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Ein Bodenbelag, der mitdenkt. Innenansicht des „thinking carpet“

Ein Bodenbelag, der mitdenkt. Innenansicht des „thinking carpet“

Nicht mehr als fünf Quadratmeter maß zwei Jahre zuvor auch der Messestand von Kallback. Das amerikanische Startup hatte festgestellt, dass der Preis eines Telefonats zwischen zwei Ländern stark differiert - je nachdem, von welchem Land aus angerufen wird. Daraus wurde ein internationales Unternehmen mit zehntausenden Kunden, die hunderttausende Dollar damit sparten, dass sie ihre Auslandsgespräche nicht direkt wählten, sondern sich von Kallback mit einer billigen Verbindung aus den USA zurückrufen ließen.

Auf die Idee mit der Internettelefonie war Elon Ganor gekommen, ein israelischer Arzt, der für seine Aids-Forschung möglichst kostengünstig mit afrikanischen Kollegen in Kontakt bleiben wollte. Die Idee zu Kallback kam dem Geschäftsmann Joel Eisenberg, als er nach einer Übernachtung in London seine Hotelrechnung sah. Die Telefongespräche in die Heimat hatten mehr gekostet als das Zimmer.

Die erfolgreichsten Neuerungen gehen oft auf einzelne, nicht selten sogar fachfremde Tüftler zurück. Von den behäbigen Monopolunternehmen der Telekommunikation und ihren verwöhnten Zulieferern sind sie kaum zu erwarten. Wer auf der Cebit nach echten Innovationen sucht, ist deshalb am äußersten Rand der Hallen am besten aufgehoben. Mehrere hundert Stände im Miniformat stehen dort, „mehr als 150 begnügen sich mit weniger als 15 Quadratmetern“, sagt Messe-Sprecherin Katja Havemeister.

Am Ende werden von all den Kleinstausstellern nur einige wenige das Rennen machen. Viele sitzen die sieben Cebit-Tage gänzlich unentdeckt ab. Mancher hat auch nicht genügend Durchhaltevermögen für den langen Weg jeder Technikentwicklung von der guten Idee über ihre erste primitive und komplizierte Umsetzung bis hin zum leicht verständlichen und problemlos funktionierenden Massenprodukt. Doch gerade hier liegt der Reiz der Computermesse: Wer an den langen Reihen kleiner und kleinster Ausstellungsboxen entlangschlendert, darf raten, wer noch ganz am Anfang und wer schon kurz vor dem Ende seiner Geschäftsidee steht. Die Antwort gibt es erst in ein paar Jahren.

Wer wird im Rückblick der nächsten 15 Jahre den Cebit-Hit von 2007 geliefert haben? Ist es das Tsunami-Alarmsystem der Tübinger Tüftler Eduard Heindl und Wolfram Reiners, das nach Erdbeben, die einen Tsunami auslösen könnten, Alarmmeldungen per SMS an jeden verschickt, der sich zuvor für eine Jahresgebühr von 30 Euro angemeldet hat? Oder der thinking carpet, ein elektronisch aufgerüsteter Bodenbelag, der Beleuchtung und Klimaanlagen steuert und orientierungslosen Besuchern mit kleinen Glitzerpunkten den rechten Weg weist? Oder Mediapublic, ein automatisches Frühwarnsystem für Stimmungswandel im Internet, das Alarm schlägt, wenn ein Unternehmen in Onlinemedien oder Foren in unmittelbarer Nähe negativ besetzter Adjektive auftaucht? Oder doch eher der Dienstleister aus Dhaka, Bangladesh, der unter dem Motto „wir arbeiten, wenn Sie schlafen“ seinen abseitigen Standort nutzen will, um Profit aus der Kombination von Billiglohn und Zeitverschiebung zu ziehen?

Zwei Billionen Euro wurden im vergangenen Jahr auf dem Weltmarkt für Informations- und Kommunikationstechnik umgesetzt. Da ist noch viel Platz für neue Ideen. Am Rande der Cebit sind sie vielleicht schon zu sehen. Dort, in der Wundertüte der Branche, kann man finden, was man nie gesucht hat.

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