Prozessoren Die Macht der Beschleunigung

Intel schafft neue, noch schnellere Prozessoren. Werden Maschinen bald leistungsfähiger als der menschliche Verstand?

Unsere Computer sind schnell. Verglichen mit der Gigahertz-Taktfrequenz eines Prozessors muten die 90 Herzschläge pro Minute, die der menschliche Körper in Ruhe vollbringt, archaisch an. Ein Vergleich: 1990 wartete ein Computer auf den Tastendruck eines Menschen so lange, wie ein Mensch still und unbeweglich darauf harren müsste, dass der Zweig eines Baumes ihm entgegenwächst. Inzwischen hat sich die Geschwindigkeit der elektronischen Rechenwerke zumindest verzweihundertsechsundfünfzigfacht. Und sie nimmt weiter zu.

Dass das menschliche Denken überhaupt noch konkurrenzfähig ist, liegt zuerst an der Perfektion der biologischen Systeme, die im Gehirn 100 Milliarden Zellen über eine Billiarde Verbindungen (zumeist) sinnvoll organisieren.

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Im Vergleich dazu wiederum ist der Stand der Rechentechnik bescheiden: Nur 29.000 Transistoren arbeiteten im Urahn Intel 8086 . Im Intel Pentium II - 17 Jahre später - waren es bereits neun Millionen. Heute werden im Flagschiff Intel Core 2 Duo 291 Millionen Transistoren verbaut.

Nun ist ein Transistor keine Nervenzelle. Nur ein Eingang und ein Ausgang stehen den Daten zur Verfügung, hinzu kommt eine Leitung zur Steuerung des Stroms. Die Aussage eines Transistors lautet '1' - oder '0', wenn er schweigt.

Die Nervenzelle dagegen hat sehr viele Synapsen, um sich mitzuteilen. Gleichzeitig kann sie tausendfach 'Nein' und tausendfach 'Ja' sagen und auf ebenso viele Signale abgestuft reagieren. Gerade bei überlebenswichtigen Aufgaben wie der Mustererkennung für Sehen oder Hören, beim Verstehen von Sprachen oder dem kreativen Malen eines Bildes ist das biologische Verfahren den elektronischen noch weit voraus.

Doch das Gehirn hat eine Schwäche im Wettkampf mit der Technik: Es entwickelt seine Kapazität nicht weiter - zumindest nicht in erlebbaren Zeiträumen.

Hingegen bestätigen die Prozessorbäckereien regelmäßig das Moorsche Gesetz, nach dem sich die Komplexität in Prozessoren etwa alle zwei Jahre verdoppelt. Seit Ende Februar zeigt Intel einen Prozessor vor, der achtzig Kerne auf einem Chip integriert - heute üblich sind zwei. So kann ganz ohne fundamental neue Technologie die Leistung auf eintausend Milliarden (1.000.000.000.000) Berechnungen pro Sekunde vervierzigfacht werden, auf nur einer Platine. Stolz stellen die Entwickler in diesem Video ihr Werk vor.

Gleichzeitig wird daran geforscht, wie ein weit leistungsfähigeres Material im Chip eingesetzt werden kann.

Während also Intel "den größten Durchbruch im Transistordesign in den letzten vierzig Jahren" bekannt gibt, prescht zeitgleich auch IBM vor. Das Unternehmen verkündete am 27. Februar ebenfalls die "erste fundamentale Veränderung im Transistoraufbau seit vierzig Jahren" .

Wie ein solcher Durchbruch gleich doppelt an einem Wochenende gelingt, bleibt ein Rätsel. Doch einig sind sich beide Chiphersteller darin, dass der Intel-Gründer Moore durch diese Technik die nächsten zehn Jahre Recht behalten wird.

Nach dem Moorschen Gesetz wären die Maschinen dann in weiteren acht Jahren, bei 150 Milliarden Transistoren je Chip, auf Augenhöhe mit den Menschen:

Das Moorsche Gesetz - bisherige Entwicklung
Mensch (Synapsen)Maschine (Transistoren)
1900: 100 Milliarden 0
1958: 100 Milliarden 10
1980: 100 Milliarden 29.000 (i8086)
1990: 100 Milliarden 275.000 (i386)
1997: 100 Milliarden 9 Millionen (Pentium II)
2004: 100 Milliarden 125 Millionen (Pentium4)
2006: 100 Milliarden 291 Millionen (Core 2 Duo)

Nun möchte man sich für den Menschen auf die oben genannte Zahl der Verbindungen retten - doch auch Computer kennen Netze. Und nichts wächst schneller als die Anzahl der im Internet verbundenen Rechner. Ray Kurzweil und andere meinen, dass sich die gesamte technologische Evolution in doppelt exponentieller Geschwindigkeit vollzieht. Die Rechenleistung pro 1000 Dollar verdoppelte sich in den Jahren 1910 bis 1950 im Abstand von drei Jahren (mechanische Rechenmaschinen), von 1950 bis 1966 etwa alle zwei Jahre und jetzt etwa jährlich.

Wer erinnert sich noch an die Reiskörner des Brahmanen, die dieser der Legende nach von seinem König als Lohn für die Erfindung des Schachspiels erbat? Von Feld zu Feld verdoppelte sich die Zahl der Körner. Der Reis ganz Indiens war dafür nicht genug. Und ebenso geht es unserem Denken.

Ist die Unterlegenheit der menschlichen Hardware aber ein Grund zur Verzweiflung?
Nein. Mit aller Kraft das Unvermeidbare zum Guten hin zu wenden ist die Herausforderung an alle, die Maschinen zu schaffen und noch zu steuern vermögen.

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Leser-Kommentare
  1. Urmenschen erfinden einen einfachen Palisadenzaun. Und wenn sie später in der Lage wären, diesen Zaun mit Millonen von Baumstämmen zu machen, was wäre damit gewonnen? Auf dieser Ebene bewegen sich diese Erbsenzählerartikel. Menschen kamen jedoch vom Palisadenzaun zur Kathedrale. Das ist schöpferische Energie, die nur göttlich inspirierten Wesen eigen ist. Stecken Sie sich Ihren Moore und seine Transistoren an den Hut. Werden Sie erwachsen. Werden Sie Mensch.

  2. 2.

    es ist richtig, dass sehr oft viel sachen hochgelobt werden, aber ich denke schon, dass wir einer reprouktion des menschen immer naeher kommen, und zudem IST der mensch eine zusammensetzung aus synapsen, etc und die verbindung MACHT aus ihm einen autarl lebenden Menschen, deswegen besteht die moeglichkeit diese vertbindungen nachzubauen un eine autark lebende und nicht sterbende maschine zu machen... das das heute noch nicht moeglich ist, heisst nicht, dass es nie moeglich sein wird...

    Und gerade so ein denken, dass es nie moeglich sein wird, zeigt, dass der mensch manchmal in seiner vorstellung so 'begrenzt' in seinem denken ist, dass es sehr gut moeglich ist ihn nachzubauen ;-)
    MFG

  3. Dieser Artikel wird mit schöner Regelmäßigkeit bei jedem Erscheinen einer neuen Rechnergeneration geschrieben. Und es steht immer dasselbe drin: 'Mooresches Gesetz... Xtausent Transistoren... bald sind wir überholt...' Computer waren bei den meisten Rechenaufgaben schon vor 20 Jahren viel schneller als der Mensch. Dafür sind sie entwickelt worden. Für alles andere bedarf es äußerst kluger Software Designer. Dummerweise ist deren Entwicklung aber nicht dem mooreschen Gesetz unterworfen. Software wird aller Objektorientierung und weiterentwickelten Testverfahren zum Trotz immer fehleranfälliger, je komplexer sie wird. Neuronale Netze sind interessant, aber auch sie werden den Menschen nicht auf seinem ureigenen Terrain überholen. Die Prozessorbauer sind so stolz, wenn ein Computer einen Schachweltmeister schlägt, aber würden sie sich ernsthaft für einen von einem Rechner geschriebenen Roman, ein philosophisches Traktat oder ein Kochrezept interessieren? Ich prophezeie Ihnen, Rechner werden auch mit hundert Kernen bei solchen Aufgaben jämmerlich versagen.

    Was nämlich nach all den Jahren künstliche Intelligenzforschung endlich ein paar Leute erkannt zu haben scheinen: der große Unterschied zwischen Mensch und Computer ist, dass der Mensch ein Körper ist. Der Mensch ist eben NICHT 100 Millionen Synapsen, sondern ein autark lebendes (und sterbendes) System, das die Trennung von Körper und Geist selber geschaffen hat. Der Mensch sollte aufhören, sich selber mittels der Computermetapher zu beschreiben, dann würde er weniger Rechnen und mehr Mensch sein.

    v.

    PS: Dieser extrem intelligente Beitrag wurde auf einem Intel Core2Duo mit 2.16 Gigahertz geschrieben ;-)

  4. ...wenn die neuronalen Netze soweit entwickelt sind, dass sich soetwas wie Bewußtsein einstellt.
    Ab dem Moment wird alles sehr schnell gehen. Und es werden ethische Fragen auftauchen, ob man denkende Maschinen abschalten darf, ob sie tatsächlich ein Bewußtsein haben, was denn eigentlich das Bewußtsein ist, ob dies nur eine materialistische Weltsicht voraussetzt, oder ob man von einem Dualismus von Materie und Immateriellem ausgehen muss (Leib - Seele), und, welche Kompetenzen derartige Maschinen erhalten dürfen, oder de facto aufgrund skrupelloser Interessenverbände möglicherweise erhalten.
    Hier besteht viel Potential zum Guten - und mindestens genausoviel zu Vernichtung und Untergang.

  5. die haben größere Köpfe, sagten früher unsere Lehrer, wenn wir falsch gedacht hatten. Ich bin der Meinung, dass wir bald das Denken den Computern überlassen können, die haben mehr Rechenleistung. Und w i r können aufatmen und - S E I N.

    (Der Autor des obigen Kommentars wird das verstehen, er hat sich jedenfalls an anderer Stelle für ein Hereinnehmen der Mystik in die Religionsberichte der ZEIT eingesetzt.)

    Das SEIN hat übrigens eine vollständig selbstreferenzielle innere Stuktur, wie das schon der Verfasser eines anonymen mittelhochdeutschen Dreifaltigkeitsliedes erkannt hat:

    Vil ebenlich,
    unscheidenlich
    diu dri sint ein:
    weistu waz? nein,
    ez weiz sich selbe aller meist.

    GANZ GLEICH, MAN SIEHT
    KEIN’ UNTERSCHIED,
    DIE DREI SIND E I N:
    WEISST DU WAS, NEIN,
    ES WEISS SICH SELBER ALLERMEIST.

    Ob das ein Computer auch kann? Sicher nicht vollständig. Er wird immer dualistisch bleiben - d.h. Anhänger einer dualistischen Offenbarungsreligion mit einem Objekt-Gott.

    Die Größe des reinen Bewusstseins aber besteht darin, dass es (im Gegensatz zu der Aussage des Theologen weiter unten) genau diese reibungslose Selbstreferenzialität (oder wie man in den Feldtheorien sagt, Selbstinteraktion) zur Verfügung hat.

    Deshalb könnte man sagen, dass die Schöpfung Software ist und die Hardware ist ganz soft, nämlich selbstinteragierendes Bewusstsein. In diesem Kontext wären dann auch die neuen Intel-Prozessoren, denen wir Gottseidank künftig das öde Denken überlassen können - Software!

  6. Seit der Einführung der 'Klassen' in der objektorientierten Programmierung gibt es Einheiten, die man durchaus mit einfachen lebenden Zellen vergleichen kann, denn sie haben neben der Struktur (=Quantität) auch Funktion (=Qualität) und sogar Vererbung.

    Natürlich stammt all das zunächst von menschlichen 'Kathedralenerbauern', aber es bekommt mehr und mehr Eigendynamik, so wie die Zellen in der Evolution ja auch nach mehr und mehr Komplexität 'strebten' in dem Spiel des Überlebens. Vielleicht leben wir ja doch in einem Bewusstseinsuniversum und es gibt - neben der Entropie der Materie - überall Leben, Leben und nochmal Leben, sogar im Computer.

    Leben und Tod liegen eben im Auge des Betrachters.

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