»Ich will die Menschen für Jesus Christus wieder mehr begeistern« - das war vor zehn Jahren der Wahlspruch von Walter Mixa. Mittlerweile gibt sich der 65-jährige Bischof von Augsburg rechtschaffen Mühe, genau das Gegenteil zu tun. Scharfzüngige oder unangemessene Kritik? Bischof Walter Mixa attackiert Familienministerin von der Leyen (Foto vom 01.10.05)© Johannes Simon/ddp

Am Donnerstag fiel er in den glücklicherweise schon abschwellenden Klagegesang konservativer Unionspolitiker ein und kritisierte die Familien-Förderpolitik von Bundesministerin Ursula von der Leyen als »kinderfeindlich und ideologisch verblendet«. Und allen Ernstes zog der Bischof den Diktaturvergleich. Das, was von der Leyen vorhabe - die Zahl der Krippenplätze in Deutschland nämlich auf einen halbwegs vernünftigen Stand zu erhöhen - erinnere an die Ideologie der staatlichen Fremdbetreuung von Kindern in der DDR. Die Doppelverdiener-Ehe werde zum »ideologischen Fetisch« erhoben. Ja, der wackere Kirchenmann verstieg sich sogar dazu, der siebenfachen Mutter von der Leyen vorzuwerfen, die Frau zur »Gebärmaschine« zu degradieren.

Mixa ist ein strenger Verfechter einer orthodoxen Kirchenordnung. Früher hat er schon mal einen Pfarrer beurlaubt, der am Rande des Ökumenischen Kirchentages an einem evangelischen Abendmahl teilgenommen hatte, und auch mal die CSU gewarnt, »vor gesellschaftlichen Fehlentwicklungen zu kapitulieren« und sich »von der Mehrheit ihrer katholischen Stammwähler zu entfernen«. Doch diesmal hat er sehr tief in die Schmutzkiste ideologischer Grabenkämpfe gegriffen. Zu tief.

Denn der Angriff auf die Familienministerin ist absurd. Es geht in keiner Weise um irgendeine Art von staatlichem Zwang. Von der Leyen verfolgt keine geheimen Pläne, künftig morgens Kinder aus ihrem Elternhaus zu zerren und zu aushäusiger Kinderbetreuung zu zwingen - womöglich samt antikirchlicher Ideologisierung.

Mixa vertieft zudem die ohnehin vorhandenen Gräben, die es in der deutschen Gesellschaft gibt, ob gläubig oder nicht. Die einen, nicht nur Konservative, vertreten die Ansicht, das Kind sollte möglichst lange zu Hause bleiben und im Kreis der heilen Familie kommunikative und soziale Fähigkeiten erlernen. Die anderen meinen, das Kind sollte ruhig schon früh in einer Krippe im Kreise anderer Kinder kommunikative und soziale Fähigkeiten erlernen.

Soweit die von materiellen und anderen Zwängen völlig unbeleckten Theorien. Vermutlich greift Bischof Walter Mixa mangels eigenen Erlebens gern auf sie zurück.