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Was ist das Geheimnis des U2-Produzenten Rick Rubin? Die Frisur wohl kaum. Johnny Cash hielt ihn für einen Penner. – Unsere haarige Musikpresseschau
Wer auf die Popgeschichte zurückblickt, wird für Neuauflagen früherer Bands wenig überzeugende Beispiele finden. Nicht einmal den bei Andy Warhol geschulten Velvet Underground gelang es, die eigene Geschichte ruhmreich fortzuschreiben. Zu ihrer Comeback-Tour Anfang der neunziger Jahre beschworen sie kurz die Erinnerungen – nicht mehr, nicht weniger. Übles lassen die Wiedervereinigungen von Genesis und Police befürchten. Da geht es ums Geld. Anders verhält es sich bei den amerikanischen Avantgarde-Pionieren Tuxedomoon . Ende der Siebziger gehörten sie zur New Wave- und Punk-Szene San Fransiscos. Auf Ralph Records , dem Label der mysteriösen Residents , veröffentlichten sie ihr erstes Album und zogen wenig später nach Brüssel: ein Künstlerkollektiv im Grenzbereich zwischen Jazz, Experiment und New Wave. Nach zwei Alben löste sich die Urbesetzung mit Steven Brown , Blaine Reiniger und Peter Principle auf. Seit einigen Jahren musizieren sie wieder zusammen. Merkwürdig ist: Sie schreiben die instrumentalen, von Steven Browns Saxofon geprägten Klangszenarien fort, als hätten sie sich nie getrennt.
In der Frankfurter Rundschau bespricht Stefan Michalzik einen Auftritt der „Altherrencombo“: „Nichts scheint überflüssig an diesem Abend. (…) Mit der Präzision eines Rock-Kammerensembles agieren die beiden sich in der Sängerrolle paritätisch abwechselnden Multiinstrumentalisten Brown (Alt- und Sopransaxofon, Klarinette, Synthesizer) und Reininger (Gitarre, Violine, Minikeyboard) sowie der Trompeter und Flügelhornspieler Luc van Lieshout und der Bassist Peter Principle. Keine Chance dem Zufall – wohl aber der Improvisation als kompositorischem Prinzip.“
Dem Experiment näher als dem Rock war auch die englische Band Soft Machine . „Jeder in dieser Gruppe wollte seinen Weg gehen. Was dann jeder auch tat, während sie zusammenspielten“, schreibt Steve Lake in der Süddeutschen über die vier Gründungsmitglieder Robert Wyatt, Daevid Allen, Kevin Ayers und Mike Ratledge. Auf einer ganzen Seite wird die Geschichte der Kunstrocktruppe erzählt: vom Anfang bis in die späten siebziger Jahre hinein. Auftritte im Hamburger Star Club , in dem ihnen nach drei Stücken der Strom abgeschaltet wurde, sind ebenso Thema wie die verwendetem Instrumente. „Zu den Besonderheiten der Lowrey-Orgel (für die man sich entschieden hatte, weil eine Hammond zu teuer war) gehörte es, dass Ratledge bei hoher Lautstärke nicht die Hände von den Tasten nehmen konnte, ohne, dass alle Musik in Rückkopplungen unterging. Die Lösung bestand darin, dass die Hände nicht von der Tastatur genommen wurden. Aus technischer Begrenzung wurde ein Stil.“
Ob die meisten Musikanten, die in diesem Jahr einen Grammy oder einen Brit Award entgegen nehmen durften, noch so experimentierfreudig sind?.
Über die Grammy-Verleihung war vergangene Woche bereits an dieser Stelle zu lesen. Die Nachbeben füllten die Zeitungsspalten auch in den Tagen danach. Karl Bruckmaier freute sich in der SZ darüber, dass im „Kleingedruckten“ der 108 verliehenen Grammys durchaus Interessantes zu finden war. Dort „rundete sich das in der Fernsehübertragung so schmalzige Bussi-Bussi-Bild zu einer durchaus monumentalen Momentaufnahme, die Platz für viel mehr popmusikalische Wirklichkeit hat, als man einer Veranstaltung wie dem Grammy eigentlich zutraut".
Thomas Winkler sah das Ereignis in der taz kritischer. Die Verleihung von fünf Grammys an die Dixie Chicks zeuge vor allem vom Wandel des linksliberalen Amerika. „Die amerikanische Öffentlichkeit feierte ihre vermeintliche Liberalität. Kein Kommentator kam umhin, stolz zu verkünden, dass die Dixie Chicks ausgezeichnet wurden, obwohl Leadsängerin Natalie Maines im März 2003, kurz vor Beginn des Irakkrieges, den Fehler begangen hatte, Präsident Bush zu kritisieren. Tatsächlich aber verhält es sich genau anders herum: Nicht trotz ihrer Kritik an Bush sind die drei biederen Sängerinnen ausgezeichnet worden, sondern gerade deshalb. Denn mittlerweile gehört das Bush-Bashing längst zum guten Ton.“
- Datum 19.02.2007 - 08:04 Uhr
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