Noch vor einigen Jahren begleitete ein Hauch von Abenteurertum, Rebellion und Wagnis alle Vorhaben, die sich mit dem professionellen Einsatz freier Software befassten. Bald darauf geriet der Begriff „Open Source“ zu einem schicken Label, mit dem sich Konzerne und kleinere Softwarehäuser schmückten, um sich vom allgegenwärtigen Platzhirsch Microsoft abzugrenzen und damit die Herzen der Technik-Freaks für ihre Produkte zu gewinnen. Und tatsächlich hatten die Milliarden-Investitionen von Unternehmen wie IBM, Sun oder Novell einen großen Anteil daran, den Markt für Open-Source-Produkte zu öffnen.
Symbol für Open Source-Software: ein Pinguin namens Tux

Doch auch die öffentliche Verwaltung hat ihren Anteil. Mit deutscher Gründlichkeit stellte sie an die Entwickler der lizenzfreien Lösungen hohe Anforderungen. Und die haben sie in hartnäckiger Kleinarbeit erfüllt – mal unbezahlt in der Freizeit, mal auch gegen Bares im Auftrag eines Kunden. Jeder, der eine seiner Codezeilen im Bestand der freien Software weiß, ist ein stiller Held des Erfolgs von Open Source.

Programmiert wird zwar weiter von Einzelnen. Aber ohne enge Kooperation, auch mit Unternehmen, entsteht daraus kein nutzbares Produkt. Das Klischee vom Tüftler und Einzelkämpfer hat sich also längst überholt, geblieben ist die Bescheidenheit der Szene: Tux, der Linux-Pinguin, ist auf der diesjährigen Cebit kaum zu sehen. Doch auf Nachfrage heißt es an jedem zweiten Stand: Ja, wir machen was mit Open Source. Da findet sich eine Lösung zur Maschinen- und Anlagensteuerung in trauter Nähe zur Unternehmenssoftware, da demonstrieren Java-Applikationen Flexibilität und grafische Geschwindigkeit gleich neben einer Software für den Internethandel. Die Vielfalt der Angebote allein im Linuxpark ist groß.

Wer beim Bummel zwischen den Ständen nach dem größten Erfolg von Open Source fragt, bekommt häufig eine überraschende Antwort: Nicht etwa Apache, der weltweit meistgenutzte Webserver, das Betriebssystem Linux oder die Datenbank PostgreSQL wird an erster Stelle genannt, sondern das deutsche Außenministerium.

Vor fünf Jahren, noch unter dem Grünen Joschka Fischer, hatte das AA konsequent auf quelloffene Software gesetzt. Grund waren weniger die Kosten, als der Wunsch nach Datensicherheit. Die Aufgabe war, eine abgeschirmte Infrastruktur für 226 Standorte in der Zentrale in Berlin und den Botschaften und auf der ganzen Welt mit rund 11.000 Arbeitsplätzen aufzubauen, an denen 4.000 Diplomaten jährlich ihren Einsatzort wechseln.

Die dafür notwendige Software auf der Basis der vorher eingesetzten Produkte von Microsoft zu installieren, hätte 10 bis 12 Jahre gedauert - und das zu immensen Kosten. Stattdessen entschied sich das Auswärtige Amt für die freie Variante, die man selber prüfen und anpassen kann.