USA Er tritt an!

Die Kriegskritiker haben sich einen Präsidentschafts-Kandidaten gesucht und in Barack Obama gefunden.

Auf den langen Weg ins Weiße Haus gemacht: Barack Obama

Auf den langen Weg ins Weiße Haus gemacht: Barack Obama

Jetzt ist Barack Obama offiziell Präsidentschafts-Bewerber. Nach wochenlangem Flirt mit der Kandidatur kündigte er am Samstag in seinem Heimatstaat Illionois an, er werde antreten. Für seinen Auftritt wählte er mit dem alten Kapitol in der Landeshauptstadt Springfield einen symbolischen Ort. An derselben Stelle nämlich hatte Abraham Lincoln 1860 seine Präsidentschaftkandidatur vorbereitet. Es gehört Selbstvertrauen dazu, wahrscheinlich sogar ein bißchen Hybris, sich mit einem der Heroen der amerikanischen Geschichte zu vergleichen.

Seit Monaten umgibt Barack Obama eine unvergleichliche Begeisterung. Gewiss, der Mann hat Charisma. Er ist, darin mit Bill Clinton vergleichbar, ein Menschenfänger. Wer ihn erlebt, liegt ihm zu Füßen. Doch die Attraktion seiner Persönlichkeit vermag den Aufruhr um seine Person nicht erklären. Es ist ja auch nicht so, als steuere Obama in Kenntnis seiner Qualitäten seit langem zielstrebig auf die Kandidatur zu. Er selbst scheint genau so wissen, was los ist. Bei seinem ersten Auftritt in New Hampshire, dem Ort der ersten Vorwahl Anfang kommenden Jahres, bezeichnete er sich als "stand-in" , als eine Art Stellvertreter. Obama weiß, dass nicht er es ist, der Amerika magnetisch anzieht, sondern dass er zur Personifizierung einer Massenstimmung geworden ist. Ein Gefühl sucht sich einen Kandidaten.

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Barack Obama ist Ausdruck der ur-amerikanischen Sehnsucht nach dem Neuanfang. Diese Nation der Einwanderer baut auf der Überzeugung auf, dass jeder mindestens zwei Leben habe und jederzeit neu anfangen könne. Dasselbe gilt für die Politik. Amerikaner glauben, man könne und müsse gelegentlich reinen Tisch machen und ganz von vorne anfangen – mit neuem Personal. Es scheint, als sei so ein Moment wieder einmal gekommen: neue Führung, neue Gesichter braucht das Land!, findet zumindest ein Teil der Bevölkerung. Diese Stimmung ist es, die Barack Obama zu seiner überraschenden und überraschend chancenreichen Kandidatur trägt. Obama verkörpert die Frische des Neuanfangs, eine Wiedergeburt Amerikas.

Die Stimmungslage kommt keineswegs aus dem Nichts. Es gibt einen harten politischen Kern. Im Zentrum allen Denkens steht der Krieg. Drum wirkt der zur Kandidatur gedrängte Obama wie ein lebendes Misstrauensvotum gegen Hillary Clinton. Sie war für den Krieg (und ist es noch heute), er war schon immer dagegen. Das zählt in einer Partei, in der 80 Prozent der Mitglieder glauben, der Irak-Krieg sei der falsche Krieg zur falschen Zeit aus den falschen Gründen. Das Argument lautet: Obama hatte Recht, Clinton nicht. Wer Clinton wählt, bekommt mehr vom selben. 24, vielleicht 28 Jahre lang eine quasi-dynastische Amtsabfolge: Bush, Clinton, Bush, Clinton. Manchem schaudert bei dieser Perspektive.

So wirkt Obamas neuer Werbespruch, seine größte Stärke sei sein Mangel an politischer Erfahrung, keineswegs absurd. Dass er grün ist, neu, frisch, unverbraucht und unverbogen, darf tatsächlich als sein größtes Pfund gelten. Jedesfalls jetzt noch. Obama hat fast zwei Jahre Wahlkampf vor sich. Nichts ist brutaler als ein amerikanischer Präsidentschaftswahlkampf. Im Scheinwerferlicht der Medien-Öffentlichkeit ist schon mancher Kandidat, der als ideal galt, verglüht. Der letzte war General Wesley Clark, der alles zu haben schien, was ein Kandidat braucht, sich aber als tapsiger Wahlkämpfer erwies. Manchmal ist es das Trommelfeuer aus dem Lager der Gegner, das einen Kandidaten zerstört. Zuletzt war es John Kerry, den die Attacken der sogenannten "Swift Boat Veterans" um seine Chance brachten.

Barack Obama bietet eine wunderbare Angriffsfläche für seine Konkurrenten. Sein kurzer politischer Lebenslauf ohne jede administrative Erfahrung wird noch zum Stoff für Satiriker werden. Längst hat er Kokain-Konsum zugegeben. Da gibt es zwar nur noch wenig zu enthüllen, aber das Thema wird wieder hochkommen. Erst ein paar Wochen ist es her, dass Obamas Gegner eine üble Attacke ritten. Sie behaupteten, Obama sei einst in Indonesien in eine Fundamentalisten-Schule gegangen. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer, jedenfalls 48 Stunden lang. Dann stellte sich heraus, dass die Fundamentalisten-Schule eine säkulare Schule für Kinder der besseren Stände im Zentrum Jakartas war. Als nächstes wird wahrscheinlich gefragt werden, warum Obamas zweiter Vorname "Hussein" lautet. Der Fernsehsender CNN hat sich kürzlich für eine peinliche Verwechslung entschuldigt. Auf dem Schirm war zu lesen: "Wo ist Obama?" Der Filmbeitrag ging der Frage nach, warum Osama bin Laden nicht gefasst werden kann.

Kurzum: Obama tritt an. Die Jagd-Saison ist eröffnet.

 
Leser-Kommentare
  1. Obama bietet seinen Wählern einige Aspekte, mit denen seine demokratischen Gegenkandidaten nicht konkurrieren können. Er entstammt der wohlsituierten Mittelklasse im Gegensatz zu den üblichen demokratischen Milliardären (Kennedy, Kerry, Edwards), und er kann im Gegensatz zu Edwards und Frau Clinton von sich sagen, dass er nicht für den Irakkrieg gestimmt hat.

  2. entschieden unumstrittener als bei den Afro-Amerikanern.Erst heute hoerte ich waehrend eines Interviews dass Zweifel geaeussert wurden ueber seine Identitaet.Farbige US Buerger ,oder zu mindest einigen ist er nicht 'schwarz' genug.Sie glauben nicht dass ein Sohn einer weissen Amerikanerin und eines kenianischen Vaters die Interessen der Schwarzen vertreten kann. Waehrend sie eher denken dass eine weisse Praesidentschafts-Kandidatin ( Clinton) sie besser vertreten wird. Irgendwie eine seltsame
    Auffassung. Aber so war es auch waehrend des letzten Football Spieles.Ein Coach der beiden Endpiel Teams war angeblich mit einer weissen Frau verheiratet,also unterstuetzen ihn viele.Ganz sicherlich haben Weisse kein Monopol wenn es zu Rassismus kommt.

  3. Obamas Problem liegt am fehlenden Erfahrungshorizont. Als Ex-Anwalt/Prof mit NUR zwei Jahren im Senat gilt er schlichtweg als Anfaenger sondergleichen. Glatte Kommentare zum Irak als Phaenomen u. Krieg auessert er; Loesungen wohl aber kaum, und dass, unter anderem, ist der grosse Haken an seiner Kandidatur. Unter dem harten Kern der Linksdemokraten gilt er als Guru und Held; die Feuerprobe kommt binnen 12 Monaten waehrend der Stichwahlzeit, zusammen mit der Wahlkampagne anno '08. Es eruebrigt sich zu betonen, dass Obama hier keinerlei Erfahrungen hat, und keinerlei Ideen ausser 'the war was a terrible mistake', was lachhaft und nicht ernst zu nehmen ist (kein Endspiel; keine politische ziehbare Loesung fuer den Irak; keine Weitsicht in bezug auf El-Queda usw.). Vor zwei Jahren habe ich Billarys Staerke (und Schwaechen) hier erwaehnt; die Frage ist und bleibt fuer die Demokraten: Ist sie ueberhaupt Wahlmaterial als Landesmutter? Mal sehen. Barack Obama wird noch Jahre warten muessen. Schliesslich fragen sich die Schwarzen, ob er schwarz genug sei. Ist das der springende Punkt--wo er einen Kniefall machen muss--dann ist er sowieso tot ala Jesse Jackson.

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