Fernsehen "Gottschalk ist ein göttlicher Bub"

Martin Walser über TV-Realitäten, Literaturverfilmungen, Hape Kerkeling und Bilderstürmer. Montag wird die Fernsehversion seines Romans "Ohne einander" gezeigt

Martin Walser auf der letzten Frankfurter Buchmesse

Martin Walser auf der letzten Frankfurter Buchmesse

Wie viele von Walsers Werken, handelt auch dieses Buch aus dem Jahr 1993 von Menschen, deren Liebesbedürfnisse sich auf fatale Weise in die Quere geraten. Der Film hat nicht nur deshalb autobiografische Züge, weil er bei Walser vor der Haustür spielt, sondern auch, weil es um einen Schriftsteller geht und Walsers Tochter Franziska dessen Frau spielt. Geschickt verwebt Regisseur Diethard Klante in seinem Drehbuch die Geschichten mehrerer Familienmitglieder, die sich jeweils jüngeren oder älteren Liebhabern zuwenden. Ein Reigen vor schöner, reicher Kulisse mit gelegentlichen Zoten. Eine Literaturverfilmung, auch wenn man von diesem schweren Begriff die Finger lassen sollte, wie Walser im Gespräch betont.

ZEIT online: Herr Walser, das ZDF hat gerade Ihren Roman Ohne einander verfilmt. Ist es für einen Literaten nicht ein bisschen despektierlich, dem Fernsehen Vorlagen zu liefern?

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Martin Walser: Um Himmels Willen, nein. Ich habe meine Laufbahn mit Radio und Fernsehen begonnen. Beim Süddeutschen Rundfunk habe ich alle Abteilungen von Unterhaltung über Politik bis Kultur durchlaufen. Erst als ich merkte, dass Fernsehen mit dem Schreiben unvereinbar ist, habe ich meine aktive Beteiligung beendet, bin aber Berater geblieben und jeden Monat zu den Programmkonferenzen gefahren. Hamburg, Köln, München, Berlin. Ich war also immer dabei.

ZEIT online: Das war die öffentlich-rechtliche Zeit. Haben Sie heute Berührungsängste mit dem Medium?

Martin Walser: Das wäre ja absoluter Irrsinn, wie können Sie so was denken?

ZEIT online: Weil der Ruf des Fernsehens seit dem Einstieg privater Sender arg ramponiert ist und seriöse Schriftsteller lieber die Finger davon lassen könnten.

Martin Walser: Da bitte ich Sie um Überprüfung dieses Urteils. Etwas gegen das Fernsehen zu haben ist so, als hätte man etwas gegen das Auto. Totaler Quatsch also. Man braucht natürlich kein Auto, sondern kann auch zu Fuß gehen oder Fahrrad fahren, so wie niemand fernzusehen braucht, weil man ja auch lesen kann. Aber deshalb stellt man sich doch nicht gleich dagegen. Fernsehen stellt die Wirklichkeit nicht dar, sondern produziert sie. Ein Beispiel dafür war der Tod von Johannes Paul II., wie er wochenlang im Fernsehen gestorben ist. Das war keine Berichterstattung, sondern pure Produktion.

Aber über Verantwortung sollte man auch reden. Die trostlose Serie von Krimis im deutschen Fernsehen etwa kann ich nicht anschauen. Und in politischer Hinsicht sind selbst die vielen Talkshows von Illner bis Christiansen keine Berichterstattung, keine Darstellung von Realität. Dennoch sind das meine Fernsehdaten, dort, wo es um die Reste von Politik geht.

ZEIT online: Lassen Sie sich auch gern vom Fernsehen unterhalten?

Martin Walser: Natürlich. Ich bewundere Thomas Gottschalk, das ist ein göttlicher Bub.

ZEIT online: Ach.

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