Fonds Alptraum statt Rendite

Flexible Mischfonds eröffnen den Fondsmanagern so viele Freiheiten wie kaum eine andere Fondsgattung. Die Kunden profitieren davon nicht unbedingt.

Flexible Mischfonds suggerieren dem Anleger eine besondere Mischung aus Chance und Risiko: Je nach Markteinschätzung kann das Fondsmanagement mal komplett in Aktien, mal komplett in Anleihen investieren. Leider liegen aber die Manager mit ihren Prognosen nicht selten voll daneben, wie die Wertentwicklung einiger Fonds zeigt.

Ein Beispiel ist der "Total Return Flexible LC" von der Deutsche-Bank-Tochter DWS: Laut Fondsbeschreibung kann der Fondsmanager "flexibel, je nach Marktentwicklung zwischen 0 und 100 % in Aktien, fest- und variabel verzinsliche Wertpapiere sowie Wandelschuldverschreibungen, Optionsanleihen und Genussscheine" investieren - eigentlich der Traum eines jeden kreativen Vermögensverwalters. Für die Anleger ist es eher ein Alptraum. Trotz der Möglichkeit, bei der Aussicht auf Kurssteigerungen an der Börse alles auf Aktien zu setzen, rauschte der Aktienboom der vergangenen drei Jahre komplett am DWS-Kunden vorbei. Seit Anfang 2004 erzielte der Fonds eine durchschnittliche Jahresrendite von 0,3 Prozent, was angesichts einer jährlichen Verwaltungsgebühr von 1,2 Prozent und einem Ausgabeaufschlag von vier Prozent, diplomatisch formuliert, durchaus als ungenügend bezeichnet werden kann.

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Gemischte Gefühle hinterlässt der "Vermögensaufbau-Fonds" der Privatbank Hauck & Aufhäuser, der sich in der Werbung als flexibler Mischfonds präsentiert, der die Risiken "der Marktlage anpasst, aber minimiert". Wie risikoreich der Fonds tatsächlich wirtschaftet, zeigt ein Blick auf die Wertentwicklung: Einem Plus von 52,5 Prozent im Jahr 2005 stand ein Minus von 3,8 Prozent im Folgejahr gegenüber. Solche Ausschläge hätte ein Investment in den europäischen Aktienindex Euro Stoxx 50 nicht verursacht - hier gab es im Jahr 2005 einen Zuwachs von 23,9 Prozent und im Jahr 2006 ein weiteres Plus von 16,7 Prozent. Laut Rechenschaftsbericht von Hauck & Aufhäuser waren für die Verluste im ersten Halbjahr 2006 vor allem massive Kurseinbrüche hoch gewichteter Aktien eines japanischen Internetkonzerns und einer kleinen schweizerischen Softwarefirma verantwortlich. Wie sich diese Tatsache mit der in der Werbung propagierten Risikominimierung vereinbaren lässt, darüber schweigt der Bericht sich aus.

Nicht unbedingt für Expertise bei der Markteinschätzung spricht auch die Wertentwicklung des "Global Expert"-Fonds von der Commerzbank-Investmentgesellschaft cominvest. Je nach Börsensituation kann der weltweit anlegende Fonds seinen Aktien- und Anleihenanteil variieren. Das Ergebnis: Enttäuschende minus 1,5 Prozent im Jahr 2004, ordentliche plus 17,3 Prozent im Jahr 2005 und ernüchternde minus 1,5 Prozent im Jahr 2006. Drei Schüsse, ein Treffer - das ist zu wenig für einen Fonds, der für die Experten im Management jährlich 1,5 Prozent an Gebühren verlangt.

Natürlich muss der Gerechtigkeit halber angemerkt werden, dass der Manager eines flexiblen Mischfonds auch den richtigen Riecher haben kann und dass manchmal aus einem bislang erfolglosen Fonds ein erfolreiches Anlagemodell wird. Nur: Wie lässt sich herausfinden, bei welchem Fonds dies künftig so ist? Auf diese Frage gibt es keine Antwort.

Für den Anleger bleibt die Erkenntnis, dass ein großer Entscheidungsspielraum des Fondsmanagements weder mit geringerem Risiko noch mit höheren Renditechancen verbunden sein muss. Eher ist das Gegenteil der Fall, denn die Gefahr einer Fehlentscheidung kann das Verlustrisiko noch zusätzlich erhöhen.

Leser-Kommentare
  1. Was erwartet der Autor in einem Land, in dem man erst ab einer Anlagesumme von 1 Mio EUR von der Bank wahrgenommen wird?

    Bei den Fonds wird halt der Schrott abgeladen. Für die 'Kleinanleger'. Das war schon immer so. Und Mischfonds stehen direkt neben dem Schredder, in dem 500 EUR Banknoten gleich ganz vernichtet werden.

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