Bundesliga Die Null muss stehen
Kaum Tore in der Bundesliga, da sind ja selbst die Weltmeisterschaft im Reifenwechseln und ein G8-Umweltgipfel unterhaltsamer. Das Nachspiel
Die Formel 1 hat wieder ihren Betrieb aufgenommen. Und an einem solchen Wochenende stellt sich natürlich die Frage, was denn die unterhaltsamere sportliche Leistung ist. Wenn 22 große Jungs in Melbourne 58 Runden lang im Kreis fahren, den Motor ordentlich heulen lassen und am Ende nicht mehr Schumi gewinnt, sondern wieder derjenige, der in der Boxgasse am schnellsten vier Hartgummipneus wechseln lässt? Wenn Politiker sich über Krippenplätze oder den Klimawandel streiten? Oder wenn 22 echte Kerle 90 Minuten lang ideenlos einer runden Lederkugel hinterherhasten und in den neun Spielen des 26. Spieltages nur zwölf Tore fallen?
Schalke siegt, Bayern verliert. Ein Duseltor in Gelsenkirchen und eine geniale Luftnummer in Frankfurt entscheiden über Sieg und Niederlage, womöglich auch über Meisterschaft und Abstieg. Ein akrobatischer Fallrückzieher von Christoph Preuß schoss die Bayern ab, Frankfurt verlässt die Abstiegsränge und München ist weiterhin nur Vierter und dabei sogar noch einen Punkt weiter weg von der Meisterschaft und der Qualifikation für die nächste Champions-League-Saison als nach dem 19. Spieltag vor sechs Wochen. Damals, Ende Januar, musste Felix Magath wegen Erfolglosigkeit gehen. Sein Vorgänger-Nachfolger Ottmar Hitzfeld hingegen darf noch eine Saison bleiben; er soll sogar für 50 Millionen Euro neue Spieler bekommen, dabei hat der Ex-Vorruheständler außer aufgeblasenen Backen und ein paar Durchhalteparolen noch nicht viel zustande gebracht. Eine starke Halbzeit gegen Real Madrid - schon hatte sich München in Europa „zurückgemeldet“ und auch in der Bundesliga waren die Bayern wieder „auf dem Vormarsch“. Von wegen.
Nur in der Politik funktioniert das mit der Autosuggestion noch besser als auf dem Rasen. Die Kanzlerin kehrte mit „positiver Bilanz“ vom Besuch aus Polen zurück, wo sie an der Ostsee mit dem polnischen Präsidenten Lech Kaczyński spazieren gegangen ist und „gute Gespräche“ geführt hatte. Der Umweltminister leitete am Schwielowsee genauso erfolgreich ein G8-Umweltministertreffen, schließlich sei man „viel weiter gekommen“ als gedacht und es sei der „politische Wille zur Problemlösung“ erkennbar gewesen. Dabei wurden in Polen und in Potsdam alle Konfliktthemen nur vertagt. Die schönen Worte klingen wie: „Gut gespielt, aber leider hat uns das Glück gefehlt“ oder: „Wir hätten den Sieg verdient gehabt“. Könnte man mit dem Glauben an die eigenen Worte den Ball ins Tor gegnerische Tor treiben, Angela Merkel und Sigmar Gabriel wären für jede Bundesligamannschaft eine fast ideale Verstärkung.
Sogar in Dortmund oder vielleicht gerade dort. Schließlich wirkt dort seit vergangener Woche auch ein Großmeister der Autosuggestion. Nein, nicht Jürgen Klinsmann, sondern Thomas Doll. Der hat es zwar in Hamburg mit der Methode gute Laune nur zu zwölf Unentschieden und Platz 18 gebracht, aber bei der Borussia darf der brave Junge mit dem Unschuldsgesicht jetzt noch einmal ran. Noch kann auch Dortmund allerdings allein mit schönen Worten keine Spiele gewinnen, noch ist auch im Westfalen-Stadion die Wahrheit auf dem Platz, noch muss das Runde ins Eckige. Und weil Alexander Frei das Runde eben nicht ins leere Eckige schoss, blieb es beim 0:0 gegen den Club aus Nürnberg und die Abstiegsplätze kommen für die Borussia immer näher. Nur noch zwei Punkte sind es bis zur 2. Liga.
- Datum 19.03.2007 - 11:57 Uhr
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