form ist noch die alte, der Inhalt längst ein anderer (Stichwort: Dialektik). Man könnte es auch so formulieren: Das transnationale Kapital bedient sich gewissermaßen der Bündnisformen aus dem Kalten Krieg (aber nicht miteinander, sondern gegeneinander). Das Bündnis wird dann Stück für Stück zu erweitern gesucht, um innerhalb dieses Bündnisses neue Kräfteverhältnisse zu installieren. Aus der Sicht der USA ist das ein Versuch wert. An der jetzt ganz aktuellen Reaktion eines Putin - zum Beispiel - kann man aber in etwa erkennen, wie wütend das die „ehemaligen“ Gegner macht, wenn man ihnen so immer näher rückt und sie gar selber zu integrieren sucht und ihnen dabei gleichzeitig das Vorder- und das Hinterland wegnimmt. In der Wirtschaft nennt man das eine feindliche Übernahme! Allerdings benutzen auch andere dieselbe Hülle. So auch Deutschland. Deutschlands Linie ist da nicht so einfach erkennbar, da Deutschland eben der Weltkriegsverlierer Nr. 1 und schon gewissermaßen (auch heute noch) von den USA abhängig ist. Und trotzdem versucht Deutschland seine eigene Linie unterhalb (nicht mehr nur innerhalb, aber auch nicht außerhalb) der NATO. Doch wäre es fatal zu glauben, dass Deutschland (gegenwärtig) eine stringent antiamerikanische Politik betriebe. Ich gehe davon aus, dass jeder das tut, was er sich gegenwärtig leisten kann. Den großen Bruder ein bisschen schwächen - zum Beispiel mit der iranischen Keule - bedeutet eben nicht, dass man nicht teilhaben möchte, wenn es etwas zu verteilen gibt (Irak), oder auch, wenn man sich unter dieser Fahne eine bessere Position in der Weltpolitik ergattern könnte (Stichwort: Libanon-Einsatz). Und es ist doch klar, dass eine solche Politik die Bündnisse tendenziell auflöst. (Ist eigentlich jemandem mit aufgefallen, dass Bushs Besuch in Mainz letzten Jahres eher dem eines Feindes als dem eines Freundes ähnelte? Der muss mehr Angst in Deutschland gehabt haben als dann später in der Slowakei. Zumindest dort zeigte er sich dem Volk in Echtzeit, während er doch hier eigentlich nur hinter Zelten zu ahnen war). Jede gemeinsame Aktion schwächt somit die Tendenz zur Gemeinsamkeit, ist also als subversiv gegen das Bündnis gerichtet zu sehen. Im Prinzip war das immer schon so, aber die äußeren Bedingungen (zum Beispiel die Gegnerschaft zur Sowjetunion, die es vor allem zu beerben galt), aber auch die inneren Bedingungen (als Ergebnis des 2. Weltkrieges) ließen nicht alle Akteure immer das tun, was diese eigentlich wollten. Innerhalb des Kapitals gibt es halt ein Raubtierverhältnis, mit Alphatierchen und so weiter. Und nun möchte man den alten „Grauen“ in einen Endkampf (eigentlich gegen China, aber der Iran würde es vorerst auch tun, zumal dann die Russen vielleicht ins Spiel kämen) verwickelt sehen, um dann dessen Position einzunehmen! Dass die USA sich dessen bewusst sind, demonstrieren ihre paranoid erscheinenden Mätzchen doch aufs Deutlichste, zumal die sich in ihrer ganzen Possierlichkeit mehr gegen ihre Verbündete richten als gegen ihre Feinde!

    • plamen
    • 12.02.2007 um 19:05 Uhr

    So kann nur ein Nationalbolschewik sprechen.

  2. 4.

    'So kann nur ein Nationalbolschewik sprechen.'

    whatever, jedenfalls hat er in Ihnen einen bösen Dämon entdeckt, den es zur Rettung der Menschheit zu vertreiben gilt. Weiterhin viel Spass mit dieser Nervensäge ;)

    • plamen
    • 12.02.2007 um 9:33 Uhr

    'Doch es ist falsch anzunehmen, dass Achmadinedschad, die Bombe über Jerusalem abwerfen würde, sobald er sie in die Hände bekäme - so verrückt ist dieser Mann nicht.'

    Toll. Das beruhigt die Israelis ungemein. Darauf kann man sich 100% verlassen.

    Das sagt einer, dem der Gedanke, dass Iran die Terrorbanden in Irak unterstützt, so fern ist, dass er das Material vom Pentagon als Beweise in Anführungszeichen setzen muss.

    Waren die Nazis, Herr Ladurner auch ein Haufen 'Verrückte', die den größten Massenmord vollzogen haben?

    Übrigens, auch Merkel hat in ihrer Rede klare Worte ggü. dem Iran gesprochen, wie viele andere Staaten auch, aber nein, es muss das USA-Bashing sein.

    Es reicht! Es ist wirklich eine Tortour, die Artikel von Herrn Ladurner zu lesen. Ich höre jedenfalls damit auf.

    *PLONK*

    • Anonym
    • 12.02.2007 um 11:00 Uhr

    An den Äußerungen der Vorkommentatoren kann man erkennen, wie schwierig solche Situationen sind.

    Es stehen sich 2 Seiten gegenüber, die unbedingt ihre Interessen durchsetzen wollen.
    Die Legitimation dazu wird aus westlicher Sicht aus dem Unsicherheitsgefühl über die jeweilige wirkliche Motivation der Iraner gespeist, die als Bedrohung verstanden wird, es auch sein kann, aber nicht unbedingt sein muss.
    Das iranische Regime kann sich jedoch der erklärten Feindschaft des Westens sicher sein, damit ist ein Dialog aus der Sicht dieses Regimes unmöglich.
    Egal, wie wir zur Regierungsform im Iran stehen, ein Aufweichen der Agression gegenüber dem Ausland ist aufgrund der westlichen Haltung unmöglich, Teheran würde sich nur strategisch schwächen.

    Es ist an der Zeit die Verlogenheit westlicher Moral zu beerdigen. Nur die Anerkennung, wenn auch nicht Billigung, der iranischen Verhältnisse, könnte Iran dazu bewegen sich um die eigenen Probleme zu kümmern und auf Agression zu verzichten. Allerdings bleibt dabei zu beachten, falls die Spannungen im Innern zunehmen sollten, das auch dies ein Grund für außenpoltische Ablenkungsmanöver sein könnte.

    Hier beißt sich Katze in den Schwanz, ohne gefähliches Risiko ist hier keine Lösung in Sicht. Der Schlüssel kann nur in der inneren Stabilität des Iran gefunden werden, der außenpoltische Abenteuer unnötig macht und ein Einlenken der USA und des Westens ermöglichen würde.
    Das Säbelrasseln der USA und der Israels jedenfalls stellt nur eine für mich nicht nachvollziehbare Eskalation der Situation dar, die eher machtpoltisch (USA) denn sachlich zu begründen ist.
    Denn sollte es zu einem militärischen Konflikt mit dem Iran kommen, bedeutet dies eine Ausweitung des irakisch, afghanischen Konfliktes und könnte durchaus die Vorentscheidung für den 3. Weltkrieg sein.

    Denn eines sollte man nicht ignorieren, wenn auch das Naziregime ein Unrechtsregime war, der 2. Weltkrieg wurde im Pazifik durch den Vorherschaftsanspruch der USA ausgelöst, da nur aus diesem Grunde die USA der japanischen Expanison entgegentrat. Um diese Vorherrschaft ging es ebenfalls in Europa, nur hier zunächst gegen das bereits bröckelnde britische Weltreich, das Hitler machtpoltisch zu beerben gedachte . Durch diese Situation ergab sich für die Amerikaner die einmalige Gelegenheit als lachender Dritter zur dominierenden Weltmacht zu werden und letztendlich war dies auch der eintscheidende Grund auch in Europa Krieg zu führen. Das man durch das deutsche Regime bedingt auch noch die Moral auf seiner Seite hatte war sicher sehr wichtig und ermöglichte aufgrund der Dummheit der Nazis den Allierten eine einzigartige Legitimation,als Grund zur Kriegsführung genügt das nicht, sonst wären die Amerikaner schon Jahre eher dem Krieg beigetreten.

    • Devin
    • 13.02.2007 um 21:49 Uhr

    @dollhopf: Also mit ein bisschen Logik hätten Sie vielleicht nur die Hälfte Ihrer Fragen! Wenn es der Terrorismus wäre, vor dem ein Bush sich zu schützen hatte, dann wäre er auch in der Slowakei ähnlich vermummt gewesen – so war es aber nicht!
    Was das Thema Herrhausen angeht (Stichwort: 3. Generation RAF) empfehle ich zur Lektüre Wizsniewskis „Das RAF-Phantom“, oder auch das Fassbinder-Stück „Die 3. Generation“. Nicht, dass ich da glaubte, etwas bewiesen zu sehen, aber es scheint auch nicht bewiesen, dass die Morde an Herrhausen und an Rohweder von einer RAF verübt worden seien. Und auch aktuell gibt es keine Hinweise auf einen politisch motivierten Terrorismus! Also wo sind die Nachahmer von Mohnhaupt und Klar? Und mit Sicherheit wäre es nicht unvernünftig auch den Dschihad als ein Phantom zu bezeichnen – zumindest was die ihm zugeschriebene Bedeutung und manche seiner Aktionen angeht (Stichwort:CIA-Verwicklungen)!
    Nichtsdestotrotz sind das alles für mich weniger „Intrigen“ als die objektiven Verhältnisse selber, um die es da geht. Die Akteure tun im Prinzip das, was ihnen das System ermöglicht (bzw. ihnen geradezu vorschreibt) – und nur manchmal ein bisschen mehr! Dass zum Beispiel Jahrzehntelange Milliarden beim IWF verschoben worden sind – und zwar zugunsten gewisser Topadressen – hat jüngst ein ehemaliger Insider offenbart und doch bin ich weit davon entfernt zu behaupten, dass das unbedingt typisch für den Kapitalismus sei; und meine Kapitalismuskritik reduziert sich auch nicht auf eine dementsprechende Skandalisierung. Selbst wenn es keine Korruption und keine solche kriminelle Machenschaften gäbe, wäre auch ein jener Kapitalismus für mich eine Zumutung, da er die Grundprobleme der Menschheit (Hunger, Durst, Bildungsmangel, usw. usf.) eben nicht zu lösen vermag! Allerdings gehören solche und ähnliche „Intrigen“ (bzw. jene politische Manipulationen) irgendwie zum System, wie das Mäusefangen zur Katze; denn lehrt dieses System denn nicht, dass sich bereichern grundsätzlich ethisch sei – und sogar die Grundlage allgemeinen Wohlstandes?! Und wo solches voraus gesetzt wird, da gehört auch am Ende der Krieg zum System, womit dann nicht nur die Liste seiner Absurditäten (von Verbrechen gar nicht zu reden) abgeschlossen wäre, sondern darin auch seine Ende programmiert.

  3. Zwar beträgt die Entfernung von Teheran nach Berlin 3500 km, das sind ca. 2200 amerikanische Meilen, und nicht, wie von Ihnen behauptet 'etwa 4500-5000 Kilometer'. 'JdotSdot' hat richtig dargestellt, dass iranische Raketen Deutschland treffen können, aber nicht, dass diese Raketen von der Hauptstadt Teheran abgefeuert werden würden. Vom Nordwesten des Iran bis in den Südosten Deutschlands beträgt díe Entfernung 2650 km, aslo etwa 1650 Meilen. Somit ist Deutschland in Reichweite von auf iranischem Boden stationierter Waffensysteme, die in Zukunft mit Atomsprengköpfen aufgerüstet werden können: von der 1800 Meilen reichenden Ghadar-110!

    Und nochmal Aviation Week: 'There are concerns in the West that space launch upgrades, however, could eventually create an Iranian intercontinental ballistic missile (ICBM) with a range of nearly 2,500 mi., giving Tehran the ability to strike as far as central Europe, well into Russia and even China and India.'

    Auch empfehle ich Ihnen die Lektüre der 'linkszeitung' vom 16. Dezember 2005:

    'Teheran kauft 18 Raketen mit Reichweite bis Berlin'.

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