Renaissance Der, den Sting singt

John Dowland spielte Laute vor 400 Jahren. Nun reist Sting mit seinen Liedern umher. Leben und Werk des Komponisten schildert Stefan Reisner

Wenn Sting mit dem bosnischen Lautenspieler Edin Karamazow durch Deutschland tourt, nicht große Stadien, sondern kleinere Konzertsäle füllt, nicht vor tanzenden Fans, sondern genüsslich Zuhörenden singt, dann hat er die Lieder eines gewissen John Dowland im Gepäck. Auf der diesjährigen Grammy-Verleihung hat der Police-Bassist bewiesen, dass er Message in a Bottle und Roxanne noch herausbekommt ; nun macht er ganz etwas Anderes.

Was weiß man eigentlich von diesem Mister Dowland, dessen Musik nach fast 400 Jahren den Pop-Star Sting anzusprechen vermag?
Irgendwann im Jahr 1563 wurde John Dowland geboren, vermutlich in London. Am 20. Februar 1626 wurde er ebendort zu Grabe getragen. Zu Lebzeiten spielte er die Laute wie kaum ein anderer in England; er schrieb Musiken der Renaissance, die noch auf seine Nachwelt großen Eindruck machten. Und Dowland komponierte viel. Schon seine Zeitgenossen bewunderten ihn; Shakespeare widmete ihm 1599 zwei Zeilen im Zyklus The Passionate Pilgrim (Der verliebte Pilger):

Du gibst dich Dowlands Melodien hin
von ihres Wohlklangs Zauber eingehüllet


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Gleichwohl musste der Komponist erst 50 Jahre alt werden, bis er am Ziel seiner Träume war und endlich als Lautenist an den englischen Hof bestellt wurde.
In der Renaissance tut sich viel in der Musik. War Musik bis dahin mit Gesang verbunden, entwickelt sich nun langsam eine eigenständige Instrumentalmusik. In den Kirchen erklingen statt der Chöre mehr und mehr Orgeln. Bestens zur Liedbegleitung und zur Hausmusik geeignet ist die Laute, die das Instrument weltlicher Musik wird und eine Popularität erreicht, die derer des Klaviers zu Schuberts Zeiten vergleichbar ist. Komponisten schreiben für die Lauten und auch die aufkommenden Violinen. Überdies wird durch das Drucken mit beweglichen Tabulaturen die Musik zur Handelsware. So viele Veröffentlichungen wie nie zuvor kommen auf den Markt.

Elisabeth I. ist die Königin dieser aufregenden Zeit. Ihr Land hat sich 1588 gegen die Spanische Armada durchgesetzt. Die Inselmacht ist wieder wer. Nun weht ein frischer Wind auch durch die Musik. Dowland ist mittendrin, auch wenn er immer wieder durch Europa reist, nach Frankreich, Deutschland, Italien und von 1598 an acht Jahre lang dem dänischen König Christian IV. aufspielt.

Mit 17 Jahren hatte er in Paris das damals überaus populäre Instrument zu spielen gelernt. Nach London zurückgekehrt, beginnt er, sogenannte Ayres zu komponieren und notiert sie auch. Damit hat er als einer der ersten Sänger die zuvor nicht schriftlich fixierte Gebrauchsmusik in England zur Kunst erhoben. Wenngleich es im elisabethanischen Zeitalter politisch und künstlerisch viele positive Signale gibt, herrscht in der Dichtkunst und Musik dieser Zeit noch das Sujet der Melancholie vor.

Leser-Kommentare
  1. Ich liebe John Dowlands Lieder, seitdem ich mit einer Gesangsstudentin zusammen in einer WG gewohnt habe, die Dowland auf sehr lebendige Art interpretiert hat.
    Wenn Sting sich an Dowland heranwagt, dann empfinde ich das als einen mißglückten Versuch. Ich habe einige seiner Dowland-Interpretationen gehört und war entsetzt.
    Sting bringt nicht weiter zustande als einen unmelodiösen monotonen Sprechgesang ; die Töne, die Dowland komponierte, trifft er nicht, und es ist mir nicht nachvollziehbar, dass seine neuen Dowland-CD so sehr in der Presse hochgelobt wird. Das liegt vielleicht am berühmten Namen des Sängers.

    • iceman
    • 23.02.2007 um 20:17 Uhr

    Die John Dowland-Einspielung 'In Darkness Let Me Dwell' ist besonders zu empfehlen, von ECM New Series, mit:
    John Potter: tenor
    Stephen Stubbs: flute
    John Surman: sopran.sax + bass clarinet
    Maya Homburger: baroque violin
    Barry Guy: double-bass

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