20 Jahre Frauenministerium Angela Merkel und die Frauenfrage
Anlässlich des 20. Geburtstages des Familienministeriums diskutierte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihren fünf Ministerinnen und sechs Jugendlichen über Frauen- und Familienpolitik und offenbarte einige kurze Einblicke in das Seelenleben einer Kanzlerin.
Vor 20 Jahren war Angela Merkel eine fleißige Physikerin. Sie saß in ihrem kleinen Büro in der Akademie der Wissenschaften in Ost-Berlin. Sie war im Beruf erfolgreich, aber von Männern umstellt, die vermutlich vor ihr Karriere machen würden. Das war auch in der DDR so, trotz der flächendeckenden Versorgung mit Krippenplätzen. Über vieles hat sie sich die Nachwuchswissenschaftlerin Angela Merkel damals Gedanken gemacht, vor allem über Theoretische Physik. Aber vermutlich nicht darüber, dass sie einmal die mächtigste Frau Europas sein würde. Auch die Tatsache, dass die Frauenfrage „mal eine wichtige Rolle in meinem Leben einnimmt“, das habe sie damals nicht erwartet, sagt die Bundeskanzlerin heute.
Für eine andere Politikerin war das Thema dagegen genau zu jener Zeit von herausragender Bedeutung: 1987 wurde die Christdemokratin Rita Süssmuth im Westen unter Kanzler Helmut Kohl die erste deutsche Frauenministerin. Der exakte Geburtstag des Frauenministeriums ist zwar erst am 5. Juni. Aber warum sollten die Frauen diese historische Wegmarke in der Geschichte der Bewegung nicht ein paar Monate lang feiern. Zumal wenn es gute Anlässe gibt, wie zum Beispiel den am 8. März anstehenden Internationalen Frauentag. Also hatte Frauenministerin Ursula von der Leyen am Dienstagvormittag die Bundeskanzlerin und alle ihre Kabinettskolleginnen in Berlin zu einer Diskussionsrunde geladen. Rita Süssmuth, die alte Dame der christdemokratischen Frauenpolitik, war auch dabei. Und damit die mächtigen Frauen auf dem Podium nicht unter sich blieben, hatte das Ministerium auch noch sechs Jugendliche beiderlei Geschlechts dazu gebeten, die allerdings eher als schmückendes Beiwerk dienten. Brav erklärten sie, wie aufgeschlossen sie für ein modernes Frauen- und Familienbild seien.
Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen mit der ersten Frauenministerin Rita Süssmuth und der Amtsinhaberin Ursula von der Leyen, aller drei CDU.
Viele Gratulanten für einen runden Geburtstag. Doch vor allem für die Bundeskanzlerin war die Veranstaltung auch eine Gelegenheit, jenseits der Tagespolitik mal ein paar klare Worte zu finden, um den Fr
auen den Rücken zu stärken und den Männern ins Gewissen zu reden. Einen „Skandal“ nannte sie es, dass in den Vorständen der 30 Dax-Unternehmen keine einzige Frau arbeite, „unglaublich gering“ fand sie die Zahl der C4-Professorinnen. Zugespitzte Worte für eine sonst so auf Ausgleich bedachte Bundeskanzlerin, aber sie erweckte den Eindruck, als müsse sie sich dies einmal von der Seele reden, so unter Frauen.
Die Politik wähnt sich schon ein paar Schritte weiter als Wirtschaft und Wissenschaft. Immerhin seien im Bundeskabinett „wichtige Kernbereiche der Politik“ in die Verantwortung von Frauen übergegangen, sagte die Kanzlerin und damit sei das Kabinett „weit von dem entfernt, was man Frauen vor Jahrzehnten zugetraut hätte“. Da nickten die fünf anwesenden Ministerinnen: Entwicklungsministerin Heidi Wieczorek-Zeul, Justizministerin Brigitte Zypries, Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, Forschungsministerin Annette Schavan sowie Frauen- und Familienministerin Ursula von der Leyen. Jede von ihnen könnte vermutlich alleine den ganzen Vormittag zum Thema Frauen in der Politik bestreiten. Doch in einer solch großen Runde müssen sich sogar Ministerinnen kurz fassen.
Ulla Schmidt (SPD) sagte, sie hätte sich nicht träumen lassen, dass sie nach 40 Jahren Frauenpolitik noch immer über dieselben Themen diskutieren müsse. Annette Schavan (CDU) will nicht mehr über die Quote reden, sondern darüber, wie Frauen während ihrer Karriere konkret gefördert werden können und Ursula von der Leyen will auch über den Mann reden, schließlich sei Gleichstellung mittlerweile eine Herausforderung, die „nur als gemeinsame Aufgabe von Mann und Frau“ gelingen könne.
Der Mann muss sich ändern. Davon zeigte sich auch die christdemokratische Bundeskanzlerin überzeugt, „Gleichberechtigung wird ohne ein verändertes Rollenverhalten des Mannes nicht möglich sein“, sagte sie und stärkte ihrer Parteifreundin und Familienministerin damit demonstrativ den Rücken. Aber vor allem tat sie dies deutlicher, als es von ihr in den letzten Wochen zu hören war. Zu der Zeit, als vor allem konservative Männer gegen die Krippenpläne der Familienministerin Sturm liefen. Ob das damit zusammenhing, dass die Nachrichtenagenturen an diesem Morgen gemeldet hatten, der von Männern dominierte Koalitionsausschuss habe die Familienministerin in Sachen Ausbau des Angebots an Krippenplätzen zurückgepfiffen?
- Datum 06.03.2007 - 09:25 Uhr
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Eigentlich kann man heutigen Politikerinnnen, die es ohne jeden Zweifel schwerer hatten, als Politiker, nicht vorwerfen, daß sie - wie auch die meisten anderen 'Frauenpolitiker' eine wesentliche Inkongruenz nicht sehen - und daher auch nicht politisch einbeziehen können.
Männer werden sich genau dann ändern, wenn ihnen das Vorteile, - vor allem auf dem Partnermarkt - bringt. Wie zuletzt der Züricher Neurobiologie Lutz Jähnke in der Weltwoche erklärte, ist es bei aller zerebralen Plastizität und kulturellen Modellierbarkeit der menschlichen Geschlechter doch so, daß das Knappheitsverhältnis von Eizellen zu Spermien eben unterschiedliche evolutionäre Strategien hervorgebracht hat, die sich nicht durch gesellschaftliches Predigen verändern lassen. Ganz sicher nicht in den Zeiträumen über die hier diskutiert wird.
Frauen entscheiden, welchen Männern sie ihre knappen reproduktiven Ressourcen anvertrauen. Solange das tatsächliche weibliche Paarungsverhalten individuell und kollektiv überprüfbar von den politischen Parolen unterscheidet, werden Männer sich kaum davon überzeugen lassen, auf den Aufbau von 'Status' als offensichtlich wesentlichsten Element der Paarungsanbahnung zu verzichten. Hier geht es um zu bedeutende individuelle Lebensentscheidungen, um sich auf eine ideologische oder philosophische Diskussion dauerhaft einzulassen. Das ist die eine Seite. Die andere Seite betrifft die Frauen, die bereits an der Spitze stehen, und das oft allein. Maureen Dowd hat sich in der NYT und einem Buch darüber lauthals beschwert und ihren Status für ihr Singledasein verantwortlich gemacht. Aber hat sie deswegen einen Mann erwählt, der einen niedrigeren Status hat?
Wir leben nur einmal. Männer wie Frauen. Und die meisten von uns sind sich glücklicherweise für soziologische Longitudinalstudien zu schade. Das mag man dann gesellschaftliche 'Beharrungskräfte' nennen. Oder aber einfach: 'rationales' Verhalten.
Sollten Frauen daher irgendwann anfangen, arme, langweilige, Männer ohne eigenes Einkommen zu bevorzugen, jegliche Quotenregelung wäre auf längere Sicht überflüssig. Wenn sie das nicht tun, sollten wir aufhören, Männer politisch dazu aufzufordern, sich individuell irrational verhalten.
Es ist schade, daß (offensichtlich insbesondere der deutsche) Feminismus, Sexualität und reproduktive Anreize fast ausschließlich als abhängige, politische Variable wahrnimmt, nicht aber als unabhängige, die soziale Realität in bedeutendem Umfang prägende Variable. Das mag politisch opportun sein, der Sache dienlich ist es in keinem Fall.
Wir müssen das Spannungsverhältnis, das sich durch das Ende einer effizienten geschlechterbezogenen Arbeitsteilung in der ökonomischen Sphäre (durch die Industrialisierung, nicht den second wave Feminismus) im Zusammenhang mit der richtigen fundamentalen humanistischen Forderung nach Gleichwertigkeit neu ausfüllen, ohne jeden Zweifel - auch aus ökonomischem Interesse. Aber Gleichheit in Unterschiedlichkeit ist ohne Zweifel ein besonderes Problem und möglicherweise nicht wirklich auflösbar.
Dann ist der Kampf der Geschlechter wohl tatsächlich eine unabänderliche Tatsache. Aber glücklicherweise kann man sich ja auch beim Kämpfen manchmal recht nahe kommen ;).
Stimmt!
Schade, zu anstrengend zu lesen.
Dass sich die Männer bei geringer Gewinnnchance drücken, wird zumindest in der Union sicher noch auf Jahre hinaus so bleiben, denn anders ist die Revolte der Länderchefs gegen den Ausbau der Kinderbetreuung nicht zu erklären.
Eher werden wahrscheinlich ganz normale Männer gern mal den Job des Hausmütterchens übernehmen, da sie so zumindest jede Menge neue Erfahrungen sammeln können.
Es wird ausser in Ausnahmefällen aber wohl niemals zu einem kompletten Rollentausch kommen können. Sie werden immer auch Zeit beanspruchen, die sie zur Befriedigung ihrer männlichen Bedürfnisse brauchen.
nicht um Frauen oder sonst irgendetwas - Merkel gehts um Merkel.
Ich bin etwas unsicher, wie die Botschaft lautet. Männer sollen sich schminken und Frauen rasieren oder beide beides oder wirklich Chancengleichheit bei Respektierung der immerhin auch gegebenen biologischen Unterschiede?
Es gibt Bereiche in denen Männer sich nicht mehr bewerben brauchen, weil diese Stellen nur für Frauen vorgesehen werden. Ob das mit dem europäischen Anti-Diskriminierungs-Gesetz harmoniert, kann man sich fragen. Solange wie es erforderlich ist, Frauen verstärkt ins Berufsleben zu bringen, ist das wohl sinnvoll.
Dennoch haben hier Frauen geredet, die um die 50 und älter sind. Jüngere Frauen haben ein anderes Umfeld und diese Probleme so nicht mehr.
Gleichberechtigung heißt Chancengleichheit, diese Chancen muss man/frau wahrnehmen. Anders wird das nichts.
Solange aber Eltern im Arbeitsleben keine angemessenen Bedingungen für Vereinbarkeit von Beruf und Familie finden, wird die Doppelbelastung immer dazu führen, dass Eltern zurückstehen müssen. Die Vorstellung, dass Väter - selbst wenn die Mütter zu Hause bleiben - genauso flexibel wie Singles sind, ist abwegig. Mit einer Familie oder auch nur mit einem Partner kann man nicht einfach mal 2 Jahre ins Ausland gehen. Welcher Vater möchte seine Kinder nicht mal am Wochenende sehen?
Die derzeitige Familien- und Frauenpolitik scheint etwas einseitig die Karriereplanung zum Ziel zu haben. Im Leben gibt es aber noch mehr als Arbeit.
In Deutschland geht es uns ja allen so schlecht, dass wir noch ans Arbeiten rund um die Uhr denken müssen bei immer geringeren Gehältern und steigenden Abgaben. Macht echt Spaß.
Christoph Seils, zuerst zur Klarstellung: Angela Merkel war als Physikerin nicht fleißig. 'Sie promovierte lustlos vor sich hin.' Ihr langjähriger Lebenspartner und zweiter Ehemann, Prof. Sauer, hat in einer kürzeren Zeit, als sie Merkel benötigt hat, zwei mal promoviert. Ohne ihren Prof. Sauer, hätte Merkel die Dissertation nie zu Ende bringen können. Merkel war an der Akademie der Wissenschaften in Ost-Berlin froh, wenn der Tag rum war. 'Berühmt' war sie nur für ihren türkischen Kaffee. Außdem war sie neben ihrer Tätigkeit als Physikerin mit ihren Nebenjnobs als FDJ-Kreisleitungsmitglied und FDJ-Sekretärin für Agitationb und Propaganda stark ausgelastet. Aber viel zu tun hatte sie, wie viele andere DDR-Bürger, insgesamt nicht. Merkel war im FDJ-Kader der SED, die Akademie der Wissenschaften war eine der bedeutensten Organisationen für eine FDJ-Funktionärin und ein gutes Sprungbrett für höhere Aufgaben. Sh. auch Wikipediea. - Und: mächtigste Frau Europa ist vielfach übertrieben. Persönliche Akzeptanz hat sie auf ihrer Ebene nicht. Bush nimmt sie nicht ernst und macht sich auch noch lustig über sie. Sie gilt als Zahlmeisterin, in bester kohlschen Tradition. Die europäischen Bürger wundern sich, wie wenig elegant Deutschland im Ausland repräsentiert wird. ('mit dickem Hintern', so ein mir bekannter Franzose). - Merkel ist eine der bekanntesten deutschen Rotarierinnen. Als 'Frauenrechtlerin' ist die FDJ-Kanzlerin aber im Rotary Club - nur wenige Frauen sind Mitglied - bisher noch nicht aufgefallen.
(Gesamtsubjekt), die dies Fallen unendlich sanft in IHREN Händen hält.
Frei nach Rilke
Dieses Fallen macht Frau Merkel - jedenfalls sieht das auf dem Photo so aus - weicher und für mich annehmbarer.
In so einem Moment ruft ein Wesen nach dem Schutz der Gattung.
Der mag dann auch schnell wieder vorbei sein, egal, es gab ihn.
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