Cebit Kultivierte FreiheitSeite 2/2
Heute
konstatiert der Bundesrechnungshof
, dass das ursprünglich mit 100 Millionen Euro angesetzte Projekt mit Open Source für weniger als ein Fünftel der Summe realisiert wurde. Während die IT-Ausgaben pro Arbeitsplatz in manchen Ministerien bis zu 5.000 Euro betragen und der Rechnungshof selbst immer noch 2.700 Euro benötigt, kommt das Auswärtige Amt mit 1.190 Euro zurande. Kein Wunder, dass das Beispiel Schule macht. Im öffentlichen Bereich wird lizenzfreie Software zunehmend zur Kostensenkung eingesetzt. Dass sich dabei häufig auch die Sicherheit und die Zuverlässigkeit der Systeme erhöht, ist ein willkommener Nebeneffekt.
Allerdings installiert und erklärt sich selbst die komfortabelste Software in einer ganzen Behörde oder einer Firma nicht von alleine. Hier verdienen die Firmen für Wechselwillige ihr Geld. Es sind große Systemhäuser wie RedHat oder Novell, die Service und Support von der ersten Planung über die Umsetzung bis zur langfristigen Pflege und Wartung anbieten. Doch auch eine Vielzahl mittelständischer Firmen bietet Betreuung für die Open-Source-Nutzung. Bei Bedarf schließen sie sich untereinander zusammen und können so auch Konzepte für Großanwender umsetzen – vom Autovermieter Sixt bis hin zum
LiMux-Projekt Stadtverwaltung in München
mit ihren 35.000 Arbeitsplätzen.
Wie weit die freie Software in Deutschland inzwischen verbreitet ist, dokumentiert das
Open Source Jahrbuch 2007
der Technischen Universität Berlin. 563 Seiten mit Erfahrungsberichten, Hinweisen und Gedanken zum produktiven Einsatz der offenen Lösungen zeigen, was sich hierzulande bewegt hat.
Das Buch geht dabei selbst mit gutem Beispiel voran. Denn es steht, analog zur Open-Source-Software, unter der „Creative Commons“-Lizenz für freie Texte. Die erlaubt die Weitergabe und Vervielfältigung des Inhalts, oft sogar deren Veränderung – vorausgesetzt, das Ergebnis ist seinerseits frei. Nur den Namen des Autors und die Quelle möge man nennen: Ehre, wem Ehre gebührt.
Zum Thema
Perlensuche
-
Wer findet den größten Schatz der Cebit? Ein Gewinnspiel »
Cebit 2007
-
Ein Spezial zur größten Computermesse. Mit Gewinnspiel »
- Datum 19.03.2007 - 12:54 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT online
- Kommentare 5
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








ich glaube, dass wird dank der zusammenarbeit von vielen, uneigennuetzigen einer neuen aera zueilen. als benutzer danke ich.
Auch ich bin sehr angetan von Linux und der Open-Source-Software. 2 Monate lang habe ich mich intensiv damit beschäftigt und kann nur sagen, dass es für kaum jemanden Gründe gibt, das Vermögen von Bill Gates weiter zu erhöhen. Warum ich wieder zu Windows zurückgekehrt bin? Nun, mir gelang es nicht, einen Treiber für meinen WLAN-Adapter zu installieren. Bei Windows ist das deshalb unproblematisch, weil es wegen der Marktdominanz von Windows überlebenswichtig für jeden Harware-Anbieter ist, für die benötigte Treibersoftware zu sorgen. Mit der wachsenden Bedeutung von Linux wird sich das jedoch zugunsten von Linux ändern.
Auch ich begrüße sehr den Erfolg von Open Source Software. Es ist eine ungeheuer faszinierende Szene entstanden und die Produktivität der Softwareentwicklung wird durch Open Source ungeheuer gesteigert.
Allerdings sehe ich auch die Gefahr, daß dadurch, daß Software verschenkt wird, auch die Arbeitskraft der Informatiker, die sie herstellen, als etwas nicht-preiswürdiges angesehen wird. Software ist bisher eine große Ausnahme, wer hat von frei kopierbaren Bauplänen für Einfamilienhäuser, Blaupausen für Autos, Rechtsberatungen, medizinischen Diagnosen oder Zeitungsartikeln gehört? Alles Produkte, deren Erstellung ähnlich komplexe Ausbildungen und intellektuelle Fähigkeiten erfordert wie Software.
War nicht vor einigen Monaten eine große Empörung in der Presse, daß manche Verlage ohne Bezahlung von Hobbyfotografen eingesandte Fotos veröffentlichen und dadurch den Preis für professionelle Fotografen drücken?
Frei im Sinne von Open Source bedeutet nicht automatisch, dass die Software ausschließlich kostenlos verteilt wird. Das haben Sie missverstanden. Open Source bedeutet, dass man sich von dem traditionellem Modell der Softwarelizensierung entfernt, nicht aber, dass mit Software kein Geld mehr verdient wird. Es treten zunehmend die Dienstleistungen hinter der Software in den Vordergrund. Die machen in der Tat auch den größten Anteil an den Betriebskosten von Softwareinstallationen aus. Fragen Sie doch mal jemanden, wieviel Geld er in den Betrieb eines Windows-Netzwerkes steckt und wie sich die Betriebskosten im Verhältnis zu den Lizenzkosten bei der Erstanschaffung im Verhältnis zum Betieb über die Produktlebensdauer verhalten. Dagegen sind die Lizenzkosten verschwinden gering. Was spricht also dagegen die Lizenzkosten vollständig auf Null zu drücken und das Produkt frei verfügbar zu machen? Dem Vertriebskanal 'Dienstleistung' wird damit nur neue potentielle Kundschaft aufgetan.
'Die Computermesse CeBIT zeigt: Der Einsatz von Open-Source-Software ist inzwischen zuverlässig, sicher, günstig und frei. Vorreiter ist ein Berliner Ministerium.'
Das ist Blödsinn und zeugt von mangelnden Sachverstand des Schreiberlings. Der Einsatz von OSS ist nicht _inzwischen_ zuverlässig, sondern schon seit _Jahrzehnten_. Was man von kommerziellen klicki-bunti-Kram für Schlipsträger nicht behaupten kann.
Schließlich ist das gesamte Internet auf freier Software entstandenm, und nicht weil sich irgendwelche Firmen zusammengerottet haben. Man denke nur an Billy Joys TCP/IP-Stack. Firmenkonsortien hingegen, kriegen nichtmal sowas simples wie eine Mautabrechnung zustande.
Wenn hier also irgendwas an Zuverläassigkeit gewinnen muss, ist es das obskure Geschäftsmodell geschlossenere Software.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren