Internet-Flatrate »Ich wollte keine Firma, sondern eine Bewegung«
Fon-Gründer Martin Varsavsky setzt auf das Prinzip der Gegenseitigkeit
Martin Varsavsky, Jahrgang 1961, ist Unternehmer und Milliardär. In den vergangenen 20 Jahren hat er sieben Unternehmen gegründet, darunter die Telekommunikationsfirmen Viatel und Jazztel. 2000 hat er das spanische Internetportal Ya.com für eine gute Milliarde Mark an T-online verkauft. Die Varsavsky Stiftung finanziert Bildungsportale in seinem Heimatland Argentinien und in Chile. Seit 2005 ist er Geschäftsführer von Fon.
DIE ZEIT: Mit Fon wollen Sie ein weltweites Funknetzwerk für die Internetnutzung aufbauen. Wie ist die Idee entstanden?
Martin Varsavsky: Im September 2005 war ich in Paris und suchte nach einem Internet-Funknetz, einem so genannten WLAN. Es gab sie auch überall, aber sie waren mit Passwörtern geschützt. Dabei hätten ihre Besitzer wahrscheinlich gar nichts dagegen gehabt, wenn ich ihr WLAN kurz mitbenutze. Also habe ich mich gefragt: Wie könnte ich diese Menschen dazu bewegen, ihr Funknetz mit anderen zu teilen? Zum einen müsste es sicher für sie sein. Das schaffen wie mit unseren WLAN-Routern, den Foneras. Und zum anderen müsste die Bereitschaft zum Teilen honoriert werden, also zum Beispiel damit, dass die Menschen aus Paris mein WLAN nutzen können, wenn sie mal in Madrid sind. Dann wurde mir klar, dass so ein Modell nicht nur zwischen zwei Städten funktionieren würde, sondern auch global.
ZEIT: Ist Fon ein gemeinnütziges Projekt oder ein Unternehmen?
Varsavsky: Als ich die Idee hatte, dachte ich nicht an eine Firma, sondern an eine Bewegung. Aber mir wurde sehr schnell klar, dass das Projekt zu viel Geld kosten würde, um es als Non-Profit-Organisation umzusetzen. Also suchte ich nach einem Geschäftsmodell, mit dem es sich selbst finanzieren kann. Fon ist gut für die Menschen, aber ich hoffe, dass ich damit früher oder später auch Geld verdienen werde.
ZEIT: Wie sieht das Geschäftsmodell aus?
Varsavsky: Bei Fon gibt es drei Arten von Nutzern: Wir nennen sie Linusse, Bills und Aliens. Die meisten Nutzer sind Linusse. Sie lassen andere ihr WLAN mitbenutzen, betreiben also einen so genannten Fonspot, und können sich dafür auf der ganzen Welt kostenlos über andere Fonspots mit dem Internet verbinden. Bills sind typischerweise kleine Unternehmen, zum Bespiel Kneipen oder Cafés. Sie betreiben Fonspots, um damit Geld zu verdienen. Sie können das globale Fon-Funknetz nicht kostenlos benutzen, aber wenn sich fremde Nutzer bei ihnen einwählen, bekommen sie die Hälfte der Gebühren, die diese zahlen. Diese fremden Nutzer wiederum heißen Aliens. Sie betreiben keinen eigenen Fonspot und sind nicht Teil der Fon-Gemeinschaft, der so genannten Foneros. Stattdessen zahlen sie drei Euro Tagesgebühr, um Fon zu nutzen. Dieses Geld finanziert das Unternehmen.
ZEIT: Allein die Gebühren? Haben sie noch weitere Einnahmequellen?
Varsavsky: Im Moment noch nicht, aber wir denken über verschiedene Modelle nach. Zum Beispiel könnten wir zusammen mit Google Nutzer umsonst über unser Funknetz surfen lassen, wenn sie sich dabei Werbung ansehen. Eine zweite Einnahmequelle könnte der Verkauf von Routern sein. Im Moment subventionieren wir sie noch, aber wenn wir die Produktionskosten weiter senken, könnten wir sie profitabel verkaufen. Fon könnte auch ein Netz für internetfähige Musik-Abspielgeräte und für tragbare Spielekonsolen werden. Noch gibt es keine Vereinbarung, aber theoretisch wäre es möglich, dass die Hersteller dieser Geräte dafür bezahlen, dass ihre Kunden über Fon surfen dürfen. Oder Nutzer der Geräte zahlen selber eine Jahresgebühr. MP3-Player sind heute die beliebtesten tragbaren Geräte auf der Welt. Damit könnten wir viel Geld verdienen.
ZEIT: Ihre Hauptinvestoren sind der Internet-Telefonanbieter Skype und die Suchmaschine Google. Wenn Fon ein globales WLAN aufbaut, dann können Skype-Telefone herkömmliche Mobiltelefone ersetzen, das leuchtet ein. Aber wieso investiert Google?
Varsavsky: Anders als bei Skype gibt es kein spezielles Produkt, dass Google über Fon verkaufen kann. Ihnen gefiel einfach unsere Idee. Außerdem ist Google im Internet mittlerweile so wichtig, dass sie ein generelles Interesse daran haben, dass es wächst – und wenn Fon erfolgreich ist, benutzen Menschen das Internet nicht mehr nur zu Hause und im Büro, sondern überall. Das bedeutet für Google automatisch: mehr Besuche, mehr Suchanfragen und mehr Zuschauer für Werbung.
ZEIT: Wie geht es weiter mit Fon?
Varsavsky:
Ende 2008 möchten wir weltweit eine Million Nutzer haben, die zur Fon-Gemeinschaft gehören. Unser Endziel sind drei Millionen lokale Funknetze, über die man sich ins Internet einwählen kann – je eine Million in Asien, Europa und den USA. Wenn wir da angelangt sind, ist unsere Arbeit getan. Dann haben wir in allen größeren Städten ein flächendeckendes Netz. In einem Land wie Deutschland reichen dazu schon einige hunderttausend Fonspots. Das ist machbar.
Die Fragen stellte Chris Köver
Zum Thema
Teilen und Surfen
-
Fon verspricht seinen Mitgliedern ein weltweit kostenloses Funknetz, steht aber noch vor großen technischen und rechtlichen Problemen »
Cebit 2007
-
Ein Spezial zur größten Computermesse. Mit Gewinnspiel »
- Datum 07.03.2007 - 03:44 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf mehreren Seiten lesen
- Serie cebit
- Quelle ZEIT online
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren