Kinderkrippen Absurder Angriff

Bischof Mixa kritisiert Familienministerin von der Leyen wegen ihrer Kinderkrippen-Pläne. Von der Realität in den Familien hat er keine Ahnung. Ein Kommentar

»Ich will die Menschen für Jesus Christus wieder mehr begeistern« - das war vor zehn Jahren der Wahlspruch von Walter Mixa. Mittlerweile gibt sich der 65-jährige Bischof von Augsburg rechtschaffen Mühe, genau das Gegenteil zu tun.

Am Donnerstag fiel er in den glücklicherweise schon abschwellenden Klagegesang konservativer Unionspolitiker ein und kritisierte die Familien-Förderpolitik von Bundesministerin Ursula von der Leyen als »kinderfeindlich und ideologisch verblendet«. Und allen Ernstes zog der Bischof den Diktaturvergleich. Das, was von der Leyen vorhabe - die Zahl der Krippenplätze in Deutschland nämlich auf einen halbwegs vernünftigen Stand zu erhöhen - erinnere an die Ideologie der staatlichen Fremdbetreuung von Kindern in der DDR. Die Doppelverdiener-Ehe werde zum »ideologischen Fetisch« erhoben. Ja, der wackere Kirchenmann verstieg sich sogar dazu, der siebenfachen Mutter von der Leyen vorzuwerfen, die Frau zur »Gebärmaschine« zu degradieren.

Anzeige

Mixa ist ein strenger Verfechter einer orthodoxen Kirchenordnung. Früher hat er schon mal einen Pfarrer beurlaubt, der am Rande des Ökumenischen Kirchentages an einem evangelischen Abendmahl teilgenommen hatte, und auch mal die CSU gewarnt, »vor gesellschaftlichen Fehlentwicklungen zu kapitulieren« und sich »von der Mehrheit ihrer katholischen Stammwähler zu entfernen«. Doch diesmal hat er sehr tief in die Schmutzkiste ideologischer Grabenkämpfe gegriffen. Zu tief.

Denn der Angriff auf die Familienministerin ist absurd. Es geht in keiner Weise um irgendeine Art von staatlichem Zwang. Von der Leyen verfolgt keine geheimen Pläne, künftig morgens Kinder aus ihrem Elternhaus zu zerren und zu aushäusiger Kinderbetreuung zu zwingen - womöglich samt antikirchlicher Ideologisierung.

Mixa vertieft zudem die ohnehin vorhandenen Gräben, die es in der deutschen Gesellschaft gibt, ob gläubig oder nicht. Die einen, nicht nur Konservative, vertreten die Ansicht, das Kind sollte möglichst lange zu Hause bleiben und im Kreis der heilen Familie kommunikative und soziale Fähigkeiten erlernen. Die anderen meinen, das Kind sollte ruhig schon früh in einer Krippe im Kreise anderer Kinder kommunikative und soziale Fähigkeiten erlernen.

Soweit die von materiellen und anderen Zwängen völlig unbeleckten Theorien. Vermutlich greift Bischof Walter Mixa mangels eigenen Erlebens gern auf sie zurück.

Leser-Kommentare
  1. Man muß Mixas Ansichten keineswegs teilen. Dennoch möchte ich ihn hier ein wenig verteidigen. Denn was sagt er im Kern? Er sagt: wenn der Staat viel Geld ausgibt, damit eine Mutter ihr Kleinkind abgeben kann, dann schafft er Anreize, ebendies zu tun. Indirekt verzichtet sie nämlich, wenn sie es lieber selbst betreut, auf staatliche Förderung in gleicher Höhe (für die ihr Mann über seine Steuern mitbezahlt).
    Krippen schaffen keine 'Wahlfreiheit' - das wäre nur dann der Fall, wenn man auch die selbst erziehenden Mutter im gleichen Umfang fördern würde. Dann freilich bräuchte es keine staatliche Krippe mehr: die Eltern bekommen das Geld und können sich davon, wenn sie es wollen, eine private Kinderbertreuung leisten. DAS wäre Wahlfreiheit. Und diese Form der Wahlfreiheit würde mit großer Sicherheit die Zahl der berufstätigen Kleinkindmütter nicht erhöhen, sondern verringern. Warum? Man muß nur den Artikel lesen:

    '[gibt es cie vielen] Doppelverdiener, die nicht doppelt verdienen, weil sie wollen, sondern weil sie müssen. Nicht, weil sie unbedingt Aufsichtsrätin werden wollen, sondern weil das Geld sonst nicht reicht für Wohnung, Nahrung, Leben, Altersvorsorge. Oder weil ein vom Abbau gefährdeter Job alleine zu unsicher wäre. Oder, oder, oder. Auch solche Menschen wollen Kinder...'

    Sehr richtig. DIe Logik der Krippe lautet: wenn Mama ihr Kind selbst betreuen will, soll sie sehen, wo sie mit Papa bleibt. Ihre Arbeit als Erzieherin hohoriere ich nicht. Ich honoriere nur die Arbeit einer fremden Erzieherin. Die bezahle ich, damit Mama einem ANDEREN Beruf nachgehen kann, und lasse mir das ca. 500 Euro pro Monat kosten.

    Natürlich wird das frühe Abgeben der Kinder auf diese Weise gefördert! Der Bischof hat hier einfach Recht. Unrecht hat er möglicherweise bei den Motiven, die er dafür unterstellt. Er glaubt, es ginge v.d.Leyen um das Bild der berufstätigen Mutter als Selbstzweck. Das muß aber nicht stimmen.

    Vielleicht ist Frau v.d.Leyen, wie wachsende Teile der CDU, einfach resigniert. Vielleicht glaubt sie, es gebe einfach keine anderen Möglichkeiten als die Förderung der Berufstätigkeit von Müttern, um die katastrophalen Geburtenraten der MIttelschichten anzuheben. Weil sie überzeugt ist, eine entsprechende Förderung ALLER Mütter nie finanzieren zu können, und weil denkt, daß die vergreisende Wirtschaft von morgen - von der all die schönen Sozialleistungen abhängen, die auch die katholische Kirche an anderer Stelle einfordert - auf die berufliche Mitarbeit auch von Müttern nicht verzichten kann.
    Vielleicht fürchtet sie auch die Konsequenzen, die es hätte, Geld unterschiedslos direkt an Mütter zu verteilen - mit der Folge, daß Kinderkriegen plötzlich vor allem für sozial schwache Schichten endgültig zum Einkommensersatz würde, also dort, wo die Kinder mitunter eher verdorben als erzogen werden.

    Also: nicht die Analyse des Herrn Bischofs als solche ist falsch, sondern seine Unterstellungen hinsichtlich der Motive - und, vor allem, das Fehlen von Alternativvorschlägen. Denn die gibt es! Kurz gesagt lauten sie: die Privilegien der Kinderarmen konsequent beschneiden (dh. letztlich: deren Einkommensvorteil zum Verschwinden bringen) - und dafür verstärkt das dritte und weitere Kinder fördern, und zwar mit klarem Fokus auf Familien mit gut ausgebildeten Eltern. OH, das ist nicht populär. Aber zielführend.

  2. Erlauben Sie mir, anstelle von thogos zu antworten.

    Man kann darüber streiten, ob die alternde Gesellschaft es sich erlauben kann, auf die Arbeitskraft der gut ausgebildeten Frauen ganz zu verzichten. Klar aber ist: was sie sich noch viel weniger erlauben kann ist der Verzicht auf eine effiziente Nachwuchspflege. Wenn in diesem Land zu wenig Kinder auf die Welt kommen, insbesondere aus den staatstragenden Mittelschichten, dann hat das viel schlimmere Folgen als alles andere.
    Also: die Förderung der Berufstätigkeit ist solange und nur solange gesellschaftlich sinnvoll, wie sie Quantität und Qualität des Nachwuchses nicht beeinträchtigt. Und da setzten wir völlig falsche Akzente.

    Der Skandal ist nicht, daß Mütter arbeiten - oder auch nicht. Skandalös ist vielmehr, daß Mütter, die ihre KLEINEN Kinder selbst voll betreuen wollen, auf dem Arbeitsmarkt so gnadenlos bestraft werden - und in der Folge oft ganz zu Hause bleiben oder weniger hochwertige Arbeit verrichten. Hier gilt es anzusetzen! Man muß dafür sorgen, daß Mütter TROTZ Kinderpause (bei kleinen Kindern) oder entsprechenden Einschränkungen (bei größeren Kindern) ein erfülltes Berufsleben haben können. Und das geht nicht über wohlfeile Apelle, sondern nur über den Geldbeutel des Arbeitgebers, für den - rein betriebswirtschaftlich - eine Mutter einfach weniger attraktiv ist, vor allem in anspruchsvollen Tätigkeiten.
    Man könnte solche Arbeitsplätze fördern, z.B. indem man die Qualifikationskosten nach der Babypause übernimmt oder die Sozialbeiträge d. Arbeitgebers für solche Mitarbeiterinnen ermäßigt. Man könnte umgekehrt Nicht-Eltern verteuern, etwa über HÖHERE Sozialbeiträge für Betriebe, die zu wenig MÜtter bzw. Eltern beschäftigen. Man könnte das Kündigungsrecht zugunsten von Familien ändern.

    Sie haben recht: unter den heutigen Rahmenbedingungen sind Mütter mitunter gezwungen, eine Krippe in Anspruch zu nehmen. Viele tun es - viele andere verzichten dann lieber auf Kinder. Also: die Schlußfolgerung '...also brauchen wir billige Krippen!' ist verfehlt. Die richtige lautet: '...also brauchen wir andere Rahmenbedingungen. '

    GANZ andere. Und die kann man schaffen - man muß nur wollen. Unsere Gesellschaft gibt kollektiv jährlich über 300 Milliarden für ihre VErgangenheit (Rentner und Pensionäre) aus, aber netto nur ca. 80 Milliarden für ihre Zukunft (Kinder). Eltern jedoch ein Vielfaches davon. Unsere Gesellschaft hält Kinderkriegen immer noch für Privatsache - und wenn sich das nicht rasch ändert, wird sie einen furchtbaren Preis dafür bezahlen. Erst, wenn ein Konsens herbeigeführt wird, daß JEDER Deutsche für zwei Kinder zu sorgen hat - ob nun für eigene oder für fremde - kann das Blatt sich wirklich wenden.

    Noch zu thogos` Thesen: es stimmt, daß Kinder aus intakten Verhältnissen bei ihren Eltern meist BESSERaufgehoben sind. Für die wachsende Zahl an Kindern aus sozial schwachen Verhältnissen gilt das aber meist nicht. Oh doch, wir brauchen staatliche Frühbetreuung - aber NICHT für Kleinstkinder, sondern ab etwa 2 Jahren, und NICHT für den Mittelstand, sondern für die Unterschichten. Nicht nur thogos, sondern auch der Bischof macht hier den Fehler, nicht hinreichend zu differenzieren.

    Eine Leser-Empfehlung
  3. Nein, sie hätten mir vorwerfen sollen, der letzten 10.000 Jahre. Doch zum Kinderkriegen muss man auch vielleicht an ihre Zukunft denken. Lesen sie mal im Spiegel nach was Mixa wirklich sagte, und dann verstehen sie vielleicht warum die Industrie geschlossen zurückschiesst. Oder sie werden bezahlt es nicht zu verstehen. Vielleicht wird ihnen das auch einmal zu Teil was sie jetzt so inihrem jugendlichen Alter anprangern...Dann fordern sie die Debatte bei der Zeit zurück, dann diskutieren wir auf einer anderen Basis...
    Die meisten der Mitredner habên keine drei Kinder, das liest man aus den Kommentaren heraus, das ist übrigens nicht neu. Dia am Meisten etwas vom Familienglück wissen sind Kinderlose oder Zeugungsunwillige. Es macht schon Spass dass gerade die den Bischof zermalmen, selbst keine haben.
    Es wäre schon ander Zeit sich zu bemühen zu lesen was in einem Artikel steht, es in vielen Zeitungen wiederzulesen, und sich dann erst ein Urteil zu bilden.
    Staatlich erzogene Kinder kannten wir ja schon und ihre Seelenlosigkeit auch, das ist eben ein Dauerrenner. Mixa und jetzt auch Lehmann haben Recht in ihren Standpunkten, in einem gewissen Grade.
    Dass Umweltschutz ein Entscheidungsträger beim Kinderkriegen ist dürfte jedem klar sein...der Kinder will. Krieg und Elend auch. So spielen eben die Sichtweisen eines Bushs oder eines Lehmann's wirklich eine Rolle in der Befürwortung.
    Der ganze Streit kommt sowieso seit bekannt ist dass Frankreich 2035 dank der Kinderzahl eine grössere Wirtschaftsmacht sei als Deutschland, der ewige Kleinkrieg. Aber welches Deutschland und welches Frankreich, mit welchen Einwohner ?
    Das aber ist beim roten Tuch was hingehalten wurde gar nicht ins Auge gefasst worden. Joffe sagte einmal wie schön es in der Auvergne sei, weil keine Überbevölkerung dort herrsche, haben die Intervenanten dies auch alles überlegt ?
    Es scheint mit alles so oberflächlich zu sein wie eben diese Gesellschaft, am Arbeitstag den Realismus, am Wochenende Disco mit Cannabis oder Crack. Kinder aber sind ein harter Teil Realismus, jeden Tag, und Kindertagesstätten werden an dem Umstand gar nichts ändern.
    Und dann sei noch gesagt, dass eben viele Kinder, sehr viel im Zuge der Robotisierung, eine klare Herausforderung sind, sie zu beschäftigen...und da hatte die inkriminierte Industrie noch immer prächtige Ideen dazu, meinte auch ein gewisser Herr Krupp, und beschloss fortan nicht mehr ins Kriegsspiele zu investieren, das war 1946....schon so lange her?
    Was machen wir denn Morgen mit all den Jugendlichen? Iran befriedigen? Lybien, Halbafrika? Mit Kanonenfutter wusste noch jeder etwas anzufangen, nicht nur in Deutschland. Die Umweltkrisen die jetzt prasseln werden, werden sicherlich Kriege mit sich bringen, Krieg ums Wasser ( schon jetzt im Nahen Osten das Hauptproblem, nicht nur in Israel.)
    Ist es das für was die Redner hier eintreten?

  4. Hier liest man gar wunderliche Dinge!
    Da wird die Erschaffung von Kindergrippen der Auslagerung von Kindererziehung gleichgesetzt, um einem worcoholisiertem Ego Platz zu machen.
    Oder noch besser: die unentbehrliche Liebe der ach-so-kompetenten Allzeitmutter wird zur Bedingung einer fruchtbaren Erziehung eines heranwachsenden Menschen gemacht.

    Mal ehrlich: wo leben wir denn? Bitte denken Sie alle (die diese Standpunkte vertreten) mal kurz nach und sagen mir, seit wann sich das Gros der Menschheit es sich tatsächlich leisten kann, als Mutter nicht mehr zu arbeiten, um zwei Kinder großzuziehen?!
    Ich bin ehrlich erschrocken, dass es so viele hier im Forum gibt, die tatsächlich glauben, dass das der natürlichste und beste Weg ist, ein Kind großzuziehen. Ihn muss es verdammt gut gehen! Dabei kenne ich viele Familien, welche in sehr verantwortungsvollen Positionen arbeiten und vortreffliche Eltern abgeben. Sollen diese auf Kinder verzichten, nur weil hier ein paar romantische Idealisten der Meinung sind, dass man einem Kind die ständige Käseglocke der Eltern zumuten muss?

    Es gibt mitlerweile genug Studien, welche belegen, dass es gerade die außerelterliche Erziehung ist, welche es vermag ein Kind im negativen, aber eben auch im positiven Sinne zu prägen. Bestes Beispiel die Schule. Ja bitte, glaubeen Sie denn, dass die Kindererziehung mit dem 6. Lebensjahr beendet ist? Wer das denkt, der hat die Grundzüge der menschlichen Erziehung nicht verstanden oder macht sich der Ignoranz schuldig.

    Ich stelle mir das gerade vor: Meine Eltern, die früh bis spät nichts anderes zu tun haben, als sich um mich zu sorgen. Wie schrecklich! Wenn ich meine Zeit zurückdrehe, dann bin ich meinen Eltern sehr dankbar, dass sie BEIDE arbeiten gegangen sind, und mir während der Schulzeit im vollen Maße sachkompetente Erzieher waren. Kaum vorstellbar wie es wäre, wenn meine Mutter den ganzen Tag zuhause wäre, und ihrer Berufung nicht nachgehen könnte, ich schätze das sehr an ihr und sie konnte mich dadurch vortrefflich prägen. Was für ein bedrückendes Frühstück oder Abendbrot hätten wir gehabt, wenn Papa nachhause käme und sich meine Eltern nie wirklich auseinandersetzen könnten, über die Dinge, die sie täglich so schätzen und erleben. Dadran wächst man als Kind ungemein!

    Ich kenne genug Familien, wo die Mütter nicht gearbeitet haben. Viele Kinder aus diesen Familien können sich immer noch nicht abnabeln und sind einfach nicht fähig ohne die Hilfe der Eltern wichtige Entscheidungen zu treffen. Ist das eine gute Erziehung?
    Ich bin froh, dass ich so erzogen wurde, dass ich selbstständig auf beiden Beinen stehen kann, und zwar nicht erst ab dem 25. Lebensjahr. Ich weiß mich ständig bestätigt durch die Liebe meiner Eltern und ihre kompetente Unterstützung und ihrer Erfahrung.

    Ein anderer Punkt sollte hier wohlbedacht werden: Die große Anzahl an Haushalten mit alleinerziehenden Müttern! Diese Frauen leisten ungemein viel! Das sind ökonomische Wundermaschienen, ein Segen für das Bruttosozialprodukt unseres Landes! Eine sachkompetente und vom Staat gestützte Kinderbetreuung könnte ihnen das Leben erleichtern und so den Kindern die optimalste Erziehung sichern, so kann man sich eine Menge Sozialfälle in unserem Lande einfach ersparen. Scheuen Sie nicht die Realität!

    Deshlab fordere ich: Kindergrippen und Kindergärten für Kinder!!!

    Für starke Eltern, welche in der Lage sind ihre Kinder so zu erziehen, dass diese in der heutigen Zeit über den Deingen stehen und sie gestalten, und sich nicht unter die Käseglocke der Eltern zurückziehen!!!

  5. Wir können uns doch locker zurücklehnen und abwarten. Ich gehe auch davon aus, dass wir Kinder nur für die Arbeitslosigkeit und zu nichts anderem fördern, schaffen uns wohl nur Sozialhilfeempfänger. Nur blind auf Kinderkriegen zu schielen, ohne auch Arbeitsplätze zu haben, ist nicht clever.
    Wer als bisher Kinderloser und Unverheirateter noch nicht begriffen hat, wie mit Familien mit ältern Kindern umgegangen wird und sich nicht fragt, was bei ihm mit Kinder mal sein wird, der mag in die Ungewissheit rennen, sich hinterher aber nicht wundern, dass Kinder auf allen Ebenen Entbehrungen verlangen, und da wird auch die Krippe nichts ändern. Lebensplanung ist so nämlich nicht möglich.
    Kein Kindergeld für Kinder ab 25 hat auch zur Folge, dass deren Krankenversicherung und alle an den Kindergeldbezug gekoppelten Familiezuschläge und Steuerentlastungen auch weg sind.
    Ob die auch für das Elterngeld verwendet werden? Wohl kaum.
    Jedenfalls wartet man nicht ab, ob die Umverteilung zum Elterngeld erfolgreich war.
    Jetzt wird das Ehegattensplitting diskutiert. Auch dieser Ansatz (offensichtlich verfassungswidrig und unsinnig) trifft, wieder die Familien, deren Kinder über 25 sind und studieren, hier ist Familie nur noch Ehe. Super!
    Insbesondere würde es dazu aber Alleinverdiener und Ehen mit Einkommensgefälle im mittleren Einkommensbereich treffen.
    Ich kann nur anregen, selbst nachzurechnen. Bei 4000 EUR brutto haben Eheleute durch das Splitting (= Zurechnung der halben Gesamtbruttoeinkünfte pro Ehegatte und damit niedriger Steuerklasse, was Folge der unterhaltsrechtlichen Halbteilung in der Ehe ist) immer das gleiche Netto, was derzeit bei rund 2.700 EUR liegt, egal wer, welchen Anteil am Brutto verdient. Abschaffung des Splittings bedeutet bei einem Alleinverdiener mit 4.000 brutto nur noch 2.250 EUR netto. Doppelverdiener bleiben bei 2.700 EUR.
    Bei Einkommensgefälle passt sich diese Differenz an. Es kann mir kein Mensch erzählen, dass ihm nicht klar ist, dass dies weder dem Schutz der Ehe und den Folgen aus der Unterhaltspflicht entspricht noch sonst angemessen ist. Das ist eine billige Neidargumentation, 'die haben ja mehr als ein Alleinstehender'. Nein hat der Alleinverdiener nicht, weil er die Hälfte seinem Ehegatten schuldet.
    Die Entwicklung im Ehe-, Steuer- und Unterhaltsrecht geht zu einer wirtschaftlichen Verselbständigung der Kinder und der Einschränkung des nachehelichen Unterhalts sowie zur Gleichbehandlung von Ehe und Lebensgemeinschaft. Bei ALG II wurde mal gegengesteuert über die Lebensgemeinschaft. Alleinerziehende (die es zumindest nach außen sind) haben schon immer leichter einen Kindergartenplatze bekommen (zu Recht, wenn sie tatsächlich allein waren).
    Die Entwicklung entwertet die Ehe, weil damit immer mehr nur Pflichten, aber keine Vorteile verbunden sind. Der Staat braucht aber zur sinnvollen Anknüpfung an Lebenszusammenhänge nicht nur schlecht einzuordnende Lebensgemeinschaften, sondern ein nach außen erkennbare Institut die Ehe.
    Wenn jetzt einige meinen, der Zeitgeist sei halt so, dass man die Ehe nicht brauche, dann ist das sehr einseitig allein die eigene Sicht.
    Natürlich muss man den Realitäten von immer häufigeren Scheidungen gerecht werden. Aber die Ehe abschaffen oder gar einfach nur rechtlich sinnentleeren, wird uns nicht weiter bringen.
    Die Ehe ist nichts romantisch Verklärtes. Verliebt sich in die Augen sehen und flüstern, ich will dich bis an mein Lebensende lieben, kann man überall, dazu braucht man nicht das Standesamt.

  6. die Wörter des Bischofs nicht, hat er doch angeprangert dass 'junge Frauen als Arbeitskräftereserve für die Industrie' gebären sollen. Dem Vorwurf soil die Industrie sich stellen.
    Als vater von drei Kinder kann ich nähmlich ein Lied davon singen welcher Unterschied es ausmacht Kinder zu gebären und sie nicht loszuwerden, weil eben die Industrie immer nur wegrationalisiert, die Mieten immer mehr nach Oben driften ebenso wie der Preis der Anschaffung.
    Einmal hat denn ein Bischof sich dessen angenommen, und dann wird er in den Dreck gezogen. haben sie denn eine Stelle für mein Drittgeborenen, mit Abi, und Buchhalterausbildung, plus drei Sprachen fliessend. Wie lange darf er dort an der Stelle arbeiten, bis 45, oder 50 ? Was geschiet danach?
    Vielleicht hat eben Bischof Mixa es Leid dieses Elend zu sehen.
    Ich kenne auch andere Familien wo der Mann Alleinverdiener ist, mit zwei Kleinkinder, der Betrieb steht ewig auf der Kippe.
    Wissen sie da eine Lösung, oder die Ministerin. Es reicht eben nicht Kinder zu produzieren, man muss ihnen auch eine Existenz ermöglichen. Ich bin 55, damals war es anders. Das was jetzt geschiet ist ein Schande, und manch einer hat schon das Bild des verflossenen Führers aus der Mottenkiste genommen (1), weil er eben Arbeit gab. Merken sie denn keine Zusammenhänge. Wissen sie denn nicht dass wenn es zuviele sind manchmal Krieg ausbricht, ist Ihnen das noch nicht aufgefallen.
    Was soll dieser idiotische Kinderforcierprogramm, ohne Zukunftsgarantie? Das hat der Bischof gemeint, und gegen die Rechte kämpfen beginnt mal in der Industrie!
    Wer sagt denn wo das Millionenherr später beschäftigt werden soll im derzeitigen Fortschritt der Automatisierung. Zahlen Roboter oder Automaten denn Sozialbeiträge? Damit aber beginnt der Grundstein des Sozialstaates!
    Kann denn wirklich Keiner mehr zusammenhänge erkennen? Ist das 1x1 abhanden gekommen wie lange ein Kind auf den Schultern der Eltern liegt?
    (1) Wurde mir aus der Nürnberger Gegend bestätigt, und es sind keine jugendliche Nazischlägertruppen, aber Otto Normalverbraucher.

  7. der Wunsch nach selbstverwirklichung sondern die Tatsache dass es immer oefter 2 Gehaelter braucht um eine Familie zu versorgen.Schliesslich bekommen nicht alle Maenner ein so hohes Gehalt dass die Familie damit klar kommen kann.Dazu kommt noch die Tatsache dass eine Frau,die Kinder aufzieht spaetestens im Rentenalter merkt wie wenig ihr diese 'Arbeit' gedankt wird weil ihre Rente sehr,sehr bescheiden ausfallen wird und da wir in einer Zeit leben wo wenige Ehen 'ewig' halten,muss eine Frau fuer ihre Altersversorgung selber sorgen.

  8. das Allerschlimmste, was dieser Bischof macht, ist den Menschen ein 'schlechtes Gewissen' einzureden, wie Frau Maria Böhmer schon richtigerweise gesagt hat.
    Ich habs lieber man haut mir in den Schritt, aber ein schlechtes Gewissen einreden, das ist wirklich unter der Gürtellinie...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT online
  • Kommentare 84
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Autoren abonnieren RSS-Feed
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service