Wäre unser Sonnensystem symmetrisch, wir könnten den Anblick häufiger genießen: Für eine totale Mondfinsternis muss sich die Erde ziemlich genau zwischen unseren Trabanten und die Sonne schieben. Das passiert ohnehin nur, wenn Vollmond ist. Aber weil die Dreh-Ebene des Mondes um die Erde schief zur Laufebene der Erde um die Sonne steht, fällt der dunkle Kernschatten unseres Planeten in der Regel neben den vollen Mond. Einen Treffer gibt es nur alle paar Jahre, das jüngste Mal war das im Jahr 2004. So sah der Mond während der totalen Mondfinsternis am 4.Mai 2004 über London aus: Nicht wirklich finster, aber rostrot

Samstagnacht bekommen wir endlich wieder eine Chance. Theoretisch können die Menschen das Schauspiel der totalen Mondfinsternis in ganz Europa sehen, praktisch nur dort, wo die dicke Wolkendecke über dem Kontinent aufreißt. Den aktuellen Wettervorhersagen nach lohnt es sich wohl allein für Norddeutsche, Rheinländer und Bayern, am Abend des 3. März um halbelf vor die Tür zu treten und Richtung Südosten in den Himmel zu gucken. Im Sternbild Löwe berührt der Kernschatten der Erde dann erstmals den Mondrand, schiebt sich immer weiter vor, und hat den Mond schließlich um viertel vor Zwölf ganz geschluckt. Weil der Schatten der Erde größer ist als sein Trabant, dauert diese totale Phase eine gute Stunde, bis um ein Uhr am Sonntagmorgen. Um zwölf Minuten nach zwei Uhr ist das Schauspiel dann vorbei.

Ganz finster wird der Mond während einer totalen Finsternis übrigens nicht. Dazu trägt ganz wesentlich die Luftverschmutzung bei. Die wachsende Menge an Staubpartikeln in der Erdatmosphäre reflektiert seitlich einfallendes Sonnenlicht und lenkt vor allem rote Strahlung in den Schatten. Je nach Verschmutzung der Atmosphäre schimmert der verfinsterte Mond daher dunkelgrau bis kupferrot. Man kann ihn während der gesamten Finsternis deutlich sehen. In vergangenen Jahrhunderten waren Mondfinsternisse dagegen oft noch richtig dunkel.

Die Schnittpunkte der Mond- und Erdbahnebene heißen auch Drachenpunkte, weil sich chinesische Beobachter früherer Jahrhunderte vorstellten, dass bei einer Finsternis ein himmlischer Drache den Mond verschlingt. Auch in anderen Kulturen waren Mondfinsternisse Legendenstoff: Die Amazonas-Indianer erklärten sich den "Blutmond" damit, dass ein jugendlicher Bogenschütze getroffen habe und dieser nun blute, bis ein Schamane den Pfeil herauszieht und die Wunde heilt. Die Wikinger fürchteten den mythischen Wolf Hati, der dem Mond am Himmel nachjagt und ihn gelegentlich fängt. Mit viel Lärm gelang es den Menschen erstaunlicherweise jedes Mal, Hati in die Flucht zu schlagen.

Wer die Mondfinsternis am Wochenende verpasst, bekommt erst in knapp einem Jahr wieder eine Chance, in den frühen Morgenstunden des 21. Februar 2008 - ein Donnerstag, und damit für die meisten Menschen ein Arbeitstag. Die zweite totale Mondfinsternis in diesem Jahr beginnt am 28. August gegen 11.00 Uhr, sie ist von Europa aus nicht zu sehen.

Die Vereinigung der Sternfreunde hat angekündigt, das Schauspiel an diesem Samstag live im Internet zu übertragen.