Geldanlage Verlust durch Gebühr

Banken kassieren häufig Geld, ohne offenzulegen, wofür. Die Sparer kostet das ziemlich viel Rendite.

Ist Ihnen eigentlich schon mal aufgefallen, wie viele verschiedene Banken ihr Girokonto mittlerweile kostenfrei, also ohne Kontoführungsgebühr, anbieten? Ich habe sie nicht gezählt, aber ein gutes Dutzend dürften es schon sein. Commerzbank, SEB Bank, Postbank und wie sie auch alle heißen mögen. Das ist schon ulkig. Bei der Einführung des Girokontos für Privatkunden in den sechziger Jahre kostete ein Girokonto auch nichts, denn die Geldhäuser wollten ihr neues Produkt loswerden. Als sie das 20 Jahre später geschafft hatten, begannen sie ordentlich abzukassieren, weil kaum ein Kunde noch auf Konto und EC-Karte verzichten konnte. Und seit sich die Banken wieder stärker um neue Kunden rangeln, geht es doch wieder ohne Gebühren.

Freilich funktionieren die meisten der Null-Komma-Null-Euro-Konten nur dann, wenn der Kunde bestimmte Voraussetzungen erfüllt – zum Beispiel monatliche Geldeingänge in vierstelliger Größenordnung, um mal nur eine zu nennen. Doch wehe, man scheitert einen Monat an dieser Hürde oder kommt in die Situation, an einem institutsfremden Geldautomaten Bargeld abholen zu müssen. Dann schlagen sie wieder richtig zu, die Geldhäuser.

Anzeige

Anleger sollten deshalb darauf achten, dass sie wenigstens im Preisverzeichnis schwarz auf weiß nachlesen können, welche Gebühren wofür verlangt werden. Ein solches Verzeichnis muss jede Bank auf Nachfrage parat haben.

Bei anderen Bankgeschäften außerhalb des Girokontos sieht es da schon schlechter aus – etwa bei der Geldanlage. Zwar lassen sich der Preis für ein Depotkonto oder die Höhe der Provisionen für einen Aktienkauf meist noch herausfinden. Doch bei etlichen anderen Posten wird still und heimlich abkassiert.

Welcher Käufer eines Fonds oder von bestimmten Zertifikaten weiß schon, dass für das laufende Management des Papiers eine Gebühr fällig wird, die anteilig vom angelegten Geld abgezweigt wird und dementsprechend die Bruttorendite mindert? Das lässt sich höchstens durch genaues Nachlesen im Emissions- beziehungsweise Verkaufsprospekt ermitteln. Der Berater aber wird in den meisten Fällen seine Provision genießen und schweigen, solange der Kunde nicht nachfragt. Speziell bei Fonds kommen noch die Kosten für Wirtschaftsprüfer, Depotbanken und Kosten für Halbjahres- und Jahresberichte dazu. Auch diese Posten lassen sich immerhin aus den Unterlagen heraussuchen, aber nur mühsam.

Professionelle Fondstester ermitteln mittlerweile eine Gesamtkostenquote, kurz TER genannt, um das Ganze auf einen Nenner zu bringen, doch der Begriff „gesamt“ trifft es nicht ganz. Über einen wesentlichen Kostenposten schweigen sich die Fondsgesellschaften nämlich gänzlich aus: Sie verraten nicht, was sie ihrem Broker für den Kauf oder Verkauf eines Wertpapierpostens zahlen – offiziell, weil sonst bekannt würde, dass Konkurrent A oder B bei dem gleichen Wertpapierhändler oder der Bank viel schlechtere Konditionen bekommt. Das kann man natürlich verstehen ...

Man darf zwar davon ausgehen, dass es in jedem Fall weniger ist als der standardmäßige Prozentpunkt, den Privatkunden bei einem Aktienkauf in vielen Fällen zu bezahlen haben. So mancher Anleger würde es wahrscheinlich gerne etwas genauer wissen.

Gleiches gilt für den Ausgabeaufschlag. Haben Sie sich eigentlich noch nie gewundert, warum zum Beispiel bei einem Fonds der DWS fünf Prozent beim Kauf fällig werden, wenn sie ihn bei einer Filiale der Deutschen Bank erwerben, und beim Discounbtbroker zahlen Sie nur 3,75 oder gar 2,5 Prozent? Das kommt daher, dass die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank einen Teil des Aufschlags hinterher an ihre Mutter zurücküberweist. Der Discounter hingegen verzichtet auf einen großen Teil dieses Geldes und gibt diesen Vorteil an seine Kunden weiter.

Alles in allem eine ziemlich intransparente Praxis, die in der vergangenen Woche der Bundesgerichtshof abgewatscht hat. Künftig müssen alle Vermittler und Banken, die Fonds und Zertifikate verkaufen, ihren Kunden gegenüber offenlegen, welchen Teil der Provision sie dafür bekommen . Das gilt nicht nur für den Ausgabeaufschlag, sondern auch für die sogenannte Bestandsprovision, die sowohl bei Fonds als auch bei Zertifikaten aus den laufenden Managementgebühren finanziert werden.

Interessant sind zudem noch zwei weitere Punkte. Wer die einschlägigen Fondstests liest und die Kostenquoten vergleicht, wird ziemlich schnell feststellen, dass Fonds mit hoher Kostenbelastung nicht unbedingt besser abschneiden als andere. Eher im Gegenteil: Auch ein guter Fondsmanager kann oft die Einstiegskosten des Kunden nicht mehr ausgleichen, sodass sich das Ganze auf die einfache Formel bringen lässt: Billig ist am Ende auch besser.

Zweitens kann der Anleger, wenn ihm der Vermittler die Kosten offen aufschlüsseln muss, viel besser abschätzen, ob er ein bestimmtes Papier vielleicht nur deswegen angeboten bekommt, weil der Emittent die Bemühungen des Vermittlers besonders gut honoriert. So manch angeblich unabhängige Beratung wird dann schnell in einem etwas anderen Licht erscheinen. Gezielte Nachfragen schaden jedenfalls nie – und jetzt müssen die Finanzberater auch offen Rede und Antwort stehen.

Thomas Luther ist Finanzjournalist und beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit dem Thema Geldanlage und hat eine Reihe von Büchern dazu veröffentlicht. Er arbeitet als freier Autor und Redakteur beim "Handelsblatt".

Wie sorge ich fürs Alter vor? Wo bringt mein Geld die meiste Rendite?Alle bisherigen Lebenslagen-Kolumnen hier »

Finanzen - Alles über Geld und Märkte »

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service