Universitätsallianzen Unis auf Schmusekurs

Hochschulfusionen könnten viele Unis endlich exzellent machen. Doch zu Kooperationen kommt es nur auf dem Papier. Weil die Eitelkeiten der Rektoren mehr verhindern.

Einträchtig haben sie sich die Hand geschüttelt: Diese Woche besiegelten die nordrhein-westfälischen Hochschulrektoren Elmar Weiler (Bochum), Eberhard Becker (Dortmund) und Lothar Zechlin (Duisburg-Essen) die "Universitätsallianz Metropole Ruhr". Und gelobten, fortan in enger Kooperation zusammenzuarbeiten. Sehr zur Freude des NRW-Wissenschaftsministers Andreas Pinkwart: sogleich sah er seine Vision vom Ruhrgebiet als exzellenten Wissenschafts- und Studienstandort näherrücken.

"Aus zwei mach eins" steht derzeit hoch im Kurs. Die Fusion als Allheilmittel der Unis im Kampf gegen Orientierungslosigkeit und eine härter werdende Konkurrenz. Nicht nur im Ruhrgebiet gibt es solche Bestrebungen. Auch in Schleswig-Holstein, Bayern und vielleicht in Berlin will man Universitäten zusammenlegen - angetrieben von den Landesregierungen, die sich von den Superunis vor allem Prestige und Einsparungen erhoffen. Ob solche Kooperationen die Universitäten aber tatsächlich schlagkräftig genug gegen den Konkurrenzdruck machen, ist zu bezweifeln. Das zeigt die eben unterzeichnete Vereinbarung der Ruhruniversitäten.

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Sicher, sie katapultiert die Metropolallianz an die Spitze der Deutschen Hochschulen, zumindest was die Größe betrifft. Mit knapp 90.000 Studenten toppt sie die sonstigen Spitzenreiter Köln und München schlagartig um das Doppelte. Damit erhält die Stimme von der Ruhr in der deutschen Hochschullandschaft echtes Gewicht.

Superlativismus indes bietet nur dann Chancen, wenn klare Strukturen geschaffen werden und eine gemeinsame Strategie verfolgt wird. Nach dem Modell von Großkonzernen müssten Fachbereiche zusammengelegt werden und auch die Leitung. Konsequenterweise gäbe es nur einen Rektor, einen Kanzler und eine Zentralverwaltung. Letzteres dürfte das schwerwiegendste Problem sein, kratzt es doch an den persönlichen Befindlichkeiten der Hochschulchefs. Wer dürfte bleiben, wer müsste gehen? Derlei Grabenkampf ging man im Ruhrgebiet bisher aus dem Weg. Dort müssen sich fortan drei Rektoren und drei Kanzler in allen standortübergreifenden Fragen einigen.

Doch vorsichtshalber bauten die Ruhrunis in ihrer Vereinbarung einige Schlupflöcher ein. Im Prinzip bedeutet ihre Kooperationserklärung: eine gemeinsame Marke ja, aber bitte nicht zu sehr. Zusammenarbeiten will man - zumindest, "wo es sinnvoll ist"; gegenseitig unterstützen wollen sich die Universitäten - immerhin "bei allen Aktivitäten von gemeinsamem Interesse"; und als Verbund wollen sie auftreten - oder aber einzeln, "je nachdem, was sie für geeigneter halten". Es wird munter nach vorne geprescht - und gleich wieder abgeschwächt. Zur Not sind Streitpunkte eben nicht von gemeinsamem Interesse. So gleicht die Metropolallianz eher einem Nichtangriffspakt als einem wirklichen Schulterschluss.

Dennoch: Landeswissenschaftsminister Pinkwart ist zufrieden, und die Ruhrrektoren können aufatmen. Für sie dient die Allianz als Vorbeugung. Gegen die mögliche politische Order zur echten Fusion. Zumindest darin dürften sich die Unis einig sein.

 
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