Sicherheitskonferenz Kein Grund zur Beruhigung
Russlands Präsident Wladimir Putin greift auf der Münchner Sicherheitskonferenz Amerika scharf an. Das Modell einer "monopolaren Welt" sei nicht akzeptabel, sagt er. Ein Bericht von
Attacke gegen die USA: Wladimir Putin
Seit dem 9. Februar 2007 ist es vorbei mit Russlands Langmut. Ab sofort, machte Präsident Wladimir Putin an diesem Morgen in München klar, duldet Moskau Amerika nicht mehr als einzige Weltmacht. "Eine monopolare Welt, das heißt: ein Machtzentrum, ein Kraftzentrum, ein Entscheidungszentrum. Dieses Modell ist für die Welt unannehmbar. Es ist vernichtend, am Ende auch für den Hegemon selbst." So sprach, sichtlich erregt, Russlands Präsident Putin am Rednerpult der Müncher Sicherheitskonferenz. Was er im Hotel Bayerischer Hof dem Publikum vortrug, war nicht weniger als der Versuch, die alte Weltordnung wiederzubeleben, eine Ordnung, in der die Supermacht Amerika eingehegt werde durch ein staatliches Gegengewicht, durch völkerrechte Schranken und strategische Rücksichtspflichten.
Putin hatte das Publikum gewarnt. Die Sicherheitskonferenz, sagte er zu Beginn seiner Rede, biete ihm die Gelegenheit, einmal ohne "diplomatische Rücksichten" zu sagen, was er denke. Doch was dann folgte, dürfte selbst jene Beobachter erschreckt haben, welche Putin schon länger als gekränkten Zaren einschätzten. Ohne die Vereinigten Staaten auch nur ein einziges Mal beim Namen zu nennen, rechnete Putin in einer Schärfe mit dem weltpolitischen Betragen Washingtons ab, wie man sie bisher allenfalls von einer erhitzten europäischen Linken kannte.
"Das monopolare Modell hat in dieser Welt keinen Bestand, weil es keinen moralischen und ethischen Bestand hat", sagte Putin. Und in Anspielung auf den Irakkrieg setzte er hinzu: "Einseitige und illegitime Aktionen haben keinen Erfolg gebracht. In diesen Konflikten kommen mehr Menschen um als je zuvor." Ausgerechnet der Feldherr des Tschtetschenien-Krieges schwang sich sodann zu dem Urteil auf: "Wir sind Zeuge einer ungezügelten Macht, die die grundlegenden Regeln des Völkerrechts verachtet." In den "militärischen Abenteuern" Amerikas kämen "Tausende von friedlichen Menschen ums Leben. (...) Anderen Staaten werden Regeln aufgedrängt, die sie nicht wollen. Wem kann das schon gefallen?" Schließlich rief er regelrecht in den Saal: "Niemand auf der Welt fühlt sich sicher!"
Putins Frontalangriff auf die Supermacht Amerika erklärt sich wohl nur zum Teil aus den Verletzungen, die der russischen Seele seit Ende des Kalten Kriegs zugefügt worden sind. Welche Demütigungen hat sich das ehemalige Sowjetreich nicht bieten lassen müssen seit 1990. Es hat mitansehen müssen, wie der entfesselte Riese Amerika den Irak angriff, 1990; dulden müssen, wie Nato-Truppen im ehemaligen Jugoslawien aufschlugen; nicht verhindern können, dass Bush II 2004 schließlich den Irak eroberte. Zu Sowjetzeiten wären all diese frechen Interventionen im geopolitischen Schutzradius Moskaus undenkbar gewesen.
Putins Ausbruch dürfte aber vor allem zum Ziel haben, Containment per Rhetorik zu betreiben. Auf eine schlichte Formel gebracht, lautet seine zornige Botschaft an die USA: Wir lassen uns von euch keine Alleingänge mehr bieten! Hört auf, uns für unbedeutend zu halten! Zu den gefühlten Rücksichtslosigkeiten, die Putin offenbar schon länger zu schaffen machten, zählte er in München insbesondere die Osterweiterung der Nato und die Pläne Washingtons, in Polen und Tschechien Elemente seines Raketenabwehrschirms zu installieren.
"Gegen wen ist diese Provokation gerichtet?" fragte Putin, um eine längere rhetorische Pause einzuleiten. "Die Garantien, die uns gegeben wurden, wurden nicht eingehalten. Ist das normal?" Mit dem Verweis auf "Garantien" wollte Putin daran erinnern, dass Michael Gorbatschow 1990 zwar einem vereinigten Deutschland innerhalb der Nato zugestimmt hatte. Eine weiterreichende Verlegung der Nato-Grenzen nach Osten zählte damals allerdings nicht zur außenpolitischen Geschäftsgrundlage.
- Datum 12.02.2007 - 11:09 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 10.02.2007 - 15:50 Uhr
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Unzweifelhaft hat es etwas lächerliches, wenn Putin sich zum Hüter des Restes der Welt aufspielt. Es ist ein rührender Versuch, Geschichte zu klittern, wenn man bedenkt, für welche unsägliche Unterdrückung weltweit die Sowjetunion gestanden hat - ganz abgesehen von dem irrwitzigen Morden an der eigenen Bevölkerung. Indessen ist viel Unterdrückung folge der Polarisierung zwischen Osten und Westen gewesen. Und die zahllosen Stellvertreterkriege überall auf der Welt fanden ihre Ursache nicht nur im Handeln des Ostens, sondern ebenso (und im Ergebnis erfolgreicher und nicht minder grausam) im Westen. Unzweifelhaft scheint mir aber auch das Hegemonialstreben der USA zu sein. Ich mache den USA dafür keinen Vorwurf. Es ist ihre große Chance - und in der Politik ist jede Chance zu ergreifen! Erschütternd ist, dass insbesondere Europa nicht in der Lage ist, einen Gegenpol zu entwickeln und den USA Grenzen zu setzen - im Interesse Europas. Während früher die Bundesrepublik ob ihres unterwürfigen Verhaltens gegenüber den USA oft genug als 52. Bundesstaat der USA gehandelt worden ist, dürfte selbiges inzwischen für Europa gelten. Und in der Tat versuchen die USA in allen Bereichen weltweit ihre eigenen Regeln durchzusetzen (die ich im Übrigen in fast allen Bereichen den unseren für unterlegen halte). Und selbst die UNO tanzt im wesentlichen nach der Pfeife Washingtons. Da können die USA mit ihrem klassischen Vasallen Großbritannien (selbst den Briten ist ihr Himmelhochjauchzen auf die USA und den Irakkrieg mehrheitlich nur noch peinlich) schlicht einen Angriffskrieg auf den Irak starten, ohne dass die Weltgemeinschaft den Angriffskrieg geißelt. Es gelingt dies, weil die Rechtsabteilungen der staatlichen Institutionen in den USA mit viel Rechtsbeugung und amerikanischem Rechtsdenken (welches mit Guantanamo keinerlei Schwierigkeiten hat!) bestimmte Entscheidungen der UNO dahingehend auslegt, zur Durchsetzung legitimiert zu sein (Nach Auffassung der USA ist der Irakkrieg gewissermaßen im Auftrag der UNO begonnen worden). Mit dem selben verlogenen Selbstbewusstsein kann Bush behaupten, dass die USA Vorreiter in der Bewältigung der Umweltprobleme der Welt seien.
Was im Westen, insbesondere aber in Deutschland, überhaupt nicht begriffen wird, ist der Umstand, dass die USA nach außen als ein einziger Block auftreten. Es gibt eine bei uns (auch unter der Deutschland-AG) nicht geahnte Verflechtung zwischen Großindustrie, Politik und Militär. Und es gibt ein einheitliches Konzept, wie Zugriff von außen auf den amerikanischen technologischen Vorsprung ausgeschlossen werden kann - so wie es ein einheitliches Konzept gibt, technologische Vorsprünge anderer Länder sich anzueignen (Es gab in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von technologisch führenden kleinen Firmen in Deutschland, die von amerikanischen Unternehmen aufgekauft wurden, um die Patente, Forschungen usw. in die USA mitzunehmen und die Firmen hier zu schließen. In den USA wäre das undenkbar. Solche strategisch bedeutsamen Unternehmen würden vor dem Zugriff aus dem Ausland gnadenlos geschützt werden).
Und also hat Putin nicht Unrecht mit seiner Beschreibung - auch wenn aus seinem Munde die Kritik schal schmeckt.
Die Kacke ist schon längst am Dampfen. [ Wir können leider nicht alle Verweise auf andere Internetseiten prüfen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Links gelöscht werden. gez. Die Redaktion ]
Die Toten könnten noch die Freiheit Polens in der Frage stellen. Ich brauche Reagan bestimmt nicht.
Warum kauft Polen das Öl im „befreiten“ Irak. Oder polnischer Stolz erlaubt Ihnen nicht Russen ohne Kohle sitzen zu lassen?
„russ. Archetypus war Ostap Bender, ein Jude türkischer Abstammung.“ Sind Sie Rassiest?
Dann soll für Sie Russland sicherlich die Holle sein! Nur warum er ein „Anständiger“ ist, bleibt ein Rätsel der 'polnischen Seele.'
Gab es eine deutsche Übersetzung des Buches?
Wir sollten schoen im Bunde mit Frankreich bleiben!
Ein Baer scheint zutraulich, kann aber unversehens seine Tatzen zeigen!
Ausserdem gibt es kaum etwas schoeneres als den Kuss einer franzoesischen Frau!
Den muss sich jeder Deutsche aber erst verdienen!
Die Kacke ist schon längst am Dampfen. http://www.freerepublic.c...
Die Toten könnten noch die Freiheit Polens in der Frage stellen. Ich brauche Reagan bestimmt nicht.
Warum kauft Polen das Öl im „befreiten“ Irak. Oder polnischer Stolz erlaubt Ihnen nicht Russen ohne Kohle sitzen zu lassen?
„russ. Archetypus war Ostap Bender, ein Jude türkischer Abstammung.“ Sind Sie Rassiest?
Dann soll für Sie Russland sicherlich die Holle sein! Nur warum er ein „Anständiger“ ist, bleibt ein Rätsel der 'polnischen Seele.'
Gab es eine deutsche Übersetzung des Buches?
Bitte mehr differenzieren!
Bei aller berechtigten Kritik an Amerikas oft imperialistischen Gehabe, an der sogenannten Pop-Kultur und allerlei Kitsch, die uns überfluten, schließlich
am Ignorieren der drohenden ökologischen Katastrophe, manche Leser scheinen
das Augenmaß gänzlich verloren zu haben. Ausgerechnet die Leser einer Zeitschrift, die wie kaum eine andere um Objektivität der publizierten Beiträge bemüht ist, und ohne jeden Zweifel zu den renommiertesten Blättern im europäischen Raum zählt.
Der Antiamerikanismus, den man aus vielen Kommentaren herauslesen konnte, ist wahrlich erschreckend, zuweilen grenzt er schon an antiamerikanischen Fanatismus. Viele Autoren ließen kein gutes Haar an den USA, manch einer verstieg sich sogar zur Behauptung, Amerika und Israel (sic!) seien die größte Gefahr für den Weltfrieden. Ich las Enthüllungen dieser Art mit dem ganzen Ernst, den ich aufzubringen vermochte, der aber gemessen an den Erwartungen der Autoren nicht allzu groß gewesen sein dürfte...
Man fragt sich nun, ob dieser Antiamerikanismus nur ein Überbleibsel aus der
Nachkriegsgeschichte ist, oder vielmehr immer noch gültige geistige Basis
der Linken, die auch nach dem Scheitern des kommunistischen Projektes in Osteuropa ihr einseitiges Denken nicht aufgeben will. Es ist nur verwunderlich,
dass diesem Denken viele verfallen sind, die keineswegs links anzutreffen sind.
Vielleicht ist dieses Schema so attraktiv, weil es so einfach ist? Wenn andere Argumente nicht mehr greifen, kann man alle Sünden dieser Welt auf Amerika abladen, ungeachtet dessen, dass man sich damit oft in wenig schmeichelhafte Gesellschaft mancher Despoten begibt, frei nach dem Motto: ein Feind Amerikas kann doch nicht ganz schlecht sein.
Putin hat den Ort und Zeitpunkt geschickt gewählt, um seinen Gegen-Standpunkt vorzubringen.
Normalerweise werden die Standpunkte und Sichtweisen nicht-westlicher Regierungen in unserer Presse nur selten und meistens verzerrt wiedergegeben.
[Typisches Beispiel am Rande: Putin kritisiert den Aufbau eines des NATO Raketenschutzschirms in Osteuropa (ein Projekt, von dem die ahnungslosen ZEIT-Leser wohl bis dahin noch gar nichts wußten), und schon wird ihm unterstellt, als mißbillige er die Ausbreitung von 'Demokratie und Menschenrechten'.
Raketenabwehrsysteme und Demokratie, das ist für NATO-Ideologen offenbar das gleiche.]
Jetzt bleibt ihnen nichts anderes übrig, jetzt müssen sie endlich einmal darauf eingehen.
Putin hat die Meinungsblockade unserer demokratischen Humanitäts-Imperialisten durchbrochen, die so tun als sei die NATO der bewaffnete Arm von 'amnesty international'.
Auch wenn Rußland selbst keineswegs qualifiziert ist, auf dem Planet eine demokratische Führungsrolle zu beanspruchen: Es war vollkommen richtig von Putin, klare Worte zu sprechen.
Seine Argumentation war konsistent und solide und wirkte daher viel seriöser als alle empörten SprechblasenReaktionen unserer NATO-Vertreter.
Nicht nur das amerikanische, auch das europäische Publikum muß wissen, daß unserer 'westliche' Sichtweise weder die einzige ist noch unbedingt die maßgebliche sein muß.
Je früher und nachhaltiger wir das begreifen, um so leichter wird es fallen, in den kommenden Jahrzehnten einen neuen Weltkrieg zu vermeiden.
unilateralismus und hegemonie sind scheisse! staendig diese bemundung durch die usa von wegen demokratie, menschenrechte und freiheit. nein, auch andere sollen die welt gestalten und ihre regeln durchsetzen koennen! das bereichert! ... andere wie pakistan, iran, saudi arabien, nordkorea, sudan, nigeria, russland, kuba, venezuela, die taliban, die hamas, die hisbollah ... multikulti eben ... die selbe naivitaet ...
ps: uebrigens, auch wenn es jeder nachtratscht. es gibt keine hegemonie und auch nix unilaterales auf dem planeten. sonst haette putin gar nicht sprechen duerfen und china wuerde nicht munter wachsen und russland wuerde nicht so gross im gas-geschaeft sein und es gaebe nicht als hauptnahungsmittel kebap in deutschland und und und .... man muss nicht jede zeitgeistige verbloede stereotype wider der offenkundigen realitaet mitfloskeln ... die usa sind einfach in manchen bereichen die groesste macht in einem weltweiten verbund von vielen grossen und kleinen maechten ... das wars. wir haben keine unilaterale welt. das sind verstaubte antiglobalisierungsvorstellungen, die noch kommunikativ durchs land wehen - kopien, mehr nicht ...
davon abgesehen sollte man halt auch eines endlich begreifen: globalisierung von standards sind sinnig und schaffen MEHR kultur. daher hat deutschland heute mehr szenen und kultur (jedes individuum stellt eine dar) als die gesamte welt zusammen vor 100 jahren, erst recht als die tausenden von fuerstentuemern und koenigreiche vor der vereinigung ...
in wirklichkeit wehren sich gegen globalisierung nur ideologische und diktatorische grosskulturen und religionen, die besitzstandswahrer, die angst vor individuellen mehrmeinungen haben, die durch gleiche standards ausgeloest werden.....
das gilt auch fuer china. es existiert in der gesamten geschichte von china kein zeitpunkt in der die diversitaet groesser war. das gilt auch fuer indien, das gilt auch fuer etc. etc. etc.
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