Politischer Aschermittwoch Ovationen für Stoiber - Pfiffe für Pauli
In Passau beim politischen Aschermittwoch feiert die CSU den Abschied von Edmund Stoiber. Die Basis streitet um den Nachfolger, aber mit dem scheidenden Amtsinhaber ist noch zu rechen.
„Es passt schon“, sagt Gabriele Pauli, obwohl wütende Pfiffe ihren Einzug in die Dreiländerhalle in Passau begleiten. Beim traditionellen politischen Aschermittwoch der CSU ist sie offensichtlich nicht willkommen, da nützt es auch nichts, dass die Fürther Landrätin ein schickes Lederkleid trägt und eine gestärkte weiße Bluse. Pauli hat vor ein paar Wochen mit ein paar Interviews entscheidend zum Sturz von Edmund Stoiber beigetragen, doch nun fallen Worte wie „Sau“ oder „charakterlos“. Pauli wirkt gefasst. Ja, damit haben man rechnen müssen, kommentiert sie den unfreundlichen Empfang mit einem Lächeln auf den Lippen, und sagt: „Die brauchen noch Zeit, um den Wandel nachvollziehen.“ Doch anschließend steht Gabriele Pauli ziemlich verloren hinter der großen Bühne. Beim größten politischen Stammtisch der Welt zeigt sich: die Stoiber-Anhänger nehmen übel.
Fröhlicher Abschied von der Basis: Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber auf der Aschermittwoch-Veranstaltung in Passau
Es ist Edmund Stoibers letzter Auftritt vor der Basis, 14 Mal hat er in Passau zum politischen Aschermittwoch geredet, und die CSU hat sich vorgenommen, ihrem scheidenden Ministerpräsidenten und scheidenden Parteivorsitzenden einen rauschenden Abschied zu bereiten. Die Halle ist weiß-blau geschmückt, die Stadtkapelle Passau spielt wie jedes Jahr zum Einzug der Parteiprominenz den bayerischen Defiliermarsch, die heimliche Nationalhymne des Freistaates. „Edi bleib“, und „Danke für 14 tolle Jahre“ steht auf handgemalten Transparenten, die einige seiner etwa 6.000 Anhänger in der Halle dazu schwenken. Rhythmischer Beifall, bevor Edmund Stoiber ein einziges Wort gesagt hat.
Stoiber trägt eine Trachtenjacke. „Ein ganz herzliches Grüß Gott“, sagt er zur Begrüßung und dann redet er fast drei Stunden über die CSU, über Deutschland und über Globalisierung. Er redet über die RAF, über die deutsche Einheit und über Europa, er erinnert an Franz Josef Strauß und an Ludwig Erhard, er spottet über die SPD und findet, die Türkei gehöre nicht in die europäische Union. Stoiber plädiert für die weitere Nutzung der Atomenergie und er lobt die Familie. Vieles, was Stoiber sagt, klingt wie ein politisches Vermächtnis, wie ein Abgesang auf eine Epoche. Aber Passau ist ja auch nicht der Ort, wo die CSU-Anhänger etwas Neues hören wollen oder innovative Ideen. Passau ist im Jahr 2007 allen voran der Ort der Selbstvergewisserung einer Partei, die in Unordnung geraten ist, einer Partei, die Angst vor der Zukunft hat, obwohl sie sich doch so gerne als „erfolgreichste Partei Europas“ feiert.
Stoiber weiß ganz genau, was er seinen Zuhörern in Passau, in der „Südkurve der CSU“ bieten muss. Für jeden ist etwas dabei, für die Bauern, für die BMW-Arbeiter und für die bayerischen Polizisten, für die Mütter, die zu Hause ihre Kinder erziehen und für Frauen, die im Beruf ihren Mann stehen. Und Stoiber weiß auch, wie er die Stimmung im Saal zum Kochen bringt. Wenn er beispielsweise erklärt, der RAF-Terrorist Christian Klar verdiene „keine Gnade“, oder er seinen Zuhören zuruft: „Bei uns gilt das Grundgesetz und nicht die Scharia“, dann jubelt der Saal. Wenn er seinen Zuhörern zuruft: „Ja spinnt die Künast jetzt komplett“, weil die Grünen-Politikerin zum Kauf japanischer Hybrid-Autos aufgerufen hatte, dann springen seine Anhänger auf und klatschen.
Selbst wenn sich Stoiber gegen die „Belehrungen“ aus der Schwesterpartei wehrt, etwa durch seinen niedersächsischen Amtskollegen Christian Wullf, der es gewagt habe, eine bessere Kinderbetreuung in Bayern anzumahnen, dann herrscht Stimmung im Saal. Ja, dann wissen die CSU-Anhänger, mir san mir. Die Bayern haben eine eigene Partei, sie sind Spitze in Deutschland und einzigartig in Europa. Die Basis ist zufrieden, sie klatscht, sie grölt, sie ruft „Edmund, Edmund“.
Doch so sehr die Basis ihren Edi feiert, so wenig lässt sich verbergen, dass sich die CSU in den letzten Monaten verändert hat. Stoiber wurde von der eigenen Landtagsfraktion zermürbt und von seinem designierten Nachfolger im Amt des Ministerpräsidenten, von Günther Beckstein und seinen Freunden aus dem Amt gedrängt. Die legendäre Geschlossenheit der CSU gibt es nicht mehr, und so bietet die CSU auch in Passau mehr politischen Jahrmarkt als üblich. Sie bietet sich widersprechende Transparente, unterschiedliche Meinungen und nicht nur Jubel, sondern auch Protest. Es ist innerparteilicher Wahlkampf in der CSU, zum ersten Mal in der Geschichte bewerben sich auf einem CSU-Parteitag im September zwei Kandidaten um den Parteivorsitz, und deshalb es ist auch innerparteilicher Wahlkampf in der Passauer Dreiländerhalle.
- Datum 21.02.2007 - 12:24 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT online
- Kommentare 15
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





@WillyF
Vielen Dank, wir müssen ja auch ein wenig Spass haben !
Si ehta uswi elat einist ab erke ins !
Alles klar ?
Ich, äh, habe da mal, äh, eine kurze, äh, also ich wollte mal, äh, fragen,
also praktisch, äh, eine kurze Frage, äh, stellen, nämlich (!) ob, äh, der Herr Beinahebundeskanzler, äh, also der Herr Stoiber aus, äh, Bayern, äh, also ob der
praktisch auf einer, äh, wie sagt man doch gleich einer, äh, SPD Gesamtschule war.
Was ist das?
Jetz habts euch nettasoh, seitz froh dassa net 'Ovarien' geschrieben hat :)
Gruß, Allons!
Gut gekontert, Troll5, die fünf Punkte sind von mir. ;-)
Auf der Hauptseite habt Ihr die Overtionen schon verbessert. Auf der Seite für die Leser-Kommentare wartet man auf die Ovationen allerdings noch vergeblich.
Spendiert Euch der Herausgeber eigentlich keinen Spell-Checker? Ihr wisst, was ich meine ;-)
Es tut fast schon körperlich weh, wenn man selbst in der 'Zeit' solche Schlagzeilen lesen muss.
.. da gehört als Bild hierher des roten eleganten Damenschuhs, der dem Großen Vorsitzenden im Arsch steckte - beim Düsseldorf Karneval.
*
Bei der altvorderen SPD ist noch keine Frau aufgetaucht, die ähnliches geleistet hätte -- beim großen Palaver-Vorschlitz Schrö - oder beim kleinen Mitmacher Münte.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren