BiotechnologieGeliebter Klon

Im Februar 1997 versetzten britische Forscher die Welt mit einem geklonten Schaf in Angst und Schrecken. Was ist zehn Jahre später von Dolly geblieben? von Kathrin Zinkant

Es ist nie so viel über ein Schaf geschrieben, debattiert und philosophiert worden wie über dieses. Als Dolly am Nachmittag des 5.Juli 1996 im schottischen Edinburgh das Licht der Welt erblickte, ahnten allerdings weder das Schaf noch ihre Schöpfer, was sie erwarten würde. Ian Wilmut und Keith Campbell, zwei britische Embryologen, konnten nur hoffen, dass Dolly gesund bleiben – und dass sie überleben würde.

277 Versuche hatten die Forscher unternommen. 277 mal hatten sie den Kern einer erwachsenen Körperzelle in eine leere Eizelle übertragen und darauf gewartet, dass sich diese Klone wie natürlich befruchtete Eizellen teilen würden. Zu je einem winzigen Embryo sollten sie heranwachsen, den Embryo konnte man dann in die Gebärmutter eines Mutterschafs verpflanzen. Dort würde er wachsen - bis zur Geburt. Es klappte nur ein einziges Mal.

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Also warteten Wilmut und Campbell, bis sie ganz sicher sein konnten. Sie warteten knappe acht Monate, bis sie am 27. Februar im Wissenschaftsmagazin Nature einen kurzen "Letter" veröffentlichten, der überschrieben war mit: "Lebende Nachkommen aus fötalen und adulten Säugerzellen". Der Artikel berichtete vom ersten gelungenen Versuch, aus dem biologischen Material eines erwachsenen –– zudem seit Jahren verstorbenen  – Tieres eine lebendige Kopie desselben zu schaffen. Dolly war der eineiige Zwilling eines Toten.

Das war so ungeheuerlich, der Welt stockte schlicht der Atem. Obwohl das Wort Klon nicht einmal im Titel auftauchte, entfachte das kurze Papier einen Flächenbrand, und der Spiegel illustrierte in der Welle aus Angst und Empörung am deutlichsten, was man nun heraufziehen sah: Auf dem Cover des Magazins marschierte damals eine Garde von Hitlerklonen. Die Zeile dazu lautete: "Der Sündenfall".

Auch wenn der Spiegel maßlos übertrieb, und auch andere Medien ihrer Phantasie freien Lauf ließen - sie berichteten gar, Dolly habe ein Lamm gekillt und gefressen: Die Geburt von Dolly markierte einen Wendepunkt im biotechnologischen Zeitalter, sie kippte ein Dogma. Zuvor erschien es unmöglich, dass eine erwachsene Körperzelle sich komplett zurückentwickelt, ihre spezialisierten Eigenschaften ablegt und allmächtig ("pluripotent") wird.

Leserkommentare
  1. In den falschen Händen kann schwerer Schaden entstehen. Andererseits kann sich möglicherweise auch eine neue Zivilisation (wie die unsere) entfalten.

    Im übrigen soll es ja nichts Neues sein Menschen nach Vorlagen, 'seinem Bild' zu erschaffen!

    • Madoc
    • 28. Februar 2007 13:56 Uhr

    In der Medizin ergeben sich viele Möglichkeiten zur Therapie von beispielsweise genetisch bedingten degenerativen Erkrankungen. Vieles davon ist allerdings nicht so gut erforscht wie uns die Sensations-Medien glauben machen wollen. Die weitere Entwicklung wird hierzulande auch in einem geradezu panischen, konservativen Sicherheitsbedürfnis so gut wie möglich behindert. Man möchte schon gerne dabei sein wenn sich aus der neuen Technik ein Vorteil für das eigene Überleben ergibt, aber aktiv beteiligen will man sich nicht. Eine Haltung, die sich schon in anderen Bereichen als der Bio/Medizintechnik gerächt hat.
    Bevor wieder irgendein Wirrkopf blonde blauäugige Menschen klont will man lieber gar nichts machen. Dabei ergeben sich die unmittelbaren Probleme aus der neuen Technik unbemerkt von der Mehrheit in ganz anderen, eher kommerziell orientierten Bereichen wie beispielsweise der Versicherungswirtschaft und diese agiert nun einmal global.
    Dennoch sollte ein hoch entwickelter Staat aber folgendes bedenken:
    Bei allen Innovationen besteht die Möglichkeit des Missbrauches. Es muss immer eine politische Entscheidung stattfinden was moralisch/ethisch sein darf und was nicht. Es muss auch eine Abwägung von Vor-zu Nachteil einer neuen Technik erfolgen. Das erfordert eine Meinungsevolution bei der neue Möglichkeiten und Risiken immer wieder neu hinterfragt werden müssen. Um diese Willensbildung kommt man auf keinen Fall herum. Aufgehalten wurden neue Techniken in der Menschheitsgeschichte noch nie. Es ist immer nur die Frage in welche Bahnen die neuen Möglichkeiten gelenkt werden. Eine Blockadehaltung führt zu absolut rückständigen Gemeinschaften/Staaten, die dann in letzter Konsequenz wieder die Probleme bekommen, die sie mit ihrer Vermeidungsstrategie zu umschiffen trachten.
    Die im Artikel aufgezeigten Möglichkeiten in der Tierzucht zeigen exemplarisch die Diskrepanz dessen, was in den Massenmedien kommuniziert wird zu den eigentlichen Möglichkeiten. In der Pferdezucht beispielsweise geht es nicht unbedingt um das Kopieren von Lieblingstieren oder der Vervielfältigung von besonders erfolgreichen Exemplaren, sondern kommerziell vor allem um die Regenerierung von wertvollen Zuchttieren, da die direkten Klone zu viele Defekte aufweisen. So kann zum Beispiel in der Pferdezucht ein nicht mehr zuchttauglicher Hengst einen zuchttauglichen Klon bekommen oder ein Wallach einen Klon-Hengst-Bruder. Die Nachkommen sind nach allem was man bisher weiß so normal wie die Nachkommen von einem eineiigen Zwilling (das natürliche Pendant). Ein sportlicher Einsatz von direkt geklonten Tieren wurde dagegen meines Wissens nie ernsthaft in Betracht gezogen. Ob das nun einen Fortschritt bedeutet, das kann wiederum diskutiert werden.

    • moggwai
    • 04. November 2008 20:12 Uhr

    Mit Verlaub handelt es sich dabei nicht um einen eineiigen Zwilling, der Klon (Abkömmling) besitzt nämlich noch eine maternale, mitochondriale DNA aus der "entleerten" Eizelle, die der eingebrachte Zellkern eben nicht hat.

    eadem, sedaliter

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