Cebit Latente Skepsis
Wie man Kriminelle jagt, sollen Deutschlands Polizisten heute auch am Bildschirm lernen. Doch die Polizeischüler wollen kein eLearning
eLearning ist einer der Tagungsschwerpunkte der Cebit. Das Land Niedersachsen fördert die Weiterbildung auf elektronischem Weg in 20 Projekten aus Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung. Mit dabei: die Polizei. Doch die ist skeptisch. Man kennt das aus
Tatort
: Immer, wenn sich Kripomann oder Kripofrau was vornimmt (fein Essen gehen, Urlaub, Romanze zu zweit), klingelt das Diensthandy.
Im wirklichen Leben jedoch passiert dies: Immer wenn sich ein Polizist bitte schön zu einer Fort- oder Weiterbildungsveranstaltung begeben soll, kommt die Wirklichkeit dazwischen: kranke Kollegen, Fußball-WM, Castortransport etc. Wäre doch eine schöne Idee, wenn der Polizist wenigsten teilweise am Computer geschult würde. Wenn mal gerade eine ruhige Nacht ist, zum Beispiel. Das fanden viele, die in Niedersachsen was zu sagen haben, die Idee mit dem eLearning kam gut an, zum Beispiel beim Innenminister. Seit Februar lernen niedersächsische Polizisten am Bildschirm, wie man sich am Tatort zu verhalten hat.
Polizeihauptkommissar Peter Franke erklärte anlässlich des »eLearning-Tages« der Cebit, wie diese Ausbildungsmethode praktisch funktioniert. Aktuell geht es um den »Deliktbereich Einbruchsdiebstahl«. Startet man das im polizeilichen Intranet laufende Programm, sieht man einen Richter, der einen bis zuletzt leugnenden Straftäter verknackt. Weil die Polizei so prima Spuren gesichert hat. »Motivierendes Einführungsvideo«, sagt PHK Franke. Dann gehts zur Sache: Spurensicherungsverhalten. Sand einsammeln. Ruß- und Pinsel-Einsatz bei Fingerabdrücken. DNA-Probennahme. Sicherungsmittel Griptüte. Schließzylinder, wie sie funktionieren, wie sie geknackt werden.
Und dann: Öffnungstechniken PKW, live und auf Video. Hier vor allem der »Rumänenknick«: ein Fuße gegen die Türmitte gestemmt, mit Hebel und Hand wird dann die Wagentür aufgebogen. Ein sehr schnelles Verfahren mit reichlich Flurschaden. Und am Ende, was im Polizeialltag besonders gefürchtet ist, die schriftliche Aufarbeitung. Ein feines Tool bietet hier das Intranet: den »Mustertatortbefundbericht«.
Ein allgemeines Problem des eLearning betrifft vor allem die Einführungsphase: Die Leute wollen nicht. Franke, Projektleiter eLearning beim Bildungsinstitut der niedersächsischen Polizei, spricht von »latenter Skepsis«, von »Ängsten« gar - »was wollen die von uns?«. Da tun »akzeptanzorientierte Maßnahmen« not. In jedem Fall war die Einsetzung eines Einführungsbeauftragten angesagt. Wichtig zum Beispiel war die Botschaft, dass Lernzeit zur Arbeitszeit zählt.
Einiges lernt man am Bildschirm nicht. Darum gehört immer Praxis dazu. Die Experten reden von »blended learning«: Computerlernen plus Praxisanteile ergibt erst den Polizisten, der einerseits polizeitaktisch und praktisch up to date ist. Und der andererseits auch noch zuverlässig Fingerabdrücke einsammeln kann.
Zum Thema
Perlensuche
-
Wer findet den größten Schatz der Cebit? Ein Gewinnspiel »
Cebit 2007
-
Ein Spezial zur größten Computermesse »
- Datum 21.04.2008 - 03:32 Uhr
- Serie cebit
- Quelle ZEIT online 20.3.2007
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren