USA Die blonde Spionin

Gefälschte Dokumente und Kabale im Weißen Haus: I. Lewis Libby, der frühere Büroleiter von US-Vizepräsident Dick Cheney, steht vor Gericht. Ein Bericht von

I. Lewis "Scooter" Libby, Ex-Bürochef von US-Vizepräsident Dick Cheney, vor dem Bundesgericht in Washington (Januar 2007)

I. Lewis "Scooter" Libby, Ex-Bürochef von US-Vizepräsident Dick Cheney, vor dem Bundesgericht in Washington (Januar 2007)

New York. Tim Russert ist eine Institution in Amerika. Der 60-jährige Journalist moderiert am Sonntagmorgen auf NBC die Sendung Meet the Press , die in die USA so bekannt ist wie in Deutschland der Presseclub . Politiker reißen sich darum, bei Russert eine Plattform zu bekommen, der sich seinerseits rühmt, ein harter, unparteilicher Nachfrager zu sein. Auch Bob Woodward ist eine Institution. Der Washington-Post -Reporter hat den Watergate-Skandal aufgedeckt, über den der damalige Präsident Richard M. Nixon am Ende stolperte.

Woodward, Russert und ein Dutzend anderer Journalisten — darunter die frühere New York Times -Korrespondentin Judith Miller — traten in den vergangenen Tagen in Washington vor Gericht auf, als Zeugen gegen I. Lewis Libby, den ehemaligen Stabschef von US-Vizepräsident Dick Cheney. Es geht darum, ob Libby oder auch ein anderer Regierungsbeamter, die Identität der CIA-Agentin Valerie Plame an die Presse verraten hat, womöglich sogar im Auftrag von Cheney. Ursprünglich hatte Libbys Verteidigung sogar Cheney selbst als Zeugen laden wollen, hatte dann aber kalte Füße bekommen. Diese Woche wird eine Jury das Urteil sprechen, aber die Geschichte wird damit noch nicht zu Ende sein.

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Der Prozess könnte das Watergate für die Bush-Regierung bedeuten. Denn der zunehmend unübersichtliche Fall Plame ist für die Linke das, was für die Rechte der Fall Lewinsky war: Die Chance, ein kleines Fädchen zu erwischen und damit ein ganzes Geflecht von Lügen, Geheimnissen und politischen Kabalen um den „Krieg gegen den Terror“ aufzuwickeln.

Das Drama hat mehrere Akteure: Da ist einmal Lewis „Scooter“ Libby selbst. Ein Anwalt, der einem Netzwerk aus semi-klandestinen Lobbys und Think Tanks angehört, deren wichtigster das American Enterprise Institute ist, die politische Heimat der Neokonservativen. Das Netzwerk bildete sich in den 1980er-Jahren unter Ronald Reagan vor dem Iran-Contra-Skandal. Damals wurde Libby bereits von Neocon Paul Wolfowitz engagiert. 1998 unterzeichnete Libby, mit anderen Geistesverwandten, einen Brief an US-Präsidenten Bill Clinton, der für einen „Regime Change“ im Irak eintrat. Libby vertrat auch den flüchtigen Börsianer Marc Rich, der von Clinton unter dubiosen Umständen begnadigt wurde. Und er ist Mitglied im „Project for the New American Century“, das dafür eintritt, dass Amerika eine „imperialistische Macht globaler Domination“ wird.

Dann gibt es Patrick Fitzgerald, den unerschrockenen, arbeitsamen Staatsanwalt aus Chicago, bekannt für sein hartes Vorgehen gegen das organisierte Verbrechen, der seine Adresse geheim hält, damit die Mafia ihn nicht erwischt. Und schließlich Valerie Plame, eine glamouröse blonde Geheimagentin, die mit dem ein wenig pompösen Karrierediplomaten Joseph Wilson verheiratet ist. Als alles anfing, arbeitete sie für die CIA-Tarnfirma Brewster Jennings. Deren Aufgabe war es, dem Handel mit Massenvernichtungswaffen im Mittleren Osten nachzuspionieren, insbesondere der Verbreitung von nuklearem Material.

Als die ersten Berichte über Massenvernichtungswaffen des Irak aufkamen, saß Plame also an der Quelle — und sie ahnte, dass etwas nicht stimmte. Anfang 2002 veranlasste sie, dass ihr Mann Joseph Wilson ins afrikanische Niger geschickt wurde, um zu recherchieren, ob Saddam Hussein waffenfähiges Uran kaufen wollte. Am 6. Juli 2003 schrieb Wilson einen Kommentar in der New York Times: Er habe dort unten kein Uran gefunden, die Regierung verbreite Lügen. Eine Woche später outete Robert Novak Wilsons Frau als CIA-Agentin. Bei der Gelegenheit ließ Novak auch die Tarnfirma Brewster-Jennings auffliegen. Er habe diese Information aus dem Weißen Haus gehabt, das sich an Wilson habe rächen wollen, hieß es.

Leser-Kommentare
    • Devin
    • 19.02.2007 um 15:31 Uhr

    Sorry, habe mich verguckt, der mit Plame genannte Verfasser heißt 'soauchnicht'. Siehe oben!

  1. Jetzt wird entdlich mal aufgezeigt, was da für Verbrecher in Washington rumlaufen. Ohne jeden Skrupel. Dreißig Jahre, das wärs. Mal sehen, ob Bush es wagt ihn zu begnadigen. - Ein Bravo an die demokratische USA! Aber, hoffentlich bekommen sie auch bald Bush, seinen Aufpasser Cheney und die vielen anderen fundamentalistischen Falken 'an den Arsch'. Schön wärs.

  2. 3. Plame

    ...einfach ungeheuerlich...und vielleicht nur die Spitze des Eisbergs. Was in diesen Zirkeln ausgebrütet wird, überzieht die ganze Welt mit Unheil. Wer kann uns davor schützen?

  3. .... was hat die Blondine dort in dem Gebaeude gemacht, durch dessen Tuere sie jahrlang jeden Morgen hineingegangen ist . Was wollte sie dort jeden Tag?

    Libby hat wahrscheinlich ein Gesetz verlezt. Wenn es auch der Jury so erscheint, geht er ins Gefaegnis.

    So weit, so gut.

    Dann, gute Eva kommt Ihr Bericht aus New York. Warum nicht aus Washington, wo Libby vor dem Gericht steht? Warum nicht von Kleine-Brockhoff, dem die ZEIT eine Menge Geld bezahlt, um von dort Unsinn und/oder Uebertreibungen zu berichten.

    Zum Beispiel: In Ihrem ersten Paraphen, in der ersten Zeile beschreiben Sie Russert als eine Institution. Institution? Sind die Nachrichten Leser in Hamburg das auch?

    Oh, er hat Meinungen, und deshalb ist er klug? Man braucht nur die ZEIT zu lesen, dort sind alle klug? Sogar Joffe ist keine Institution. Oder?

    Warum immer die dummen, ja geistlosen Uebertreibungen?

    Russert ist ein guter Mann. Er hat Gaeste, Er fragt, sie... die ihm sypatisch ist Fragen wie King am Abend (jeden Tag), und scharfe, so scharf wie sie ihm zum Sinn kommen Fragen an Leute, die er nicht gut leidet. Was jeder machen wuerde, einschliesslich Sie und ich.

    Das macht Russert weder ein boeser Mann noch eine Institution. Es gibt Hunderte, auf die man genau so sehr (oder nicht sehr) aufpasst).

    Eva, schreiben Sie so weil Ihre Leser es von Ihnen verlangen? Oder ist es Ihre Art?

    Vielleicht eines Tages wird es jemandem einfallen, sich zu wundern: Warum ausgesprochen immer so mit beinah keinen Ausnahmen in Deutschland? Uebertreibungen wie nirgendswo. Man denkt beinah dass es ohne Abischt gemacht wird, was meine Frages vergroessert in Wichtigkeit.

    Wo kann man aehnliche Zeitungen und Zeitschriften finden? Nicht in Frankreich und England, oder in New York. Fuer jede NY Times gibt es ein Wall St Journal.

    Es muss am Wasser liegen....., aber das kann auch nicht sein, da Kleine-Brockhoff dasselbe nicht gut schmeckende Wasser in Washington trinkt, oder Sie in New York wie wir....... Es muss dann an den Leuten liegen, die das Wasser trinken, nicht am Wasser. Oder?

    Mit freundlichen Gruessen!

  4. Ich vermute es fast!

    Ich befuerchte es fast!

    Da wird es mir langsam klar:

    die amerikanische Aussenpolitik kann nicht anders sein, als das, was sie ist!

    Dies seltsam hasserfuellte Gebrabbel ihrer Kommentare, dieses Fehlen jedweder nachvollziehbaren Logik erinnert mich an duestere Priester, die dreimal auf den Grund stampfen und dann die feindlichen Staemme verfluchen und sie der Hoelle preisgeben!

    Ich persoenlich geringschaetze diese Art amerikanischer Aussenpolitik!

  5. Oh jeh!. Mein ganzes Weltbild - gestählt durch das permanente Lesen der deutschen Presse - gerät durcheinander. Bisher dachte ich in meiner unendlichen Naivität, dass hauptsächlich in Russland die Presse über die Einvernahme durch Gazprom staatlich manipuliert wird. Jetzt wird deutlich, dass das auch im Hort der Demokratie USA bezüglich der Meinungsmanipulation drunter und drüber geht. Wenn man dann noch diverse Kampagnen der deutschen Presse, z. B. auch gegen Russland, so betrachtet und dann noch Vergleiche mit den USA-Medienschwestern macht, so kann einem wahrlich das Grausen kommen.
    Interessant ist auch, dass einer der 'Angelhaken' für den Irak-Krieg, die angebliche Orderung von Uran aus Niger seitens Irak, dann zwar als Fälschung entlarvt, durch die sonst so investigative Presse nie aufgebohrt worden ist. Eine derartige Fälschung, recht aufwendig, hat immer eine bestimmte Stoßrichtung und gezielte Absicht. Offensichtlich ist aber diese interessante Angelegenheit eine zu heiße Kartoffel als das ihr nachgegangen wird.
    Wenn lauthals und stolz verkündet wird, dass die Medien ja angeblich in einer Demokratie die 4. Gewalt und das Korrektiv gegenüber Auswüchsen und Extremen darstellen, so ist im Blick auf die USA festzustellen, dass dieses Korrektiv für die Katz ist, wenn die halbe Welt inzwischen in Trümmern liegt!

    • Devin
    • 19.02.2007 um 12:59 Uhr

    @plame: Niemand kann uns davor schützen. Nur wir selber können das, wenn wir dieses Spektakel nicht für das nehmen, als was es uns serviert wird: Als eine Verschwörung! Wenn wir das als Verschwörung schlucken, dann bleibt das System sauber - und wir pathologisch unauffällig! Denn gibt es da nicht ein paar Staatsanwälte, ein paar (wenn auch immer wenigere) Journalisten (Hersh zum Beispiel – ja selbst der wird benutzt!) und natürlich auch noch ein paar Politiker (wo nimmt man die eigentlich immer wieder her?), die uns, unisono – wie Parsifal – als Gralsritter serviert werden. Keine Frage: Es sind all die Namen vertreten, die in den anderen – schon älteren - Schweinerein (Stichwort: Iran-Contra-Affäre) bekannt geworden sind; aber ist es nicht mehr als merkwürdig, dass offenbar die Geschicke der Weltpolitik („die ganze Welt mit Unheil“) davon abhängen, was hier - na sagen wir es doch offen: ein paar Polit-Gangster veranstalten? Ist das Kapital komplett verrückt geworden oder ist das nicht der paranoide Alltag eben eines völlig normalen Kapitals?

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