Müll Kampf um die Gelbe Tonne

Immer mehr Unternehmen steigen aus dem Dualen System aus. Sie bezahlen nicht mehr für den Grünen Punkt und drücken sich so um die Entsorgung ihrer Verpackungen. Das Bundesumweltministerium will den Trittbrettfahrern jetzt den Garaus machen.

Die Entsorgung über die Gelbe Tonne soll wieder Pflicht werden

Die Entsorgung über die Gelbe Tonne soll wieder Pflicht werden

Bei Rossmann stehen sie gleich neben der Kasse, versteckt unter dem Packtisch: zwei unscheinbare Mülltonnen für Papier und Plastik. Wer bei Deutschlands Drogerie-Riesen einkauft, kann die Plastikhülle der Zahnbürste gleich im Laden entsorgen statt zu Hause in der Gelben Tonne. Ein wunderbares Wort gibt es für diese Art des Müllsammelns: Selbstentsorgung. Rossmann ist also ein Selbstentsorger. Will heißen: Das Unternehmen organisiert für knapp ein Fünftel seiner Produkte die Entsorgung der Verpackung selbst.

Geht es nach Thomas Rummler, soll damit bald Schluss sein. Der Leiter der Abteilung „Produktverantwortung“ im Bundesumweltministerium will diese Woche die fünfte Novelle der Verpackungsverordnung vorstellen und den Entsorgungsmarkt in Deutschland neu ordnen. Es geht um nicht weniger als die Zukunft der Gelben Tonne. Und die sieht Rummler durch Selbstentsorger und Trittbrettfahrer bedroht. Die Abfallbranche ist angesichts der Pläne in Aufruhr. Ihr Jahresumsatz liegt bei mehr als 50 Milliarden Euro, betroffen ist also ein äußerst lukrativer Markt in Deutschland.

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Die Idee, die hinter der bisherigen Verordnung steht, ist simpel: Handel und Hersteller sollen für die Entsorgung ihrer Verpackungen zahlen. Anfang der 90er erfand Ex-Bundesumweltminister Klaus Töpfer deshalb den Grünen Punkt, das Markenzeichen des Dualen Systems. Jede Verpackung musste bei ihm lizenziert werden. Ein Shampoo-Hersteller zahlt für den Grünen Punkt auf seinen Flaschen. Im Gegenzug organisiert das Duale System über die Gelben Tonnen und Abfallfirmen das Recycling.

Doch die Praxis sieht anders aus. Auf jeden Bürger entfallen jährlich mehr als 60 Kilogramm Verpackungen. Aber mittlerweile trägt rund ein Drittel aller Verpackungen gar keinen Grünen Punkt mehr. Bestes Beispiel sind die Brötchentüten, die zwar im Altpapiercontainer landen – was unter dem Aspekt des Recyclings auch Sinn macht. Für ihre Entsorgung hat aber kein Bäcker an das Duale System gezahlt. „Dieses Trittbrettfahrer-Verhalten ist nicht gerecht und bedroht die Finanzierung des Systems“, sagt Rummler. Auf bis zu 600 Millionen Euro schätzt die Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung aus Wiesbaden, der „Thinktank“ der Branche, die Finanzierungslücke.

Auch Selbstentsorger wie Rossmann, die für einen Teil ihrer Ware keine Lizenzgebühr zahlen, weil sie ihre eigenen Mülltonnen aufstellen, sind Rummler ein Dorn im Auge. Denn natürlich schmeißt fast kein Kunde den Zahnpastakarton dort in die Tonne oder bringt die Tube leer zurück. Nur zwei bis fünf Prozent der Verpackungen landen wieder bei Rossmann.

Abfallunternehmen wie BellandVision, die für Rossmann das Recycling übernehmen, holen daher auch bei Kinos, Kantinen und Krankenhäusern Verpackungsmüll ab. Diese Selbstentsorgergemeinschaften verrechnen die Müllmengen miteinander, um bestimmte Recyclingquoten zu erfüllen. „Das alles ist intransparent“, sagt Rummler, „wir müssen einen fairen Wettbewerb wiederherstellen, damit das Duale System finanzierbar bleibt.“

Leser-Kommentare
  1. Das Kartell der gelben Tonnegehört abgeschafft! 1. ist es völlig überteuert, 2. gibt es effektivere Methoden zur Wiederverwertung und 3. ist das Grüne Punkt System oklogischer Unsinn.

    Ich hätte mir von der Zeit einen objektiveren Blickwinkel gewünscht. Als Unternehmer würde ich mich auch weigern daran teilzunehmen, als Privatperson kann ich ja leider nicht.

    Auch ist es unglaublich, wie sie das Umweltministerium zum Handlanger eines Kartells machen lässt.

  2. Also da haben wir ein 'sehr lukratives' Geschäft sind aber nicht mehr Monopolist. Andererseits gibt es Konkurenz ohne die 600 Mio mehr 'erlöst' werden könnte.

    Die Lösung ist einfach. Kraft besonderer Beziehungen zur Politik (Finanzminsterium?) wird die Konkurenz ausgeschaltet und aus den Unternehmen und Verbrauchern noch mal ein paar Hundert Millionen abgeschöpft.

    Rumpelstielziechen war ein Weisenknabe dagegen. Das 'Rumpelmännchen' übrigens auch.

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