Schon die Werbung auf RTL stimmt einen traurig. Gezeigt wird Nico Rosberg, wie er sein Gesicht langsam in die Kamera dreht, dann Nick Heidfeld, der mit Dreitagebart lässig auf einen zu schreitet, Ralf Schumacher und zum Schluss der gut aussehende Fernando Alonso. Wie Astronauten kommen sie daher, in ihren dicken, weißen Rennfahreranzügen. Es ist so traurig, weil die Vier ständig die Erinnerung an einen Zustand erwecken, der so unnatürlich scheint, dass er nur als falsch erlebt werden kann. Es ist die Ankündigung für die erste Formel-1-Saison ohne Michael Schumacher, nach 16 Jahren. Brilliert: Fernando Alonso

Michael Schumacher hat immer den Eindruck erweckt, als lasse ihn diese ganze Formel-1-Welt völlig unbeeindruckt. Seine Sonnenbrille war immer einen Tick zu verspiegelt, um cool zu sein. Auch sein Haarschnitt entwickelte sich stets entgegengesetzt zu aktuellen Modetrends. Die branchentypischen Boxenluder kamen bei ihm nicht vor, seine Familie saß wohlgeordnet am Genfer See.

Indes trägt der Spanier Fernando Alonso, aktueller Weltmeister, immer die passende Sonnenbrille. In der letzten Saison hieß das: groß und schwarz. Und seitdem Justin Timberlake die Haare raspelkurz trägt, trägt Alonso sie genauso. Der Weltmeister passt gut ins Fernsehen. Er ist ein Zirkuspferdchen, das weiß, was das Publikum von ihm will.

Michael Schumacher dagegen war ein Star, der keiner sein wollte. Auf entwaffnende Art bot Schumacher deutsche Biederkeit, die in den von Mädchen und Medien bevölkerten Boxengassen eine regelrechte Wohltat waren. Gegen zu viele Pressetermine hat er sich immer gesträubt. Er hat es sich sogar vertraglich versichern lassen, dass er nur eine gewisse Anzahl dieser ungeliebten Werbeauftritte absolvieren muss. Bevorzugt beschäftigte er sich mit dem Innenleben seines Autos oder seiner Privatsphäre.

Sieben mal war er Weltmeister, und doch saß er bei Interviews vor einem wie ein alter Klassenkamerad. Freundlich, aber auch immer etwas steif, plauderte er mit einem über das eine Thema, das er so sehr hasste, und das alle anderen bis nach seinem Abschied noch faszinierte: ihn selbst.

Ohne Michael Schumacher wird die Formel 1 noch mehr zu einer glitzernden Zirkuswelt verkommen. Darüber freuen sich vielleicht die Brillenhersteller und die Friseure - die Sportfreunde schreckt es ab.

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