"Master Luke ist sehr schlau - für einen Menschen zumindest." Diese Feststellung des Droiden 3-CPO in Episode VI von Star Wars zeugt von einer sehr guten Kenntnis menschlicher Gedankengänge. Natürlich steht der Held in seinen geistigen Fähigkeiten meilenweit über denen "normaler" Mitmenschen. Trotzdem ist auch bei ihm die Einschränkung angebracht, die von 3-CPO ins Feld geführt wird. BILD

Menschen haben nun einmal nur begrenzte kognitive Fähigkeiten. Aus diesem Grund neigen sie dazu, Dinge so weit als möglich zu vereinfachen, um sie überhaupt erst für sich erfassbar zu machen. In der Behavioral Finance spricht man in diesem Zusammenhang von der Verwendung von Heuristiken, also vereinfachenden Faustregeln.

Mit Hilfe solcher Vereinfachungen können komplexe Dinge auf die scheinbar zentralen Punkte eingeschrumpft werden, die man dann wieder auswerten und beurteilen kann. Solche Heuristiken laufen teilweise vollkommen unbewusst ab, teilweise werden sie aber auch mehr oder weniger überlegt angewendet. Wie kann man sich das in der Praxis vorstellen?

Eine der häufig anzutreffenden Vereinfachungen ist der sogenannte Ankereffekt, bei dem Menschen eine Entscheidung an Zahlen oder Ereignisse binden, die mehr oder weniger stark mit dem Entscheidungsgegenstand zusammenhängen. Wenn Investoren also vor der Frage stehen, ob sie eine Aktie wieder verkaufen sollen, ist von großer Bedeutung, ob sich dieses Engagement in der Gewinn- oder der Verlustzone befindet. Die Frage lässt sich nämlich nur beantworten, wenn man seine Entscheidung an dem Kaufpreis orientiert, der in diesem Fall als Anker dient. In der Gewinnzone sind Investoren viel eher bereit, eine Aktie wieder zu verkaufen als in der Verlustzone. Deshalb kann man bei der großen Mehrzahl an Investoren auch dieses Verhalten beobachten: "Gewinne begrenzen, Verluste laufen lassen."

Weitere Faustregeln machen sich als übersteigertes Selbstvertrauen der Investoren (Overconfidence), in auf Stolz oder Bedauern aufbauenden Anlagestrategien oder der sogenannten Repräsentativheuristik bemerkbar. Dabei neigen Menschen dazu, die aktuelle Situation vor dem Hintergrund einer scheinbar vergleichbaren Situation aus der Vergangenheit zu beurteilen, die sie als repräsentativ für die Gegenwart ansehen. Die vorhandenen Unterschiede werden generös vernachlässigt, so dass die entstehenden Ungenauigkeiten der Analyse schnell ein großes Ausmaß annehmen können.

Eine andere sehr gerne angewendete Heuristik besteht darin, die Entwicklung der jüngsten Zeit einfach fortzuschreiben. Wenn die Kurse eine Woche lang steigen, sehen Anleger dies sofort als den Beginn eines Aufwärtstrends. Drei Tage in Folge mit sinkenden Kursen wird dagegen gleich als der Beginn eines Bärenmarktes angesehen.