Aktienindizes Lukrative Spielwiese

Eigentlich sollen Aktienindizes an der Börse für mehr Durchblick sorgen. Doch inzwischen ist ein wahrer Index-Urwald herangewuchert - sehr zur Freude mancher Banken.

So ein Aktienindex ist eine feine Sache. Er zeigt dem interessierten Investor auf einen Blick, wie sich Aktien bestimmter Branchen oder Regionen im Schnitt entwickelt haben. Die wichtigsten Marktsegmente in einer einzigen Kennziffer zu komprimieren, das ist die Kernaufgabe eines Aktienindex - zumindest in der Theorie. Denn in der Praxis verliert schnell den Überblick, wer versucht, sich mit Hilfe von Indizes einen Eindruck über die Entwicklung der Märkte zu verschaffen. Denn seit einiger Zeit ist die Anzahl dieser Maßzahlen gewaltig gewachsen.

Zum Beispiel an der Deutschen Börse: Seit Anfang 2006 hat sie zehn neue Einzelindizes und eine neue Indexfamilie lanciert. Zwar sei an dieser Stelle unbestritten, dass die im November lancierte Rohstoff-Indexfamilie den Markt bereichert. Doch warum die Deutsche Börse mit einem neuen Asienindex versucht, einen bereits von mehreren Anbietern abgedeckten Markt nochmals aufzurollen, ist schleierhaft. Überdies wirbt der Börsenbetreiber mit dem Argument, das Risiko-Rendite-Profil seines Index sei attraktiver als jenes vergleichbarer Indizes wie beispielsweise dem S&P Asia 50 oder MSCI Asia ex Japan - als ob man ausgerechnet in Frankfurt wüsste, welche Ostasien-Aktien in den nächsten Jahren mehr Rendite und weniger Risiko bringen.

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Fragwürdig ist auch die Überlegung der Deutschen Börse, die börsennotierten Zulieferer der Reichen und Schönen dieser Welt im "World Luxury Index" zusammenzufassen: In Zeiten des Klimawandels hat ein Luxuskarossen-Hersteller ganz andere Probleme als ein Schmuckkonzern. Ob ein Aktienindex für exportorientierte Unternehmen, für familiendominierte Unternehmen oder für besonders dividendenstarke Unternehmen - die Frankfurter Zahlenakrobaten liefern alles.

Noch innovativer als die Frankfurter Konkurrenz wollte wohl der Stoxx-Indexherausgeber Dow Jones sein, als er den "Dow Jones Stoxx Grand Prix Index" ins Leben rief. Darin enthalten sind - Sie erraten es - Aktien jener Unternehmen, die als Zulieferer der Formel 1 fungieren - vom Motorenhersteller bis zum Benzinlieferanten.

Nun stellt sich dem Anleger die Frage, was er mit solchen Neuheiten anfangen soll. Schließlich fassen sie bloß irgendein beliebiges Trendthema in Zahlen, statt einen zusammenhängenden Markt abzubilden. Doch das ist die falsche Frage, denn solche Indizes werden immer weniger für ernsthafte Investoren konstruiert als vielmehr für die Spielwarenabteilung der Finanzbranche: Denn die Nutznießer der Index-Erfindungen sind die Anbieter von Anlagezertifikaten.

Die Indexkonstrukteure kassieren von den Zertifikateanbietern hohe Lizenzgebühren dafür, dass ihr Zertifikat die Indexbezeichnung im Namen tragen darf. Und bei den Banken füllt sich die Kasse schnell, wenn die Kunden auf den seriösen Indexnamen setzen und Zertifikate kaufen - schließlich sind diese dank so mancher offener oder auch versteckter Gebühr für die Bank besonders lukrativ.

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