Die Ruhe an den Märkten erwies sich als trügerisch. Schon zu Wochenbeginn starteten die Börsianer zittrig in den Handel, Dow und Dax verloren. Am Dienstag stürzten die Kurse in New York dann ab. Es war der zweitschwerste Kursrutsch in diesem Jahr: Der Leitindex Dow Jones verlor um knapp zwei Prozent an Wert, der Technologie-Index Nasdaq Composite um etwas mehr als zwei Prozent. Die Welle setzte sich in Tokio fort, wo die Börse der Wall Street nach unten folgte. Der Nikkei-Index verlor fast drei Prozent. Am Mittwoch schließlich kam sie in Deutschland an. Der Dax startete mit starken Verlusten in den Handel. Zwischenzeitlich fiel er um zwei Prozent und notierte mit 6487 Punkten nur noch knapp über dem Jahrestief der vergangenen Woche.

Nervös macht die Anleger vor allem eines: Sie fürchten eine Krise des US-Immobilienmarkts. Schon lange warnen Ökonomen, das Abflauen des Immobilien-Booms jenseits des Atlantiks könnte der Wirtschaft erheblichen Schaden zufügen. Denn der Aufschwung der vergangenen Jahre basierte wesentlich auf dem Boom am Häusermarkt der USA. Weil die Werte ihrer Immobilien stetig stiegen, nutzten viele US-Bürger das Eigenheim als Sicherheit für ein Leben auf Pump. Sie belasteten es mit hohen Krediten und finanzierten dadurch, was sie zusätzlich konsumierten. Die Wirtschaft florierte – aber nur auf Kredit.

Nun mehren sich die Warnsignale. Das Problem: Im Aufschwung der vergangenen Jahre nahmen auch jene US-Bürger Hypothekenkredite auf, denen es eigentlich an der dafür nötigen Bonität mangelte. Manche Finanzinstitute haben sich auf das Geschäft mit solchen Kunden, auch Subprime-Geschäft genannt, spezialisiert. Die wenigsten kontrollierten besonders gründlich, ob ihre Kunden tatsächlich kreditwürdig waren. So gaben sie der Kreditspirale zusätzlichen Schwung, der nun der Zusammenbruch droht.

Denn der Boom ist Vergangenheit, die Preise für Wohnimmobilien fallen. Gerade die weniger zahlungskräftigen und auf Subprime-Hypotheken angewiesenen Hausbesitzer finden für ihre Kredite keine Anschlussfinanzierung mehr. Viele haben ihre Darlehen zudem zu variablen Zinsen aufgenommen, müssten also nun höhere Zinsen zahlen als zu Beginn. Die Folge: Immer mehr können ihre Kredite nicht mehr bedienen. Die Zahl der Zwangsversteigerungen steigt, und ein immer größerer Teil der Hypothekendarlehen wird notleidend.

Das bringt auch die Gläubiger in die Bredouille. Prominentes Beispiel ist das auf Subprime-Hypotheken spezialisierte US-Finanzinstitut New Century Financial. Vor dem Start in die aktuelle Handelswoche ließ das Geldhaus wissen, es werde Forderungen seiner Banken über insgesamt acht Milliarden Dollar möglicherweise nicht erfüllen können. Analysten sehen das Finanzhaus kurz vor der Pleite. Das Institut selbst teilte der US-Börsenaufsicht SEC lediglich mit, derzeit nur 60 Millionen Dollar an Bargeld flüssig zu haben, bei Weitem nicht genug also, um acht Milliarden zurückzuzahlen. Seine Gläubiger jedoch drohen, ihre Kredite sofort zurückzuverlangen.

Insolvent oder nicht? Das Unternehmen selbst wollte sich nicht zu den Spekulationen äußern. Dennoch ist klar: New Century steckt tief in Schwierigkeiten. Die Staatsanwaltschaft untersucht das Geschäftsgebaren des Konzerns, die Börsenaufsicht hat ebenfalls Untersuchungen eingeleitet. Seit Jahresbeginn hat die New-Century-Aktie um mehr als 90 Prozent verloren. Am Dienstag wurde sie gar aus dem offiziellen Handel verbannt. Nun darf sie nur noch außerbörslich gekauft und verkauft werden.