Rauchverbot Lizenz zum Qualmen

Kurz vor der Entscheidung der Ministerpräsidenten bröckelt die Unterstützung für ein weitgehendes Rauchverbot in Gaststätten. Mehrere Länder wollen die Wirte entscheiden lassen

Die Ministerpräsidenten werden am kommenden Donnerstag darüber entscheiden, ob das Qualmen in Restaurants, Bars und Kneipen grundsätzlich verboten wird. Geplant war bislang, dass nur noch abgegrenzten Raucherräumen Zigaretten und Zigarren erlaubt bleiben.

Neben Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen fordert jetzt aber auch Sachsen-Anhalt, die Wirte darüber entscheiden zu lassen, ob sie ihre Gaststätten zu Raucherlokalen erklären und dort das Qualmen weiter erlauben. Brandenburg liebäugelt ebenfalls damit. Bayern wiederum fordert Sonderregeln für Bier- und Festzelte. Das Saarland will überdies kleine Kneipen vom geplanten Verbot ausnehmen.

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Niedersachsens Regierungschef Christian Wulff (CDU) als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz schlägt vor, dass Gastwirte ihr Lokal mit einem »R« als Raucherlokal kennzeichnen können. Wulff rechnet mit der Unterstützung weiterer Länder für diesen Vorschlag. Nordrhein-Westfalens Landeschef Jürgen Rüttgers (CDU) plädiert ebenfalls für Ausnahmen vom generellen Rauchverbot. Die CDU-regierten Länder Hamburg, Hessen und Thüringen lehnen Ausnahmen dagegen ab. Einige Bundesländer sind noch unentschlossen und liebäugeln mit Sonderregelungen. Endgültige Beschlüsse müssen später die Landesparlamente fassen.

Vor dem Treffen der Ministerpräsidenten zeichnet sich somit ab, dass die Länder wahrscheinlich grundsätzlich den Beschluss der Gesundheitsminister vom Februar bekräftigen werden, das Rauchen in Gaststätten mit Ausnahme separater Raucherzimmer weitgehend zu verbieten. Möglicherweise werden sich aber einige Länder die Option auf Ausnahmen offen halten. Als Ergebnis könnte es dann am Ende von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Regelungen geben.

Der Vorsitzende des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg, Otmar Wiestler, machte sich dagegen für ein generelles Rauchverbot in Gaststätten stark. Neuer Daten zeigten, dass sich Rauchverbote eindeutig positiv auf die Gesundheit der Kellner auswirkten. Seine Kollegin Martina Pötschke-Langer vermutet die Tabakkonzerne hinter dem Rückzieher der Länder. »In Deutschland hat die Tabak-Lobby bisher beste Arbeit geleistet. Auch jetzt scheint sie ihren Einfluss stark zu nutzen«, sagte sie der Welt am Sonntag .

 
Leser-Kommentare
  1. Ich finde die Idee von Raucher- und Nichtraucher-Lokalen sehr gut, denn dann hat jeder die freie Wahl und niemand muss sich dem Qualm aussetzen.

    Ich für meinen Teil rauche sehr gerne, auch wenn ich mir über die gesundheitlichen Gefahren im Klaren bin, aber letztendlich ist es meine Entscheidung als Individum, ob ich bereit bin mich dieser Gefahr auszusetzen für ein Stück Lebensqualität.

    Rauchverbote an öffentlichen Plätzen, so wie am Arbeitsplatz u.ä. finde ich sehr gut, denn auch nicht Raucher haben ein Recht auf ihre Entscheidungsfreiheit.

  2. 2.

    Es ist eben nicht damit getan, die Wirte entscheiden zu lassen.
    Wenn man die Wirte entscheiden lässt, dann werden die den Weg des geringsten Widerstands gehen und sich natürlich nicht mit den Rauchern anlegen. Also wird alles beim alten bleiben. Es wird gequalmt, gepafft und gestunken wie gehabt.

    Deutschland macht sich inzwischen lächerlich mit seinem Gewürge hinsichtlich eines Rauchverbots. Es gibt nur einen vernünftigen Weg und das ist ein generelles Rauchverbot. Das haben alle anderen Länder in Europa und anderswo vorgemacht. Dabei sind die Umsätze der Wirte - trotz aller gegenteiliger Behauptungen - nicht gesunken, sondern sogar in die Höhe gegangen.

  3. Deutschland war früher einmal in Europa führend in wichtigen Bereichen wie Umweltschutz, Gesundheitsfürsorge, Verkehrssicherheit usw. Heute hinkt die Bundesrepublik gerade in diesen Bereichen erschreckend hinter dem übrigen Euopa her. Rauchverbote für öffentliche Lokale sind in andereren Ländern längst selbstverständlich, es gibt genügend Studien über die Umsatzsteigerung in den Gaststätten. Statt der teuren Zigaretten kann man sich eben ein Bierchen mehr leisten, Familien mit Kindern gehen wieder gerne aus, Nichtraucher (die große Mehrheit der Bevölkerung) bleiben länger in den Lokalen und konsumieren mehr. Voraussetzung ist natürlich, dass das Verbot uneingeschränkt für alle Lokale gilt und nicht durch Ausnahmen verwässert wird. Wenn man nirgendwo rauchen kann, ist ja kein Gastwirt benachteiligt.
    Zum Thema Gesundheit nur so viel: In Italien ist die Zahl der Herzinfarkte bereits um fünf Prozent zurückgegangen. Ich habe mich inzwischen schon so an das Rauchverbot in den meisten europäischen Ländern gewähnt, dass für mich ein Urlaub in Deutschland nicht mehr in Frage kommt.

    • zorc
    • 19.03.2007 um 0:46 Uhr

    Komisch - da doch die meisten Menschen im Lande Nichtraucher sind und mithin auch die meisten Besucher von Restaurants, Bars, Cafés etc. Nichtraucher sein müssten, wieso wäre es dann für die Wirte der 'Weg des geringsten Widerstands', sich nicht mit den Rauchern anzulegen? Müssten sie nicht vielmehr Angst haben, sich mit den Nichtrauchern anzulegen, wenn sie weiterhin zulassen, dass in ihrem Lokal geraucht wird? Was also stimmt hier nicht an der Argumentation?

  4. Es kann nicht angehen, daß ich als Raucher die Nichtraucher mit meinem Qualm belästige. Das ist vollkommen in Ordnung und ich denke für jeden verständlich.
    Es kann aber genauso nicht angehn, daß sich ein paar Freunde am Samstagabend auf ein Bierchen treffen und sie nicht dabei rauchen können, nur weil evtl. ein Nichtraucher sich in diese Kneipe verirren kann.
    Hängt ein großes 'R' an der Tür, steht es jedem Nichtraucher frei rein zu kommen, oder einen großen Bogen um diesen Ort zu machen.
    Ganz sicher ist, daß bestimmt viele NRs an der Türe vorbei laufen. Und was machen wir mit den vielen NRs? Die gehen einfach eine Türe weiter zu der Türe, an der eben kein 'R' hängt.
    Bei so vielen NRs ist es dann sicher ein lohnendes Geschäft, Nichtraucherlokale zu eröffnen, wie es in den USA und anderen Ländern eben die Familienrestaurants gibt, in denen weder Alkohol noch Tabak konsumiert werden darf.
    Ich bin mir sicher, daß durch Angebot und Nachfrage auch dieses Problem geregelt werden kann. Es sei denn, die Nichtraucher wollen partout über die Raucher siegen.
    Als Wirt würde ich mir auch nicht vorschreiben lassen, ein Lokal zu eröffnen um dann nur noch von stocksteifen Nichtrauchern umgeben zu sein, oder von Rauchern, die ständig zwischen Tresen und Türe pendeln.
    Die Behauptung, daß in anderen Ländern die Umsätze steigen, weil Rauchverbot herrscht, lese ich auch nur in Kommentaren, aber nicht in fundierten Unterlagen.
    Ist auch kein Problem, das 'R' an der Türe bringt den sichersten Nachweis.
    Im übrigen ist es ein Einfaches, das Rauchverbot zu umgehen: Mach aus der Kneipe einen Club, kassier nen Euro pro Jahr und das Gesetz ist gekippt.
    Dann doch lieber ein Gesetz, das solche Umgehungen gleich erst garnicht braucht.

  5. 6.

    In fast jedem Land Europas ist mittlerweile das Rauchen in Gaststätten verboten. Der Ruin der heimischen Gastronomie der in fast jedem Land vor Einführung des Rauchverbots an die Wand gemalt wurde, ist nirgends eingetreten. Norwegen, Irland, Italien (...) um nur einige zu nennen. Aber in Deutschland.
    Eigentlich geht es bei der Debatte doch um 'Nichtraucherschutz', also um den Schutz z.B. der Beschäftigten vor der gesundheitlichen Beeinträchtigung durch Nikotin und weitere Schadstoffe. In diesem Zusammenhang irritiert die Schweigsamkeit der Gewerkschaften (NGG). Eigentlich müssten sie die größten Verfechter eines generellen Rauchverbots zum Schutze ihrer Mitglieder sein.
    Ansonsten möchte ich zugegebenermaßen gern in die Kneipe gehen, ohne hinterher wie ein Aschenbecher zu stinken.

  6. Diese Debatte ist nicht mehr zum Aushalten. Ein 'R' an der Tür. Was ist das denn für eine Lachnummer? Und dann zu behaupten, das ist der einzige Weg. Dann hängt doch jeder Wirt, bis vielleicht auf ganz wenige Ausnahmen - mehr werden es nicht sein! -, ein 'R' in sein Fenster und alles ist wie vorher auch. Klasse Idee.
    Warum können die Deutschen nichtmal in andere Länder gucken und runter von ihrem hohen Roß kommen. In Italien funtkioniert das Rauchverbot, und selbst in Frankreich ist es jetzt gekommen. Warum geht das denn einfach bei uns nicht? Warum?
    Es ist absolut zumutbar für die rauchendenden Freunde beim Biertrinken mal kurz vor die Tür zum Rauchen zu gehen. Ihr sollte nicht nackt im Winter den Himalaya hinaufklettern.
    Es ist jedenfalls weitaus mehr zumutbar, als sich als Nichtraucher vom giftigen Qualm belästigen zu lassen (Ich bin dabei kein radikaler NR, ab und an rauch ich auch mal eine, abgesehen davon ist die Formulierung 'stocksteifer Nichtraucher' im vorigen Kommentar ja wohl auch kräftig daneben.
    Die Regelung mit dem Eintritt ist natürlich auch Unsinn. Das Rauchen gehört verboten in allen gastronomischen Lokalitäten, weil Menschen, die es nicht wollen, gesundheitlich geschädigt werden. Punkt. So machen es auch alle anderen Länder in Europa, also können es die Deutschen doch wohl auch? Naja, anscheinend nicht. Peinlich. Ich verstehs einfach nicht...

  7. Natürlich stimmt was nicht. Die Ignoranz der Raucher, die sich echt einbilden, als Nichtraucher setze ich mich in ein Lokal, weil ich Rauchen so klasse finde. Unfassbar zu welchen Argumentationstrukturen Sucht verleitet. Ich kann bloß, wenn der Raucher später kommt, dem rein praktisch nicht klar machen, er soll es lassen oder mein Essen stehen lassen.
    Es gibt mehr Nichtraucher als Raucher. Wer hat bisher 'Toleranz' zeigen müssen, obwohl andere ihm die Gesundheit beschädigen?
    Welche Bereiche waren in den Lokalen knackend voll, die Nichtraucherbereiche einführten? Klar die (zu kleinen) Nichtraucherbereiche.
    MacDonalds hat seit geraumer Zeit keine Raucherzone mehr. Es scheint ihnen nicht schlecht bekommen zu sein.
    Und ich finde es richtig, dass die verlogene Heuchelei der Raucher (Sucht) endlich ein Ende hat.
    Außerdem ist der Nichtraucherschutz eine EU-Vorgabe. Da können wir dann gespannt auf das nächste Bußgeldverfahren warten, wenn Deutschland das immer noch nicht in die Reihe bekommt.

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