Großbritannien Vaterlose Jungs

Eine Mordwelle unter schwarzen Jugendlichen erschüttert Großbritannien. Ein Grund: Viele von ihnen wachsen ohne männliches Rollenvorbild auf.

Zwei Mädchen trauern an der Stelle, wo am Wochenende der 15-jährige Adam Regis durch Messerstiche starb, das jüngste Opfer der Gewaltwelle unter Schwarzen

Zwei Mädchen trauern an der Stelle, wo am Wochenende der 15-jährige Adam Regis durch Messerstiche starb, das jüngste Opfer der Gewaltwelle unter Schwarzen

Im Gerichtssaal des Middlesex Guildhall Crown Court verlor eine Sozialarbeiterin die Fassung. Liz Johnson, verantwortlich für zwei schwarze Teenager einer Gang, die über Monate hinweg Passagiere in der U-Bahn terrorisiert, misshandelt und beraubt hatte, musste mit Gewalt aus dem Zeugenstand entfernt werden. In wilden Tiraden hatte sich ihre Emotionen entladen und den Richter angeschrien. Am Ende schleuderte sie den Verwandten der Angeklagten auf den Zuschauerbänken entgegen: „Ihr habt eure eigenen Leute im Stich gelassen!“

Aus dem Aufschrei sprachen Verzweiflung und Resignation einer Frau, für die eine Welt zusammengebrochen ist. Ihr Berufsstand hat „schwarze Gewalt“ bislang mit den vertrauten Argumenten erklärt, wonach Rassismus, Diskriminierung und Armut dafür verantwortlich seien, verschuldet von der weißen Gesellschaft. Die Tatsachen widersetzen sich einer solchen Deutung schon lange, aber in Sozialbürokratien und Medien wird nach wie vor reflexhaft auf politisch korrekte Erklärungsmuster zurückgegriffen.   

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Die jüngste Serie von Morden, ob durch Schusswaffen verübt oder durch Messerstechereien, machen das unmöglich. Es handelte sich ausschließlich um Gewaltakte von Schwarz gegen Schwarz, wie auch der vorletzte Fall vergangene Woche in London zeigt. Von dem Aufruhr, den der Mord an dem 16-jährigen Kodjo Yangas ausgelöst hat, zeugt ein Schrein entlang Hammersmith Grove, einer eleganten, baumgesäumten Straße im Westen Londons. Zahllose Blumengebinde wurden hier abgelegt, Tribute, in Teenagersprache mit grellfarbenem Marker geschrieben, zieren die Mauer: „Pray 4 betta Dayz“ besagt eine Botschaft, in einer anderen wird dem „fallen soldier“ der letzte Respekt gezollt.

Die Gegend, in der die Mordtat geschah, ist weit davon entfernt, verslumt zu sein. In der Straße leben diverse celebrities , bekannte BBC-Journalisten und Schauspieler, unter ihnen Ralph Fiennes. Wie so häufig in London liegen Blocks des sozialen Wohnungsbaus allerdings in unmittelbarer Nachbarschaft. Die Mörder des Schülers konnten rasch identifiziert werden. Zwei der Täter sind gerade 13 Jahre alt, einer ist 15, der andere 16. Fünf weitere junge Schwarze wurden gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt. Der Kreis der Mitschuldigen dürfte größer sein. Zu ihm gehören jene Mädchen, die mit schrillen Rufen „kill him, kill him“ zur Hatz auf den 16-Jährigen aufgestachelt und sein blutiges Ende begleitet hatten. Die Täter, allesamt in Schuluniform, prügelten mit Latten auf Kodjo ein, bevor sie ihm mit mehreren Messerstichen den Garaus machten.

Die Rekonstruktion der Polizei, basierend auf  Zeugenaussagen, ergab, dass Kodjo Yenga in Begleitung seiner Freundin und mit seinem Staffordshire Terrier am Donnerstagnachmittag an einer Shopping Mall in Hammersmith vorbeikam. Dort hing seit dem Ende der Schule eine größere Gruppe von Jugendlichen herum, die sich rowdyhaft und lärmend aufführten, was allerdings nicht ungewöhnlich ist. Vielleicht war Kodjo nur zur falschen Zeit am falschen Ort, vielleicht geriet er in „ihr“ Territorium, möglich auch, dass man es nur auf seinen Hund abgesehen hatte.  Staffordshire Terrier gelten als Statussymbol. Die Bande jagte ihr Opfer über belebte Straßen, prallte dabei mehrfach mit Passanten zusammen, die zu Tode erschrocken registrierten, dass die Jugendlichen Messer mit sich führten.

Fünf Tage vor seiner Ermordung war Kodjo Yenga, als guter Schüler und besonnener, freundlicher junger Mann bekannt, auf dem Musiksender MTV zur jüngsten Gewaltwelle befragt worden. Verbrechen mit Messern nähmen dramatisch zu, sagte er, auch wenn die Medien übertreiben würden. In den Wochen zuvor war es quer durchs Land zu einer Reihe von Messerstechereien gekommen, in die junge Schwarze verwickelt waren. Wiederum stammten Täter wie Opfer allesamt aus der westindischen und afrikanischen Minderheit Großbritanniens.  

Leser-Kommentare
    • csteel
    • 21.03.2007 um 19:02 Uhr
    1.

    Der Artikel war inhaltlich schon erschreckend. Die Spekulationen woher diese Gewalt kommt, sind jedoch ziemlich vage.
    Dass das Fehlen der Väter ein Faktor sein kann, ist gut möglich. Gerade wenn es um Rollenidentität geht, sollte ein ausgewogenes Umfeld für Kinder und Jugendliche vorhanden sein. Jedoch stellt das nur einen Faktor dar.
    Was ich für viel besorgniserregender halte, ist die Persepektivlosigkeit, die sich in den so genannten 'ildungsfernen Schichten' breit macht. (Nicht nur in GB, sondern auch hier.) Wer keine Aussicht auf Besserung hat, wird frustriert und macht seinem Unmut Luft durch Aggressionen und Hass auf Bessergestellte.
    Die Methode der Politiker dieser Misere entgegenzutreten, ist mehr als lachhaft. Die Ehe stärken? Alleinerziehende Frauen weiter an den Pranger stellen? Jugendhäuser schließen, dafür Jugendknäste bauen? Das ist aus pädagogischer Sicht genau das Falsche!
    Perspektiven eröffnen, Hilfen anbieten, sich aktiv mit den Problemen auseinandersetzen, ist angesagt! Die Augen zu verschließen hilft niemandem und bildet nur sozialen Sprengstoff. Ärmel hochkrmepeln und sich mal wieder ums Volk kümmern, ihr Herrn und Damen Politiker!

  1. ich würde eher sagen, da ist destruktiv was passiert. Die 68er haben altes zerschlagen, manches davon mit guten Argumenten. Aber viel Neues haben sie dafür nicht geschaffen.

    Deshalb ist heute keine 68er Bewegung mehr denkbar: es fehlt der Große Böse Bürgerliche Feind.

  2. Ich muss doch wirklich bitten. Den Kausalzusammenhang einzig zwischen einer angeblich schädlichen 'Überfeminisierung' der Jugendlichen und ihrer Delinquenz zu ziehen ist auf gut Deutsch gesagt Blödsinn. Niemand wird kriminell einzig und allein, weil er von einer allein erziehenden Mutter und LehrerINNEN erzogen wird. Nachweislich haben die im Teenageralter sowieso kaum noch Einfluss auf die Sprösslinge, da den gewichtigeren Einfluss die peer-group ausübt. Dies ist nur ein Zeichen des leider wieder aufblühenden Konservatismus. Ehe und die traditionelle Familie werden als das Ideal verherrlicht, obwohl gerade die Familie eine hohe Gefährdung für das Individuum beinhaltet, da gerade dort, Gewalt bis hin zum Mord (Delikte im Nahbereich) aufblühen können. Natürlich ist es schön, wenn ein Jugendlicher in einer Familie mit Mutter und Vater aufwächst. Aber allein dadurch, dass der Vater fehlt, wird mit Sicherheit niemand kriminell. Gilt die hübsche These denn auch umgekehrt für Mädchen, die ohne Mutter aufwachsen?
    Verbrechen machen betroffen. Das ändert nichts daran, dass das Propagieren von konservativen Ideen nicht weiter hilft.

  3. Ich kann nicht sehen dass der Autor EINZIG den fehlenden Vätern die Schuld gibt. Schon in der Einleitung steht doch: '>EIN< Grund: Viele von ihnen wachsen ohne männliches Rollenvorbild auf'.

    Und das ist ja nun wirklich nichts Neues. Untersuchungen haben ja z.B. gezeigt, dass Söhne alleinerziehender Mütter wesentlich häufiger (ich glaube ca. 4 mal) Drogen nehmen und kriminell werden.

  4. Wo steht denn dass das Aufwachsen ohne Vater der ALLEINIGE Grund für die Gewalttaten ist/war? Wo wird die Schuld auf die Väter geschoben und wo werden die Jugendlichen entschuldigt?
    Was ist das für eine Argumentation: nicht alle Kinder ohne Vater werden gewalttätig,
    also ist dieser Faktor unwichtig. Genauso werden nicht alle Kinder aus ärmlichen Verhältnissen oder mit 'Migrationshintergrund' gewalttätig, trotzdem haben diese Faktoren wahrscheinlich einen Einfluss. Das Aufwachsen ohne Vater ist doch nur ein weiterer Faktor, der sich nachteilig auswirken kann und bisher wohl nicht thematisiert wurde.

  5. für diese Mordwellen ist einfach der fehlende Respekt vor dem Rechtsstaat und die nicht existierende Angst vor den Konsequenzen ihrer Handlungen. Wenn ich selbst als Mörder nach 18 Monaten wieder aus dem Gefängnis rauskomme und fröhlich meinen nächsten Mord begehen kann, naja, was soll dabei rauskommen? Abschreckung ist hier angesagt, siehe Saudi-Arabien und China. Jeder läuft hier ungestraft mit einem Messer und mit einer Schusswaffe rum. Jeden Tag werden in London unzählige 'geringere' Straftaten begangen, zahlreiche meiner Bekannten wurden mindestens einmal fast ausgeraubt, das ist hier gang und gäbe und es kommt nie in die Zeitungen. Untersuchungen der Polizei verlaufen im Sande oder werden gar nicht erst aufgenommen zwecks fehlendem Personal.

    London ist auf dem besten Wege, so wie New York zu werden, Reichen-Ghettos wo die Russen und Araber in ihrem 20-Millionen-Villen wohnen mit Sicherheitscordon und die Armenghettos. Als normaler Mensch mit Familie kann man London nur den Rücken kehren so wie wir's voriges Jahre gemacht haben. Ich setze mich doch nicht freiwillig der Gefahren aus, und schon gar nicht meine Kinder. Es mag zwar 'hipp' sein, in Hackney zu wohnen, aber ich hab keine Lust, auf Schritt und Tritt mir immer nur über die Schulter zu schauen. Wir leben jetzt sehr schön in Kent und fahren jeden Tag eine Stunde nach London, aber nur zum arbeiten.

    Gruss
    Anke

  6. für diese Mordwellen ist einfach der fehlende Respekt vor dem Rechtsstaat und die nicht existierende Angst vor den Konsequenzen ihrer Handlungen. Wenn ich selbst als Mörder nach 18 Monaten wieder aus dem Gefängnis rauskomme und fröhlich meinen nächsten Mord begehen kann, naja, was soll dabei rauskommen? Abschreckung ist hier angesagt, siehe Saudi-Arabien und China. Jeder läuft hier ungestraft mit einem Messer und mit einer Schusswaffe rum. Jeden Tag werden in London unzählige 'geringere' Straftaten begangen, zahlreiche meiner Bekannten wurden mindestens einmal fast ausgeraubt, das ist hier gang und gäbe und es kommt nie in die Zeitungen. Untersuchungen der Polizei verlaufen im Sande oder werden gar nicht erst aufgenommen zwecks fehlendem Personal.

    London ist auf dem besten Wege, so wie New York zu werden, Reichen-Ghettos wo die Russen und Araber in ihrem 20-Millionen-Villen wohnen mit Sicherheitscordon und die Armenghettos. Als normaler Mensch mit Familie kann man London nur den Rücken kehren so wie wir's voriges Jahre gemacht haben. Ich setze mich doch nicht freiwillig der Gefahren aus, und schon gar nicht meine Kinder. Es mag zwar 'hipp' sein, in Hackney zu wohnen, aber ich hab keine Lust, auf Schritt und Tritt mir immer nur über die Schulter zu schauen. Wir leben jetzt sehr schön in Kent und fahren jeden Tag eine Stunde nach London, aber nur zum arbeiten.

    Gruss
    Anke

  7. für diese Mordwellen ist einfach der fehlende Respekt vor dem Rechtsstaat und die nicht existierende Angst vor den Konsequenzen ihrer Handlungen. Wenn ich selbst als Mörder nach 18 Monaten wieder aus dem Gefängnis rauskomme und fröhlich meinen nächsten Mord begehen kann, naja, was soll dabei rauskommen? Abschreckung ist hier angesagt, siehe Saudi-Arabien und China. Jeder läuft hier ungestraft mit einem Messer und mit einer Schusswaffe rum. Jeden Tag werden in London unzählige 'geringere' Straftaten begangen, zahlreiche meiner Bekannten wurden mindestens einmal fast ausgeraubt, das ist hier gang und gäbe und es kommt nie in die Zeitungen. Untersuchungen der Polizei verlaufen im Sande oder werden gar nicht erst aufgenommen zwecks fehlendem Personal.

    London ist auf dem besten Wege, so wie New York zu werden, Reichen-Ghettos wo die Russen und Araber in ihrem 20-Millionen-Villen wohnen mit Sicherheitscordon und die Armenghettos. Als normaler Mensch mit Familie kann man London nur den Rücken kehren so wie wir's voriges Jahre gemacht haben. Ich setze mich doch nicht freiwillig der Gefahren aus, und schon gar nicht meine Kinder. Es mag zwar 'hipp' sein, in Hackney zu wohnen, aber ich hab keine Lust, auf Schritt und Tritt mir immer nur über die Schulter zu schauen. Wir leben jetzt sehr schön in Kent und fahren jeden Tag eine Stunde nach London, aber nur zum arbeiten.

    Gruss
    Anke

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