Der Kampf gegen den Klimawandel ist spätestens nach den letzten UN-Klimaberichten zu einem beherrschenden Thema der öffentlichen Debatte geworden. An Vorschlägen, Energie und CO2 einzusparen, mangelt es dabei nicht, man denke an das allgemeine Glühbirnen-Verbot, die neue Kfz-Steuer oder zuletzt gar die Abschaffung von Privilegien für benzinfressende Dienstwagen. Immerhin konnten sich die EU-Umweltminister kürzlich auf eine verbindliche Klimaschutzstrategie für die Zeit nach Ablauf der Emissionsvereinbarung von Kyoto einigen: Ziel ist die Reduktion der Emissionen um weitere 20% bis zum Jahr 2020.

Ins Visier der Umweltpolitiker ist nun auch der stark expandierende Flugverkehr geraten. Die EU-Umweltminister konnten sich kürzlich auf eine verbindliche Klimaschutzstrategie für die Zeit nach Ablauf der Emissionsvereinbarung von Kyoto einigen: Ziel ist die Reduktion der Emissionen um weitere 20% bis zum Jahr 2020. Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur (EUA) tragen Auto- und eben besagter Flugverkehr weltweit 21 Prozent zur Produktion von Treibhausgasen bei. In den EU-Ländern hat der Flugverkehr allein zwischen 1990 und 2003 um 96 Prozent zugenommen.

Wie auch der Auto- und Schifffahrtsverkehr ist die Luftfahrt nicht im Kyoto-Protokoll reglementiert und unterliegt damit keinerlei Verpflichtungen zur Reduktion von klimaschädlichen Emissionen. Und über solche verfügt der Flugverkehr in hohem Maße: neben CO2 sind auch andere Schadstoffe, wie Stickoxide und Kondensstreifen bildender Wasserdampf, nicht zu vernachlässigende Emissionen, die sich nachteilig auf die Zusammensetzung der Atmosphäre auswirken und so ihre Erwärmung vorantreiben. Nach Schätzungen des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) sind die Emissionen durch ihren Ausstoß in großer Höhe ungefähr drei Mal so klimaschädlich wie vergleichbare Emissionen am Erdboden. Szenarien des IPCC schätzen den Beitrag des Flugverkehrs zum anthropogenen Treibhauseffekt auf mittlerweile 4,5% - Tendenz steigend.

Auch wenn die Szenarien des IPCC mit Ungenauigkeiten behaftet sind, die aus Unklarheiten über zukünftige Wachstumszahlen, Emissionsentwicklungen und Auswirkungen von Kondensstreifen und Zirruswolken resultieren – es ist unbestritten, dass der Flugverkehr der klimaschädlichste Verkehrssektor ist. Gekoppelt an sein jährliches Wachstum –- 6 Prozent für innerdeutsche Flüge und zirka 7,5 Prozent weltweit - werden auch die Emissionen und damit der Anteil am Treibhauseffekt steigen. Auf diese Weise wird der Flugverkehr zum größten Feind des Kyoto-Protokolls und sämtlicher positiven Effekte der ergriffenen Maßnamen.

Berechnungen von Nichtregierungsorganisationen wie Germanwatch gehen davon aus, dass der Flugverkehr bis zum Zieljahr 2012 sämtliche bis dahin eingesparten Emissionen an anderer Stelle neu verursachen wird. Damit wäre die erste und bis heute einzige internationale klimapolitische Initiative vollständig neutralisiert. Das Vermeiden dieses klimapolitischen Albtraums sollte übergeordnetes Ziel internationaler Akteure, Politikrunden und Interessenverbände sein, die dafür wohl oder übel an einen Tisch kommen müssen. Es mangelt kaum an politischen Instrumenten, wohl aber an deren Umsetzung.