Alkohol
Nicht einen Tropfen
Mehrere Politiker haben ein absolutes Alkoholverbot für Jugendliche gefordert. Sie zeigen sich besorgt über eine verstärkte "Tendenz zum Zuknallen"

Um Exzesse von Jugendlichen zu verhindern, will man diese künftig vom Alkohol fernhalten
Die Drogenbeauftragten der Bundesregierung und die der Unionsfraktion, Sabine Bätzing (SPD) und Maria Eichhorn (CSU), haben einen entsprechenden Plan der Europäischen Union begrüßt, der vorsieht, die Grenze für Alkoholkonsum europaweit bei 18 Jahren einzuziehen.
Bätzing beunruhigt besonders eine "Tendenz zum ... hemmungslosen Zuknallen". Mehr als jeder Dritte im Alter zwischen zwölf und 25 Jahren habe im vergangenen Monat mindestens einmal mehr als fünf Gläser Alkohol zu sich genommen. Erst in den vergangenen Tagen hatte der Fall eines 16-Jährigen aus Berlin für Schlagzeilen gesorgt. Der Jugendliche hatte über 40 Gläser Tequila getrunken und war danach ins Koma gefallen.
"Wenn man den Jugendschutz ernst nimmt, muss man die Abgabe von Alkohol an Unter-18-Jährige unterbinden", sagte auch der drogenpolitische Sprecher der Grünen, Harald Terpe. Dagegen rügte sein Kollege von der FDP, Detlev Pfarr, die Idee. "Über Repression ist wenig zu erreichen." Die jungen Leute müssten lernen, verantwortungsbewusst mit Alkohol umzugehen.
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- Datum 13.3.2007 - 03:54 Uhr
- Quelle ZEIT online, dpa
- Kommentare 5
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Antwort: einen Schwarzmarkt und wilde Partys im Verborgenen!
Im übrigen scheint Europa auf den Weg in die 'Gereokratie' zu sein. Die Überalterung der Gesellschaft scheint bereits jetzt zu einer Verbots 'Kultur' zu führen. Rauchverbot, Alkohlverbot, Stand by Schaltungsverbot, FSK, Werbeverbot u.s.w. u.s.f..
Wenn alle Probleme, so wie jetzt, postwendend durch Verbote gelöst werden sollen, dann Gute Nacht!
Immer mehr Verbote - eine immer stärkere Entfremdung zwischen Staat und Individuum.
Kann der Staat (bzw. die EU, die von den meisten wahrscheinlich nicht einmal als legitimer Staat sondern eher als eine kafkaeske, kaum greifbare Autorität wahrgenommen wird, deren Entscheidungen man ohnmächtig hinnehmen muss) wirklich besser über Gewohnheiten und Lebensstil bestimmen als ich??
Die Politiker verlieren an Ansehen und der Staat dringt durch verstärkte Überwachung und Regulierung immer mehr in den privaten Bereich ein, in der Annahme, jede unerwünschte Entwicklung durch noch schärfere, präzisere und umfangreichere Regelungen steuern zu können...
Ein solcher Vorschlag erweist nur, wie sehr sich die Politik mittlerweile von der Realität der heute Jugendlichen verabschiedet hat. Solche nur noch schwachsinnigen , aber populistisch höchst gefährlichen Überbietungswettbewerbe werden veranstaltet, um gegenüber potentiellen Wählern 'Handlungsfähigkeit' zu demonstrieren (oder das, was Politiker dafür halten).
Allein die Präventionsbegründung ('dann hören die Jugendlichen mit dem Koma-Saufen auf)' ist bitterster Unfug, aber man kann ja mal einfach irgendeinen Mist in die Welt setzen. Es passt jedenfalls in die Zeit, dass man Jugendliche nur noch mit Normen, Verboten, Reglemenierungen zuknallt. Wie sie ihr Leben gestalten sollen, interesiert ja nicht mehr....
Die Forderung nach einem totalen Alkoholverbot ausgerechnet in einer Zeit, in der der Alkoholkonsum unter Jugendlichen erfreulicherweise zurückgeht, das heisst Aufklärung und Information offensichtlich Früchte tragen, erscheint paradox.
Extremfälle einer Minderheit, die sich durch sogenanntes Flatratetrinken ( und hier versagt die Gastronomie ) bis ins Koma saufen, lassen sich durch populistischen Aktionismus nicht vermeiden. Im Gegenteil, das Verbotene, Verruchte ist besonders interessant.
Ich lebe seit einigen Jahren in Norwegen und habe selbst Kinder im Jugendalter. Alkohol ist hier bekanntermassen extrem teuer, man hat stets den in Moralin gebadeten erhobenen Zeigefinger vor Augen, wenn man sich als Erwachsener mal ein Gläschen Bier oder Wein gönnt.
Jugendliche, denen es trotz restriktivem Verkauf immer wieder gelignt, an Alkohol zu kommen, gehen am Wochenende mit dem festen Vorsatz auf Parties, sich ordentlich zu besaufen, gerade weil das Verbotene Spass macht. Mal ein Glas Wein zum Essen oder ein Bier in geselliger Runde ist langweilig. Und das lernen die hier nie.
an Verboten und Restriktionen ist, dass man schnell und ohne großen Aufwand tätig werden kann und sich gleichzeitig nicht mit der Ursache des Problems beschäftigen muss. Wie bequem.
Und in der Politik lässt man sich nur zu gerne verführen: von Lobbyismus, von lukrativen Nebenjobs und von einfachen (naiven) Lösungen für nicht ganz so einfach Probleme.
Ich frage mich immer wieder, ob diese Menschaen wirklich so naiv sind oder ob sie sich nur der Öffentlichkeit so präsentieren, weil sie diese (nicht ganz unbegründet) für so naiv halten.
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