Iran
Großes Unruhepotenzial
Das Attentat von Mittwochmorgen in der iranischen Stadt Zahedan könnte Teheran zu Überreaktionen verleiten.

18 Pasdaran wurden in einer Explosion im südiranischen Zahedan getötet. Wer steckt hinter diesem Attentat?
In der iranischen Stadt Zahedan sind 18 Revolutionswächter durch eine Autobombe ums Leben gekommen. Dieses Attentat dürfte in Teheran große Unruhe auslösen. Das Regime ist unter gewaltigem Druck. Es vergeht kein Tag, ohne dass die USA Iran beschuldigen, alle möglichen Schandtaten im Irak zu begehen. Das Säbelrasseln der USA wird täglich lauter.
18 tote Pasdaran wiegen in diesem Kontext sehr schwer. Sie können zu Überreaktionen aus Teheran verleiten.
Wer nun könnte hinter dem Attentat stecken?
Zahedan ist die Hauptstadt von Sistan-Baltuschistan, einer traditionell unruhigen Gegend. Hier, an der Grenze zu Afghanistan, leben mehrheitlich Sunniten. Die Region ist ein Eldorado für Drogenschmuggler. Gewalttätigkeiten sind keine Seltenheit. Seit einigen Jahren treibt eine bewaffnete sunnitische Gruppe namens Jundollah (Armee Gottes) ihr Unwesen. Teheran beschuldigt die Briten und die Amerikaner, diese Gruppe zu finanzieren und zu stützen. Manche iranische Exilgruppen halten Jundollah für eine sunnitische Widerstandsorganisation, die sich gegen die Bevormundung aus Teheran wehrt. Die staatliche Nachrichtenagentur IRNA zitiert einen Kommandeur der Pasdaran mit den Worten: „Aufständische und Elemente der Unsicherheit stehen hinter diesem blinden terroristischen Akt.“
Tatsache ist, dass der Vielvölkerstaat Iran in mehreren Grenzregionen verwundbar ist. Ethnische Minderheiten werden von Teheran meist als Bedrohung für die staatliche Einheit empfunden, ob das die Araber in der Provinz Khusestan sind, die sunnitischen Balutschen in Sistan-Balutschistan oder die Azerbaidschaner im Norden des Landes. Die Zentralmacht fürchtet sich sei jeher vor separatistischen Bewegungen. Eine alte Angst, die auch vom Schah empfunden wurde.
Das Attentat von Zahedan hat also großes Unruhepotential. Es kann gut sein, dass man in Teheran zu der Auffassung kommt, Amerika stecke hinter dem Attentat. Das könnte zu einer Reaktion führen. Iran hat viele Möglichkeiten, die USA zu treffen, ob im Irak oder in Afghanistan. Es ist zu hoffen, dass dies nicht geschieht. Denn das wäre ein weiterer Schritt in Richtung Krieg.
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- Datum 15.2.2007 - 05:35 Uhr
- Quelle ZEIT online
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In einem aktuellen Online Text der Zeit heißt es, dass Extremisten einen Anschlag auf die Revoukutionswächter verübt häben. Dabei stellt sich , für mich, zweifelsohne die Frage wer hier eigentlich die Gruppe der Extremisten darstelt. Es ist diese paramilitärische Einheit, die iranische Opposition seit Jahrzenhten systematisch verfolgt und im Notfall physisch liquidiert.
Wenn die Opfer wie im Irak Ungläubige wären, würde man die Täter Widerstandskämpfer nennen. J.S.
Da schon seit Jahren in den einschlägigen islamischen und islamistischen Web-Foren propagiert wird, die in den letzten Jahrzehnten nach Europa eingewanderte muslimische Bevölkerung als 'fünfte Kolonne' gegen die europäischen Staaten, die europäische Rechtsordnung und Demokratie in Stellung zu bringen (deshalb die in muslimischen Kreisen so aufmerksam verfolgte demographische Entwicklung), und diese Strategie auch von islamistischen Vertretern islamischer Staaten als Option verfolgt wird (allen voran Saudi-Arabien, aber auch Pakistan, aber auch die Türkei, die ja schon lange über ihre Presse die türkisch-muslimische Bevölkerung in Deutschland als politisches Druckmittel gegen Deutschland einzusetzen sucht, wo es notwendig erscheint - Stichwort Hetzkampagne der Hüyrriet gegen Seyran Ates und Necla Kelek, Armenierfrage, Ehrenmordproblematik), so sollte der Westen ernsthaft darüber nachdenken, diesen Staaten umgekehrt deren eigene 'Minderheitenproblematik' als potentielle Waffe vorzuhalten: wie wirksam das ist, das hat schon Christopher Hitchens in seinem Text 'Facing the islamist menace' an einem Beispiel eindrücklich belegt:
' We should, of course, be scrupulous on principle about stirring up interethnic tensions. But we should remind those states that are less scrupulous—Iran, Pakistan, and Syria swiftly come to mind—that we know that they, too, have restless minorities and that they should not make trouble in Afghanistan, Lebanon, or Iraq without bearing this in mind. Some years ago, the Pakistani government announced that it would break the international embargo on the unrecognized and illegal Turkish separatist state in Cyprus and would appoint an ambassador to it, out of “Islamic solidarity.” Cyprus is a small democracy with no armed forces to speak of, but its then–foreign minister told me the following story. He sought a meeting with the Pakistani authorities and told them privately that if they recognized the breakaway Turkish colony, his government would immediately supply funds and arms to one of the secessionist movements—such as the Baluchis—within Pakistan itself. Pakistan never appointed an ambassador to Turkish Cyprus.'
Dass wir wieder so richtig befürchten müssen, Geschichte könne sich wiederholen, wenn man sie lässt, steht ausser Zweifel.
Gerade wir Deutschen wissen ja seit Bismarck, wie man die zaudernden Verbündeten unter Zugzwang setzt und seit Sarajevo, warum ein mörderisches Einzelschicksal einen Weltkrieg auslösen kann.
Wer sich mit den Mullahs anlegen will, hat es alllerdings nicht so einfach, wie mit einem Saddam. Nun aber will die iranische Opposition offenbar durch das Stiften absoluter Verwirrung dafür sorgen, dass endlich was geschieht.
Bisher hat sich für die Entfesselung aufgestauter Kriegslust noch immer ein Datensoll, also eine Informationslücke aufgetan, mit der die Entsendung von Soldaten gerechtfertigt werden kann. Denn nur so können heute noch auf- und abgeklärte Kriegsgegner in zivilisierten Ländern vom meinungslosen Durchschnittsbürger isoliert und schliesslich mundtot gemacht werden.
Das Attentat könnte auf das Konto der Mujaheddin-e Khalq (MEK) gehen, einer ursprünglich linksgerichteten iranischen Oppositionsgruppe, die sich nach dem Sturz des Schahs von den religiös konservativen Kräften distanziert hatte und zu einer erbitterten Widerstandsbewegung wurde. Im Iran-Irakischen Krieges waren sie auf Seiten der Iraker in Kommandounternehmen aktiv und wurden zunächst von den USA als Widerstandskämpfer unterstützt. Gegenwärtig offiziell als Terrorgruppe vom US-Kongress gebannt, sind sie im Irak unter dem Schutz der amerikanisch/britischen Alianz interniert ([ Wir können leider nicht alle Verweise auf andere Internetseiten prüfen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Links gelöscht werden. gez. Die Redaktion ]). Von dieser Widerstands- oder. Terrorgruppe stammen auch ursprünglich die Informationen über das iranische Atomprogramm. Wie fast jede Widerstandsgruppe finanzieren sie sich vermutlich aus diversen legalen und illegalen Quellen.
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