Musik Tschüs, CD!
In Amerika nimmt der CD-Verkauf erneut dramatisch ab. Ist die Zeit schon reif für einen Nachruf? Ja, meint
Als sie vor 26 Jahren auf den Markt kam, wurde sie heiß erwartet: einerseits kaum größer als
die nie so recht geliebte Kassette,
die mal leierte, mal Bandsalat bescherte, andererseits deutlich länger spielend als die bis dahin unangefochtene Schallplatte, die nicht nur Töne getragen hatte, sondern die gesamte Popkultur. Die CD fegte alles, was vorher war, aus dem Regal. Das Vinyl konnte sich mit Müh und Not in die Hände von Liebhabern flüchten, die es bis heute hochhalten.
Wer die CD damals für ein Erlösungsmedium hielt, die Konserve auf immer und ewig, der Hörer aller Sorgen ledig, sieht sich heute eines Besseren belehrt. Die CD als prosperierender Speicher hielt nicht einmal so lange wie die Kassette, von der Schallplatte ganz zu schweigen.
Spät kommt es, aber es kommt: das Ende der CD
In den USA ging der CD-Absatz in den ersten drei Monaten des Jahres 2007 – im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres – um mehr als ein Fünftel zurück. Auf Umfragen gestützt melden die Marktforscher von Nielsen SoundScan statt 112 nur noch 89 Millionen verkaufter Alben. Dies kommt als Schock für die Industrie; schließlich hieß es noch im vergangenen Jahr, der dramatische Rückgang sei gestoppt.
Amerika meldet jetzt auch: Die Musikverkäufe über das Internet seien stark angestiegen – allerdings sind dies nunmehr einzelne Stücke, das Album als aus mehreren Titeln komponiertes Werk ist perdu.
Die Zeit der legendären Plattencover (man erinnere sich an den Reißverschluss der Rolling Stones oder Andy Warhols Velvet-Underground-Banane) ist damit einmal mehr vorbei; schon die Verkleinerung vom LP- aufs CD-Format war dem Cover ja nicht gut bekommen. Ausgerechnet der Totengräber der CD hält sie nun in Ehren: Die neueste iTunes-Version bildet die Hüllen plastisch lecker ab; man kann in seiner Sammlung blättern und kann es doch nicht, da alles nur virtuell ist. Man wird sehen – und hören –, was dies künftighin für die Musik bedeutet. Der ästhetische Einschnitt dürfte tiefer als der technische sein. Ist es vorstellbar, daß Bands keine "neue Platte" mehr herausbringen, sondern nur noch "einen Haufen Stücke" – ohne Reihenfolge, ohne Form?
Ob die Digitalisierung der Musik nicht die Wärme nehme, diese Diskussion zog sich durch die Anfangstage der CD und sie kehrt heute wieder, wenn von den Nachteilen der informationsreduzierten MP3-Dateien gegenüber den PCM-Dateien der CD die Rede ist. Die Freunde von Rille und Nadel mochten sich damals nicht vorstellen, dass Bits und Bytes den großen musikalischen Werken gerecht werden. Der Widerstand der CD-Freunde gegenüber MP3 fällt um einiges milder aus. Bei hohen Bitraten können selbst Audiophile einen Unterschied kaum heraushören, obwohl das reduzierte Format gewiss keinen klanglichen Fortschritt darstellt.
- Datum 26.03.2007 - 11:46 Uhr
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- Quelle ZEIT online
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Das Schöne an CDs ist die Vielfalt, die ein Musiker oder eine Band zeigen kann. Es ist viel mehr als ein Liedchen hergibt. Der Nachteil der CD ist ihre schlechte Verfügbarkeit. Vieles ist in Deutschland nicht zu bekommen oder schnell vergriffen und die Importware ist zu teuer.
Auch schießt die Musikindustrie ein Eigentor nach dem anderen, indem sie ihre eigenen Kunden mit Kopierschutz und Dynamikkompression, also im Tonstudio mutwillig verhunzten Scheiben, übervorteilt.
Online-Shops sind kein bisschen besser. Digitaler Kopierschutz, Preise auf CD-Niveau für minderwertige Qualität. Wer wundert sich, dass nur Einzelstücke gekauft werden?
CDs werden überleben, und hoffentlich nicht nur in der LP-Nische ...
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