Kino Relativer Luxus

Weil er als Geldfälscher für die Nazis arbeitete, hat Adolf Burger das KZ Sachsenhausen überlebt. Nach Auschwitz und Birkenau erging es ihm dort sogar eher gut. Seine Erinnerungen hat er in dem Buch "Des Teufels Werkstatt" festgehalten.

Erstaunt blicken sich die Häftlinge um: Sie befinden sich in einem Schlafraum mit richtigen Betten mit weißen Laken, Decken, Kopfkissen. Es gibt einen Spind, einen Waschraum, einen eigenen Arzt. „So ein Luxus“, denken sie sich. Es ist der relative Luxus im Leben Adolf Burgers, der bis dahin fast zwei Jahre lang unter menschenunwürdigsten Verhältnissen „vor sich hin vegetiert hat“, wie er beschreibt. Im Konzentrationslager Auschwitz und, mehr noch, in Birkenau. 1944 schließlich gehört er mit 142 weiteren privilegierten Häftlingen zur Fälscherwerkstatt in Sachsenhausen.

Hier, in den Blöcken 18 und 19, einer geheimen Enklave mitten im Lager, fand zwischen 1942 und 1945 die größte Geldfälscheraktion der Geschichte statt. Die Nazis ließen Pässe, Dokumente, Briefmarken und vor allem Geld fälschen. Insgesamt wurden mehr als 130 Millionen britische Pfund gedruckt, um die feindliche Wirtschaft zu überschwemmen. Danach sollten Dollarblüten den gleichen Auftrag erfüllen.

Anzeige

Adolf Burger, heute 90 Jahre alt und einer der wenigen noch lebenden Mitarbeiter des Projekts, hat seine Erinnerungen in seinem Bericht Des Teufels Werkstatt aufgeschrieben. Mit Originalfotos, Dokumenten, Briefen und Reden führender SS-Männer, Listen, Tabellen, Skizzen der Lager und vor allem mit den Schilderungen seiner Erlebnisse, ist ein erschütterndes Zeitzeugnis entstanden. Es bildete die Grundlage zu Stefan Ruzowitzkys beeindruckendem Film Die Fälscher , ab 22. März im Kino zu sehen.

Film wie Buch sind Dokumente, die vor dem Vergessen bewahren sollen – nur dazu habe er überlebt, schreibt Burger in seinem Bericht immer wieder. Er wird des Vortrags seiner Erfahrungen nicht müde: Seit dreißig Jahren reist er durch Deutschland mit seiner erschreckenden und außergewöhnlichen Geschichte im Gepäck, klärt jüngere Generationen auf.

Während der Film den Fokus auf die Fälschergruppe selbst und deren Leiter Salomon Smolianoff, den „erfahrensten Geldfälscher“, legt, geht das Buch noch darüber hinaus und schildert die Ereignisse, bevor Burger nach Sachsenhausen kam. 1942 wurde er wegen seiner Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei in der Slowakei nach Auschwitz gebracht und wurde zur Nummer 64.401.

1943 wurde er nach Birkenau verlegt, dessen Gefangene „nur noch wenig Ähnlichkeit mit menschlichen Wesen hatten“. Sie hausten in primitiven Holzbaracken, 450 bis 600 Häftlinge auf engstem Raum, auf Bretterlagern. Keine sanitären Anlagen gab es, kaum Wasser. „Überall sahen wir unvorstellbaren Schmutz. In Auschwitz waren wir es gewohnt, peinlich auf Sauberkeit zu achten, die uns auch half, unseren Selbstrespekt zu wahren. Und wir waren in dieser Zwangsgemeinschaft einer strengen Disziplin unterworfen. In Birkenau waren beides unbekannte Begriffe.“ In Birkenau wurde Burger von den SS-Leuten geschlagen, gedemütigt, getrieben; er magerte auf 35 Kilo herunter, entkam aber immer wieder – oft im letzten Augenblick – der Exekution.

Service