CDU „Kein Nationalsozialist“
Günther Oettinger rechtfertigt auf der Trauerfeier Hans Filbingers dessen Tätigkeit als Marinerichter während der NS-Zeit – und erntet harsche Kritik
Am Sarg Filbingers wollte Baden-Württembergs Regierungschef Günther Oettinger (CDU) einen Schlussstrich ziehen. "Hans Filbinger war kein Nationalsozialist", sagte Oettinger am Mittwoch in Freiburg bei der Trauerfeier für seinen Amtsvorgänger, der am 1. April verstorbenen war. Unerwartet ausführlich verteidigte er Filbinger vor den rund 700 Trauergästen gegen dessen Kritiker - und erntete dafür heftiges Kopfschütteln, nicht nur von den oppositionellen Grünen oder
der Linkspartei.
Schließlich war der Christdemokrat Filbinger einer der umstrittensten deutschen Nachkriegspolitiker. Wegen seiner Tätigkeit als Marinerichter in der NS-Zeit stand er bis zu seinem Tod im Zwielicht. 1978 war er als Ministerpräsident zurückgetreten, als bekannt geworden war, dass er am Ende des Zweiten Weltkriegs an Todesurteilen gegen deutsche Soldaten beteiligt war. Als Richter hatte er zwei Todesurteile ausgesprochen, welche jedoch nicht vollzogen wurden.
"Es gibt kein Urteil von Hans Filbinger, durch das ein Mensch sein Leben verloren hätte", sagte Oettinger und wählte damit die gleichen Worte, mit denen sich Filbinger stets selbst verteidigte. "Er hatte nicht die Entscheidungsmacht und nicht die Entscheidungsfreiheit, die seine Kritiker ihm unterstellen." Tatsächlich sei Filbinger ein Gegner des NS-Regimes gewesen, habe sich aber den damaligen Zwängen beugen müssen, sagte Oettinger. "Für uns Nachgeborene ist es schwer bis unmöglich, die damalige Zeit zu beurteilen."
Der Zentralrat der Juden in Deutschland erklärte, der Ministerpräsident sei wie Filbinger selbst unbelehrbar. Der Vizepräsident des Zentralrat, Dieter Graumann, sagte: "Ich finde die Äußerung grauenhaft, sie transportiert die falsche Botschaft, sie bemäntelt die vorhandene Schuld eines Mannes wie Hans Filbinger." Nach Graumanns Meinung habe dieser das NS-Regime "sehr wohl" getragen: "Er hat es bis zum Schluss nicht eingesehen, und offenbar sieht es sein Nach-Nach-Nachfolger auch nicht ein."
Rolf Hochhuth nannte Oettingers Äußerungen zur Verstrickung Filbingers "eine unverfrorene Erfindung". Der Autor, der Filbingers Tätigkeit als Marinerichter 1978 öffentlich gemacht hatte, sagte, dieser sei zum Ende des Krieges ein "sadistischer Nazi" gewesen.
Auch bei den Grünen stieß Oettingers Rede auf Kritik. Der baden-württembergische Parteichef Daniel Mouratidis sagte: "Mir ist es völlig unverständlich, dass Oettinger die deutsche Geschichte verklärt, wenn er einen Helfer des NS-Regimes als Gegner der Nazis bezeichnet."
Filbinger war am Sonntag vergangener Woche im Alter von 93 Jahren in Freiburg gestorben. Der CDU-Politiker hatte das Land zwischen 1966 und 1978 regiert. Zur Trauerfeier versammelten sich vor allem Weggefährten und Freunde des CDU-Politikers. Er hinterlässt vier Töchter und einen Sohn, 14 Enkel und zwei Urenkel.
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zum Tode Hans Filbingers. Ein Nachruf »
- Datum 12.04.2007 - 10:42 Uhr
- Quelle ZEIT online, dpa, Reuters
- Kommentare 17
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zwölf Jahre lang einer Bande von verrückten Massenmördern hinterher zu laufen?
Na, Sie tun mir wirklich leid.
Man muss Hochhuth nicht mögen, aber im Falle Filbinger hat und hatte er recht. Es hätte Oettinger gut angestanden, in seiner Rede nur auf den Weinkenner Filbinger einzugehen. Vorteilhaftes ist nämlich sonst über diesen Mann nicht zu sagen. Dem Ansehen der Bundesrepublik und auch dem Ansehen des Bundeslandes Baden-Württemberg hat Filbinger mit seiner verbohrten Haltung und seiner fehlenden Uneinsichtigkeit sehr geschadet. Die CDU hat das übrigens seinerzeit genauso gesehen und Filbinger zum Rückrtritt gezwungen. Dass Oettinger nun hinter den damaligen Erkenntnisstand zurückgeht, ist eigentlich unbegreiflich. Wie bereits im Umgang mit den Schätzen der Karlsruher Bibliothek zeigt sich, dass Oettinger von Kultur, Kunst und Geschichte keine Ahnung hat. Er sollte sich dann dazu auch nicht äußern.
Fuer mich waere eine Richtigstellung Oettingers angebracht.
Ausserdem eine Ehrung derjenigen, die sich dem Nationalsozialismus
entgegengestellt haben und dabei ihr Leben riskiert oder verloren haben.
Andernfalls, Herr Oettinger, sollten Sie ebenso ihren Hut nehmen wie
Herr Filbinger es damals tun musste. Als Privatmann koennen sie ja denken
und tun was sie wollen, als Ministerpraesident muessen sie sich fuer ihre Ausserungen schon verantworten.
...da haben Sie ja mal wieder einen platziert! Mit Ihrer glorreichen 'Erkenntnis', dass der Nationalsozialismus eigentlich nur von ca. 0,6 Personen zu verantworten war und alle anderen Opfer der Zeitumstaende waren, aufrechte Deutsche, die doch nur ihre vaterlaendische Pflicht erfuellten, leisten Sie einen 'Beitrag' zu dieser Diskussion, der mich kurzzeitig reflektieren laesst, ob mein soeben eingenommenes Fruehstueck eigentich in meinem Magen verbleiben kann.
Ich weiss nicht, was Sie dazu veranlasst, den Titel 'groesster Lump im ganzen Land' verteilen zu wollen, aber die Sache mit dem Glashaus und den Steinen wird Ihnen doch sicherlich gelaeufig sein, oder?
[dieser Beitrag wurde entfernt, da er nur reißerische Behauptungen zur 'Reinwaschung' Filbigers erhielt. Wann schon solch ein starker Tobak, dann bitte mit entsprechender Quellenangabe/ Redaktion]
Filbingers Beispiel ist so bezeichnend für die Verarbeitung der NS-Zeit. Es waren eben nicht die Supergangster des Regimes, die alles verantwortet und mit Druck durchgesetzt haben. Es waren Leute wie Filbinger, die diese Tötungsmaschinerie getragen haben. Leute wie Du und ich, sozusagen, die sich anpassten, mitmachten, um ihre ökologische Nische nicht zu gefährden. Wie die Exkulpation Filbingers durch Oettinger zeigt, ist das bei einigen noch nicht angekommen.
... und sehr informativ Ihr Beitrag. Ich pflichte dem zu 100% bei. Ich bin felsenfest überzeugt, daß viele unserer lauten Zeitgeistfiguren in Politik und Medien in 'anderen Zeiten' in einer Art mutieren würden, daß uns hören und sehen verginge...
'Rolf Hochhuth nannte Oettingers Äußerungen zur Verstrickung Filbingers 'eine unverfrorene Erfindung'.'
Der Mann hat es gerade nötig. Nicht nur gehört er zu den Schreibtischwegbereitern der Meuchelmörder der RAF, er ist auch einer von denen die seit Jahrzehnten alles was deutsch ist in den Dreck ziehen, und jeden denunzieren der als Deutscher seine Pflicht getan hat. So wundert es einen nicht, daß [bitte diese Wortwahl weiterhin nicht benutzen, da Nazijargon/ Redaktion] auch noch stolz darauf ist auch Filbinger 'bewältigt' zu haben.
Auf Hochhuth trifft, wie auf alle linksbourgeoisen Bewältiger, der Satz zu: 'Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant!'
Ansonsten ist es nur das übliche verlogene Geschrei selbsternannter 'guter Michel'. Immer die selben erbärmlichen Figuren!
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