Echolot Rap den Porno!Seite 3/3

Bill sei für junge Mädchen als (imaginäres) Liebesobjekt geradezu ideal. „Er ist definitiv ein Junge, definitiv ein Star, wirkt aber niemals bedrohlich in seiner Männlichkeit. Bill hat niemals Zweifel an seiner heterosexuellen Orientierung gelassen, ist aber trotzdem wie einer (oder eine?) von ihnen, wenn er per Bravo- Interview grinsend seine Schminktipps weitergibt; bei ihm wirkt Sexualität wie Spiel, mit aller Offenheit und Ambivalenz.“

Davon kann in der zeitgenössischen amerikanischen HipHop-Szene kaum die Rede sein. Ihre Videos zeigen meist eine immer gleiche Aneinanderreihung von Sexismus und Ludentum. Der englische Elektronikmusiker Richard James, alias Aphex Twin , parodierte diese Mechanismen vor einigen Jahren mustergültig im Clip zu seiner Single Windowlicker .

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Die NZZ druckte vergangene Woche zwei große Artikel, die diesen Befund untersuchten. Während Ueli Bernays „Analogien zur Struktur von Pornografie“ in der Entwicklung von Soul zu Disco nachzeichnete, spürte Jonathan Fischer der Vermengung von Pornografie und HipHop nach.

Dass HipHop, „derbere Seiten libidinöser Phantasien“ zu bedienen versuche, sei nicht überraschend: „Der Hip-Hop kommt im Unterschied zum Soul nicht aus der Kirche, wo die weibliche Sensibilität stets berücksichtigt wurde, sondern von der Strasse: Hier aber regiert der Macho.“

Pornografie gehöre im HipHop längst zum Mainstream: Gerade die derbsten Raps verkauften sich blendend. „Millionen gelangweilter Vorstadt-Jugendlicher konsumieren die Stripshow-Videos ihrer Lieblings-Rapper. Unter dem Deckmantel von Hip-Hop-Kultur lässt sich Pornographie an ein ganz neues Publikum verkaufen. ‚Wir haben jahrelang Sex benutzt, um Musik zu verkaufen’, sagt Camille Evans, die Herausgeberin des Porno-Rap-Magazins Fish'n Grits . ‚Nun benutzen wir die Musik, um Sex zu verkaufen.’“ Damit einher gehe eine latent rassistische Vermarktungspolitik: „Weiße Jugendliche sollen ihre Phantasien auf schwarze Video-Stripperinnen projizieren können, während der Rap klarmacht, dass es sich hier nur um hoes und bitches handelt, subhumane Wesen also, sozusagen.“ Solch abwertende Begriffe würden mit authentischer „schwarzer Kultur“ verwechselt. Die Folge? „Schwarzer Hip-Hop erinnert so ausgerechnet an den übelsten weißen Rassismus der amerikanischen Kulturgeschichte.“

 
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