50 Jahre EU Mutige Kanzlerin

Angela Merkel hat mit ihrer Rede zum fünfzigsten Geburtstag der Europäischen Union überzeugt. Nach dem Feiern wird in der EU jedoch bald wieder der Alltag einziehen. Ein Bericht

„Ein Traum ist wahr geworden.“ Solche Sätze können nur wenige Politiker aussprechen, ohne dass gleich falsches Pathos mitschwingt. Angela Merkel kann es. Die Rede, mit der die Bundeskanzlerin am Sonntagmorgen den fünfzigsten Geburtstag Europas feierte, bietet genau die richtige Mischung aus Pathos, mutigen Visionen, aktuellen politischen Forderungen und persönlicher Anschauung. Europa hätte sich keine bessere Festtagsrednerin wünschen können.

Nach einem Konzert, nach Empfang und Festdinner hat die Bundeskanzlerin nun auch die letzte Runde der europäischen Geburtstagsfeiern absolviert. Sie hat die Berliner Erklärung verlesen lassen - eine Art Minimalkonsens, der beschreibt, worauf sich Europa im Moment einigen kann. Zwangsläufig klingt diese Erklärung wie eine Ansammlung von Selbstverständlichkeiten. Mehr ist derzeit offensichtlich nicht möglich. Doch dann hat Merkel in einer acht Seiten langen Rede ihre eigene Interpretation der Geschichte und ihre Forderungen für die Zukunft formuliert. Dabei war sie unerwartet mutig, konkret und überzeugend: Sie wünschte sich Europas Eintreten für die Unterdrückten, für den Klimaschutz. Sie forderte mehr EU-Kompetenzen bei der Außenpolitik, der Innen- und Energiepolitik und zugleich die klare Abgrenzung von Zuständigkeiten. Und sie erinnerte an die Grundpfeiler der europäischen Integration: die Toleranz.

Anzeige

Wichtiger als die aktuellen politischen Forderungen war in Berlin indes der richtige Ton. Den traf die Kanzlerin, denn sie hat eines begriffen: Geschichte ist wichtig, selbst erlebte Geschichte bewegt. Wie kein anderer europäischer Regierungschef verkörpert Merkel Trennung und Wiedervereinigung von Ost und West, und sie weiß das zu nutzen. Wenn die Bundeskanzlerin also an diesem Wochenende immer wieder von "Freiheit" als einem Schlüsselbegriff für Europa sprach, dann gab sie dem Ganzen auch eine persönliche Note. Sie hat die Mauer fallen sehen. Sie hat am eigenen Leibe erlebt, dass „nichts bleiben muss, wie es ist.“ Mit solchen persönlichen Bemerkungen kann sie den so häufig zu Leerformeln verkommenen Forderungen nach einer EU, die auf der Seite der Menschenrechte steht, eine andere Wahrhaftigkeit geben. Und daher passte dann auch, dass Merkel während der Feierstunde auch an die Unterdrückung in Weißrussland erinnerte.

Durch die Berliner Erklärung, durch ihr stetiges Erinnern an die gemeinsame Vergangenheit von Ost und West und die Umarmung der Osteuropäer hat Merkel geschickt Streit von diesem Gipfel fern gehalten. Das hat manchen Beobachter enttäuscht und gelangweilt. Doch das wäre ein Spiel mit dem Feuer gewesen, und mit dem wollte Angela Merkel aus verständlichen Gründen jetzt nicht spielen. Sie will den großen Erfolg, am Ende ihrer Präsidentschaft einen Zeitplan für die Verfassung. Da braucht sie jeden der 27 Regierungschefs, und vor allem gute Laune. Unkontrollierbarer Streit kommt da ungelegen.

Für die Feier war diese Strategie richtig. Man muss das Erreichte auch einmal loben und genießen. In den kommenden Wochen aber wird das so nicht mehr funktionieren, und das ist auch gut so. Der nächste Streit – und das ist eine der europäischen Errungenschaften – kommt bestimmt und der sollte auch kommen. Schließlich muss ein so wichtiges Projekt wie Europa nicht nur gefeiert, sondern dann auch wieder debattiert und erstritten werden.

Zum Thema
Die europäische Kanzlerin - Die Medien sind begeistert von Merkels Rede zur 50-Jahr-Feier der EU. Doch an ein geeintes Europa glauben längst nicht alle. Eine Presseschau »

Die Berliner Erklärung hätte mutiger, streitbarer sein können - Aber wer möchte schon Streit auf einer Jubiläumsfeier? »

50 Jahre Europäische Union - Ein Spezial zur Geschichte der EU »

 
Leser-Kommentare
    • Molina
    • 26.03.2007 um 15:09 Uhr

    Ich kann mich den Jubelarien der Medien über 'unsere' Kanzlerin nicht anschließen. Und ich bin froh, dass ich da offenbar nicht alleine bin. Es ist erschreckend, wie kritiklos und einfältig unsere Journalisten geworden sind, leider schon lange auch die der ZEIT!

  1. Von diesen Tagen in Berlin wird bleiben: Die deutsche Frau trägt zu jedem Anlass schwarze Hosen und langweilige farbige Blazer. Und da war es wieder, das eigene Schicksal und die Freiheit - dumm ist nur, dass Frau Merkel als die Mauer fiel - nach eigenen Angaben - in der Sauna saß.

  2. Man glaubt es nicht, doch ist es wahr. Die Dame darf selbst wenn es regnen sollte, sagen und behaupten, die Sonne scheint. Am nächsten oder gleichen Tag würden die Damen und Herren der so genannten 'Vierten Gewalt' eine solche Plattheit, eine solche Worthülse als großartige, charmante Beschreibung des Jetzt und auch als eine in die Zukunft weisende Aussage werten.
    Brauchen wir tatsächlich eine Bildungsoffensive für das Volk oder wäre es nicht an der Zeit die meinungsbestimmende und -manipuliernde 'Klasse' noch einmal in die Grundschule des Lebens zu schicken?

    Irgendwann - ohne Prophet zu sein - wird sich dieses rächen und wir stehen wieder einmal vor einem Scherbenhaufen.
    Das hat Europa in der Tat nicht verdient!

    Gott sei Dank gibt es noch Politker wie den Herrn Junker, der kein Blatt vor den Mund nimmt.

    • Geno
    • 25.03.2007 um 18:56 Uhr

    Danke SchmidtH. Es gibt dem nichts hinzuzufügen. Wann werden die Medien endlich wieder realistisch? Weniger EU-Euphorie und weniger Klima-Hysterie wären angesagt.

    • WillyF
    • 25.03.2007 um 18:59 Uhr

    Schröder ist schon lange weg - zweifellos ein unwahrscheinliches Glück für dieses Land, das unter Rot-Grün ansonsten hinter Rumänien und andere ehemals sozialistische Bruderländer sehr wahrscheinlich in absolute Lethargie zu verfallen drohte. Der Wirtschaft geht es seitdem und allein schon mangels Schröder wieder wesentlich besser.

    Alle blicken ohne Zweifel optimistisch in die Zukunft - außer natürlich die SPD mit ihrem unsympathischen Problem-Bären Beck und einer völlig zerstrittenen (aber das kennen wir ja) SPD-Bundestagsfraktion.

    Und nun auch noch diese fulminante Rede UNSERER Kanzlerin zum 50. Geburtstag der EU und ihre Adelung durch die ZEIT.

    Eine wahre Freude für uns alle.

    Hoch soll sie leben, Hoch soll sie leben. Dreimal hoch!

    Angela, wir mögen Sie. Bleiben Sie uns noch die nächsten 20 Jahre erhalten - und halten Sie uns den Sozialismus vom Leib.

    PS: Ab 2009 möglichst mit der FDP und nicht mit den roten Socken von der SPD, die in jedem Fall ein Auslaufmodell sind.

    • andrku
    • 25.03.2007 um 19:55 Uhr

    ...Leute wie Sie haben scheinbar immer
    noch nicht begriffen, dass die ganze
    Rechts-Links-Liberal-Sozialistisch-Kac*e
    ziemlich abnervt.

    Ich bin gegen Ihr simpel gestricktes
    Welt- und Parteienbild.Einfach
    widerlich. Diese Grabenkampf-
    Ideologie hat D doch erst dahin
    gebracht wo es jetzt ist.
    Hochverschuldet, undemokratisch,
    zunehmend unsozial und vor einer
    demographischen Katastrophe.

    Aber Sie trifft das sicher nicht so
    sehr. Die besten Jahre vorbei und
    ordentlich Kohle gescheffelt, gelle?
    Die üblichen FDP-Anhänger halt.
    Angst das man Ihnen was wegnimmt.

    Nochmal gäähhn, immer dasselbe.

    AKu

    • andrku
    • 25.03.2007 um 20:01 Uhr

    ...das sie eine Frau ist.

    Ein Mann hätte sicher einen top-
    modischen Anzug getragen. Wie alle
    Männer bei solchen Anlässen. Mit
    etwas Glück vielleicht einen
    aufregend bunten Schlips dazu.

    Find ich echt toll dass Frauen sich
    wegen solchen Sachen gegenseitig
    runtermachen. Da haben wir Männer
    nicht mehr soviel zu tun. *g*

    Davon abgesehen ist es wohl ziemlich
    schnurz wo die Frau saß als die Mauer
    fiel.

    Mein Gott, ich verteidige die Angela,
    was ist mit mir los *Kopfschüttel*

    MfG
    AKu

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service