ZEIT online: Was bekommt der Tiefsee-Tourist zu sehen auf einer Reise zum Meeresgrund?

Jörg Wünning: Sie können Tauchfahrten zu Wracks unternehmen. Die Titanic ist wahrscheinlich das touristisch reizvollste Ziel, aber auch die Bismarck, die im Atlantik in 4800 Metern Tiefe liegt, kann betaucht werden. Wer sich mehr für Naturziele interessiert, kann die sogenannten Black Smokers bestaunen, das sind hydrothermale Quellen am Grund der Tiefsee, oder die Unterwasservulkane bei den Azoren.

ZEIT online: Ist in der dort unten herrschenden Dunkelheit überhaupt etwas zu erkennen?

Jörg Wünning: Weil die Tauchboote wegen der extremen Druckverhältnisse in solchen Tiefen außerordentlich stabil gebaut sein müssen, haben sie nur sehr kleine Fenster, die aber ausreichen, um Sichtungen in der näheren Umgebung zu machen, die durch starke Scheinwerfer aufgehellt wird. Bei der Titanic haben Sie einen Sichtkegel von 20 bis 30 Metern, da kann man Ausschnitte vom Wrack gut sehen, wenn man nah genug drangeht, zum Beispiel an die Schiffsschraube oder unter den Bug. Natürlich muss immer genügend Sicherheitsabstand eingehalten werden.

Beim Durchqueren der verschiedenen Schichten des Ozeans bekommt man auch einige Tiere zu sehen. Besonders spektakulär ist die Biolumineszenz, also Lebewesen, die ihr eigenes Licht produzieren.

ZEIT online: Wie läuft so eine Tauchfahrt in der Praxis ab?

Jörg Wünning: Die Kabinen müssen sehr eng gebaut sein, wegen des hohen Wasserdrucks, da ist nicht viel Platz - an Bord ist immer ein Tauchbootführer und ein Gast, mehr passen nicht rein. Die Temperatur passt sich mit der Zeit den Außentemperaturen an, es wird also recht kühl da drin. Die Boote sinken ja mehrere tausend Meter tief, nur durch ihr eigenes Gewicht. Dadurch sind die Tauchzeiten sehr lang: Um zur Titanic, die in 3800 Metern Tiefe liegt, zu gelangen, braucht das Boot drei bis vier Stunden, und die gleiche Zeit noch einmal zum Auftauchen.

ZEIT online: Das klingt nach einer anstrengenden Tour. Kann jeder mitfahren, der möchte?

Jörg Wünning: Eine gute Verfassung ist Voraussetzung für eine Fahrt in die Tiefsee. Wer buchen möchte, bekommt einen medizinischen Fragebogen, den er mit seinem Arzt durchgehen sollte. Das Herz-Kreislaufsystem muss stabil sein, Lunge und Atmung in Ordnung sein. Und zur Klaustrophobie neigen sollte man natürlich auch nicht.