Bundeswehr Armee in Not

Der Wehrbeauftragte beklagt unhaltbare Zustände in den Kasernen. Die Zeitungen sehen die Ursachen dafür in ständig neuen Aufgaben der Bundeswehr und fordern Verteidigungsminister Jung auf, endlich zu handeln. kommentiert

Übt scharfe Kritik an der Lage der Soldaten: der Wehrbeauftragte Reinhold Robbe

Übt scharfe Kritik an der Lage der Soldaten: der Wehrbeauftragte Reinhold Robbe

Die Verhältnisse, in denen die Bundeswehrsoldaten leben, arbeiten und gegebenenfalls auch kämpfen müssen, sind - wenn man dem jüngsten Jahresbericht des Wehrbeauftragten Reinhold Robbe folgt - wirklich kaum erträglich: Schimmel in den Stuben und Waschräumen, kaputte Dächer, durchgelegene Matratzen. Viel schlimmer noch: Auch bei den Auslandseinsätzen fehlt es oft am Nötigsten. Das kann nicht nur den Erfolg der Einsätze gefährden; es bringt, wenn nicht bald Abhilfe geschaffen wird, die Soldaten in Lebensgefahr.

In den Medien jedenfalls ist der Alarmruf des Wehrbeauftragten angekommen. Sie schreiben, wie der Bonner General-Anzeiger an diesem Mittwoch, von einer "Armee in Not" und unakzeptablen Mängeln: In der Bundeswehr herrsche nicht nur "Not am Mann, sondern inzwischen auch Not im Einsatz", so das Bonner Blatt.

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Die Bundeswehr, kommentiert die Süddeutsche Zeitung , habe "keine Lobby". Aufmerksamkeit erfahre sie nur, wenn ein Skandal bekannt werde und wenn einmal im Jahr der Wehrbeauftragte seinen Bericht vorlege. Ungerührt bürdet die Politik den Soldaten immer neue Auslandseinsätze auf - das Geld dafür muss die Bundeswehr aus dem laufenden Haushalt aufbringen. Es fehlt notgedrungen beim Personal und beim Material, bei der Renovierung von Unterkünften und vor allem bei den Einsätzen selbst, wie das Beispiel der Kongo-Mission eindrucksvoll belegt." Für den meisten Frust aber sorge der Eindruck, dass sich an den altbekannten Missständen ohnehin nichts ändere. 

Die Hannoversche Allgemeine wirft der Politik ebenfalls vor, die Bundeswehr "teilweise kaputtgespart" zu haben. Mit mehr Geld allein, das der Verteidigungsminister jetzt fordert, seien Probleme in der Armee jedoch nicht zu lösen. "Die Bundeswehr muss auch ihrerseits lernen, insgesamt noch wirtschaftlicher mit dem ihr zur Verfügung gestellten Geld umzugehen."
Die Westfalenpost sieht in dem Mängelbericht des Wehrbeauftragten eine Warnung an die Regierung:  "Er macht unmissverständlich deutlich: Eine Armee im Einsatz kostet weitaus mehr, als ihr bislang zur Verfügung steht."

Die Lausitzer Rundschau sieht die Ursache für die Probleme jedoch nicht nur darin, dass die Truppe "chronisch unterfinanziert" sei, was gerade durch die Auslandseinsätze immer offener zutage trete. "Das Grundübel besteht darin, in beinahe allen Krisenherden der Welt mitmischen zu wollen." Dies überfordere nicht nur die Kasse des Verteidigungsministers, sondern auch das Verständnis der Soldaten.

Der Tagesspiegel sieht noch eine andere Gefahr in der Unterversorgung der Truppe. Die Bundeswehr habe sich nämlich bei ihren bisherigen Auslandseinsätzen den Ruf erworben, nicht nur mit den Menschen im Lande überdurchschnittlich anständig umzugehen, sondern auch mit ihren eigenen Leuten. Auch wen diese "deutsche Lagergründlichkeit, Mülltrennung im Schatten des Hindukusch inklusive," bei Verbündeten "mit etwas rustikaleren Traditionen im Felde" gelegentlich Spott auslöse, habe sie einen großen Vorteil: Sie trage "zu einer Atmosphäre bei, in der Soldaten kein Kanonenfutter sind". Das sei eine der besseren Traditionen der Bundeswehr. "Besser, sie tut alles dafür, sie zu erhalten."

Leser-Kommentare
  1. die ist doch total überfordert. wie ich gestern beim vorübergehen auf dem ----!blatt gesehen habe, müssen die jetzt auch noch die jungs von tokio hotel jagen.

    stell ich mir lustig vor, wie die mit panzern durch die städte brettern auf der hatz nach ein paar metrosexuellen kids. sowas hätte man da früher nicht mal mit haarnetzen genommen.

    wenn es einem bei der bundeswehr zu dreckig & zu schmuddelig wird: leute, man kann den kriegsdienst verweigern - und wird nicht einmal mehr gefragt, was man macht, wenn man zufälligerweise mit einem MG in einem flugzeug sitzt und eine horde russen die eigene mama vergewaltigen wollen ...

  2. du bist bloss scharf auf ein MG in deinem schrank ...

    aber, ernsthaft: möchtest du die feuerwehr abschaffen, nur weils mal ein paar monate nicht gebrannt hat? in den händen verantwortungsbewusster politiker (sofern sich neben den 'würstchen und satelitten-kreischern' noch welche finden lassen sollten), betrachte ich die bundeswehr eher unter einem 'polizei'-aspekt und weniger als das, was sie mal war, als soe noch in den händen von preussischen offizieren und nazischergen war.

    auch die idee der wehrpflicht ist so übel nicht - sie garantiert, daß ne menge leute die kasernen 'inspizieren', denen so was wie kadavergehorsam fremd ist, die sich - siehe bericht - beschweren und [ich bin optimist] 'bescheid' sagen würden, wenn sich da wieder die früheren 'besitzer' einnisten würden.

    bei ner berufsarmee müsste man ja damit rechnen, da die sich da wieder zusammenrotten würden, oder?

    ist schon okay, die bundeswehr. früher haben sie sich von morgens bis abends die kanne gegeben, damit sie bloss racck genug waren, wenn die pilze spriessen. heute pfeifen sie sich die ganze palette illegaler drogen rein und hoffen, daß die paar monate an ihnen vorübergehen. und dann wird noch ein gewisser bestand an rabauken bereitgehalten, der mit skulls posiert, anständige lazarette bauen und ab und an mal die dinger machen, die man als ex-zivi (ich war noch nie in nem flugzeug und mit ner MG hätten die einen früher schon nicht einsteigen lassen ...) für sich strikt ablehnt.

    das ist halt gelebtes multi-kulti. die einen mögens, die andern eben nicht.

  3. die ist doch total überfordert. wie ich gestern beim vorübergehen auf dem DRECKS!blatt gesehen habe, müssen die jetzt auch noch die jungs von tokio hotel jagen.

    stell ich mir lustig vor, wie die mit panzern durch die städte brettern auf der hatz nach ein paar metrosexuellen kids. sowas hätte man da früher nicht mal mit haarnetzen genommen.

    wenn es einem bei der bundeswehr zu dreckig & zu schmuddelig wird: leute, man kann den kriegsdienst verweigern - und wird nicht einmal mehr gefragt, was man macht, wenn man zufälligerweise mit einem MG in einem flugzeug sitzt und eine horde russen die eigene mama vergewaltigen wollen ...

    • keox
    • 21.03.2007 um 23:59 Uhr

    nimmt man das das grundgesetz ernst, so dient die bundeswehr allein defensiven zwecken.

    es spricht also alles dafür, diese truppe durch volksmilizen zu ersetzen.

    den notorisch aggressiven dänen, italienern, lichtenbergern - die österreicher nicht vergessen - kann damit ausreichend begegnet werden.

  4. Frueher war die Wehrwelt klar. Die Bundeswehr stand an der Elbe und sicherte das Land gegen Osten. Jeder Buerger verstand das und das es etwas kostet. Auch die Wehrpflicht verstand sich vor diesem Hintergrund.

    Heute ist die Lage unuebersichtlicher. Die Bundeswehr kaempft weltweit und steht zuhause rum. Sie ist ein Gemischtwarenladen. Politiker ergoetzen sich an der Wehrpflicht (weil sie das so gelernt haben, nicht weil das so sein muss). Vor lauter Verzweiflung, was mit den Soldaten in Deutschland anzufangen sei, sollen sie gar grundgesetzwidrig Polizeiaufgaben wahrnehmen. Gleichzeitig darbt die kaempfende Truppe draussen, weil kein Geld da ist.

    Ruecksichtslose Verschlankung und Neuorientierung auf die Aufgaben einer Truppe heute, ist das Gebot. Gemischtwarenlaeden gehen pleite, weil sie mit viel Aufwand alles ein bischen aber nichts vollkommen koennen. Reduzierung der Bundeswehr auf ein hocheffizientes Kontingent von Berufssoldaten zur globalen Krisenbewaeltigung. Mehr wird nicht mehr gebraucht und dafuer sollte Geld da sein.

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