Mindestlohn Wie viel Lohn ist genug?

Löhne, die niedriger sind als das Arbeitslosengeld II, sollten verboten werden, findet die SPD. Die Union ist gespalten.

Bei den Gebäudereinigern ist der Druck auf die Löhne besonders hoch. Deshalb werden für die Branche Mindestlöhne selbst von der Union diskutiert

Bei den Gebäudereinigern ist der Druck auf die Löhne besonders hoch. Deshalb werden für die Branche Mindestlöhne selbst von der Union diskutiert

Seit Monaten schon streitet die Große Koalition darum, wie den Geringverdienern auf dem Arbeitsmarkt am Besten zu helfen ist. Staatliche Lohnzuschüsse für Geringverdiener empfiehlt die Union, doch die SPD will zusätzlich einen anderen Weg gehen. Sie sieht auch die Arbeitgeber in der Pflicht, Löhne zu zahlen, die zumindest das Existenzminimum sichern.

Immerhin scheint die Unionsfraktion der SPD nun an zwei wichtigen Punkten entgegenzukommen. Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Union Ralf Brauksiepe unterstützt mittlerweile die Forderung von Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD), die Sittenwidrigkeit bestimmter Gehälter gesetzlich festzuschreiben. Unter diese Rubrik fiele demnach eine Bezahlung, die weniger als zwei Drittel des branchen- oder ortsüblichen Tariflohns entspricht.

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Doch Brauksiepe geht noch weiter. Nach Informationen von ZEIT online stimmt der Verhandlungsführer der Unionsfraktion auch einer festen Lohnuntergrenze zu. Da in einigen Branchen die Mitarbeiter selbst von den Tariflöhnen nicht mehr leben können, wäre diesen mit einer Lohnschranke, die nochmals 30 Prozent unter diesem Tarif liegt, nämlich kaum geholfen. Deshalb findet Brauksiepe genau wie Müntefering, dass niemand mit einer Vollzeitstelle weniger als zumindest das Arbeitslosengeld II plus Mietzuschuss verdienen dürfe. Wer voll erwerbstätig ist, soll nicht auf staatliche Unterstützung angewiesen sein. Bei einem Alleinstehenden entspräche diese Festlegung einer absoluten Lohnuntergrenze von 1100 Euro brutto.

Erstaunlich ist diese Positionierung insofern, als die Union bisher einen gesetzlichen Mindestlohn stets weit von sich gewiesen hat. Selbst die SPD schien dieses Ziel längst aufgegeben zu haben. Stattdessen forderte die SPD die Ausweitung des Entsendegesetzes, das bisher nur für die Bau- und Gebäudereiniger-Branche gilt, auf mindestens zehn andere Bereiche. In diesem Fall würden die Tarifparteien selbst einen Mindestlohn vereinbaren, der dann gesetzlich für die jeweilige Branche festgeschrieben würde.

Doch darauf wollte und will sich die Union nicht einlassen. Argument ist stets, durch die erzwungenen höheren Löhne gingen Stellen verloren. Das Gegenargument liegt allerdings genauso klar auf der Hand: Wenn die Arbeitgeber keine existenzsichernden Löhne zahlen, muss der Staat einspringen. Die Unternehmen sozialisieren gewissermaßen ihre Kosten. Würde tatsächlich eine absolute Lohnuntergrenze festgelegt, käme dies jedoch einem gesetzlichen Mindestlohn gleich, auch wenn man bei der Union lieber von einer "gesetzlichen Auffanggrenze" spricht.

Noch ist die Union von einer einheitlichen Position aber offenbar weit entfernt. Denn im Gegensatz zu den Arbeitsmarktpolitikern der Fraktion lehnt etwa das CSU-geführte Wirtschaftsministerium eine fixe Lohnuntergrenze ab. Dort verfolgt man stattdessen das Konzept, niedrige Löhne in bestimmten Fällen durch staatliche Zuschüsse zu ergänzen. Nur für diese staatlich geförderten Löhne soll dann eine Mindesthöhe festgelegt werden, die die Arbeitgeberseite zu zahlen hat. Außerdem will Wirtschaftsminister Michael Glos einen Arbeitszwang für Arbeitslose einführen. Wer Unterstützung bezieht, soll diesen Plänen zufolge auch etwas dafür tun, und also zumindest einen öffentlich bereitgestellten Job – wie dies etwa die Ein-Euro-Jobs sind – annehmen. Auch zahlreiche Schwarzarbeiter, die zugleich Arbeitslosengeld beziehen, würden dann in den ersten Arbeitsmarkt zurückkehren, hofft das Wirtschaftsministerium. Doch davon will nun wieder die SPD nichts wissen.

Leser-Kommentare
    • iceman
    • 26.03.2007 um 21:33 Uhr

    Zu dumm, ich dachte immer, die Schweiz sei ein kapitalistisches Land, und auch England ein Teil der 'anglo-amerikanischen' Achse des Bösen.

    • QUOTE
    • 26.03.2007 um 16:27 Uhr

    ...und nennen Sie die Diskussion bei ihrem wahren Namen:

    Wie WENIG ist GENUG?
    DARUM geht es in der herrschenden neoliberalen Ideologie, und um nichts anderes.

    • iceman
    • 26.03.2007 um 17:06 Uhr

    Der angedachte Mindestlohn von 1.100 Euro brutto entspräche einem Mindestlohn von etwa 6,50 Euro/ Stunde.
    In England liegt der Mindestlohn bei 8 Euro - und das bei wahrscheinlich viel geringeren Sozialabgaben!
    Die erbärmlichen Verhältnisse, die wir nun in Deutschland haben, sind vor allem die Folge des Versagens in der Zuwanderungs- und Familienpolitik.
    Der 'kleine Mann' - vor allem wenn er ethnisch deutsch ist - kann sich bedanken bei rotgrünen Mulitkultiapologeten und konservativen Kita-Blockierern.

  1. Wieviel bleibt denn von 1100 Brutto, alleinstehend?
    Lassen Sie es 850.- Euro sein. Was fängt man damit an?
    Ziehen Sie davon noch Miete und Nebenkosten ab, dann bleiben, sofern Sie in einer Stadt wohnen noch ~ 400.- übrig. 400.- Euro zum Leben, ohne Auto, ohne sonstige Versicherungen, ohne Telefon ohne Internet.
    Damit kurbelt man kein Wirtschaftswunder, okay erst mal Wirtschaftswachstum, an.
    Es gibt Branchen, man glaubt es kaum, da gibt es keine Arbeitnehmervertreter, geschweige denn Tarifregelungen. Wenn Sie es nicht zu den vorgegebenen Bedingungen erledigen, jemand anderer wird es schon machen.
    Diese Ausbeutung hatten wir schon mal.
    Vielleicht funktioniert ja unsere -Freie Marktwirtschaft- nicht so human wie gehofft?!
    -Geiz ist geil- ist der falsche Weg, aber für viele der Einzige.

    • ageo01
    • 26.03.2007 um 19:50 Uhr

    In England sind die Lebenshaltungskosten wesentlich treuerer.

  2. Schon mal was von Kapitalismus gehört? Nazis und ähnlich Gleichgeschalteten scheint der Gedanke unerträglich, daß Ausbeutung nicht vor Herkunft, Hautfarbe und Religon halt macht. Der hessische Ministerpräsident Koch will Arbeit zu jedem Preis, andere nur für Volksgenossen. Wie blöd muß jemand sein, um nicht zu erkennen, welches das wahre Problem ist?

  3. Ich habe fuer 4 Monate fuer 5,30 Euro die Stunde arbeiten muessen. Wie viele andere zigtausende LKW-FAHRER. Bei einer deutschen Firma nach deutschem Recht. JEDER Fernfahrer bekommt taeglich 9 Stunden bezahlt, muss aber bis zu 18 Stunden arbeiten. Schichtbeginn z.B. um 03:00 morgens, Schichtende gegen 18:00 Uhr. Gesetzliche Fahrzeit stimmt immer, nur Beladezeiten, Stau etc. sind keine Freizeit. Dem gegenueber steht die Verantwortung, bis zu 40 Tonnen sicher Autobahn, Stadt und Land zu steuern. Und Buerokratie, die schon aerztliche Ausmasse annimmt. Wenn man sich alleinstehen eine Singlewohnung noch leistet, dann bleibt in der Woche zum Essen in der Kabine ca. 30 Euro! Gefangen im Fuehrerhaus eines LKW's. Das ist heute Realitaet in Deutschland. Was ein Rumaene verdient will ich gar nicht erst wissen!

    Ein Beispiel von vielen, wie sich Menschen in Deutschland durchschlagen muessen. Geiz ist nicht geil, sondern der letzte Ueberebensinstinkt gegen krepieren. Denken Sie mal daran, wenn Sie wieder mal zwischen LKW's auf der Strasse stehen.

  4. Inflation hin, Inflation her -- es geht nicht an, dass die Sozialleistungen für Nichtarbeitende an die Mindestlöhne für Arbeitende heranreichen. Es muss sich deutlich lohnen, einen Job zu haben. Sozialleistungen lassen sich nicht herabsetzen, also müssen die Löhne erhöht werden.

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