ZEIT online: Herr Metheny, Sie waren im Februar zur Amtseinführung des neuen UNO-Generalsekretärs Ban Ki-Moon eingeladen, um den italienischen Filmkomponisten Ennio Morricone vorzustellen. Wie kam es dazu?

Pat Metheny: Ich habe über die Jahre einige seiner Stücke aufgenommen, und ich bekam großartige Kommentare aus Italien von ihm, wenn er unsere Versionen gehört hatte. Ich weiß nicht warum, aber ich hatte immer eine starke Verbindung zu Italien. Die Unterstützung, die meine eigene Musik dort erfahren hat, ist unvergleichlich größer als irgendwo sonst. Ich glaube, die Vereinten Nationen suchten einfach jemanden, der eine Verbindung zu dem Land und besonders zum Maestro selbst hatte. Ich war sehr geehrt, in dieser Nacht dort zu sein, um ihn vorzustellen.

ZEIT online: Sie nutzten Ihre Rede auch, um auf dringende Probleme wie die Bekämpfung von AIDS und die Gefahren der globalen Erwärmung hinzuweisen. Sonst haben Sie sich selten politisch geäußert. Jetzt gibt es auch die neue Rubrik „Pat empfiehlt“ auf Ihrer Website , in der Sie auf Musik, Filme und Bücher hinweisen, die Sie wichtig finden.

Metheny: Ich freue mich, meine kleinen Gedanken und Dinge beizusteuern zu der Art und Weise, wie sich die Kultur dieser Tage bewegt.

ZEIT online: Gerade wurde ihr Duett mit Brad Mehldau bei iTunes zum besten Jazzalbum des vergangenen Jahres gewählt. Wie wichtig sind iTunes und das Internet für Sie?

Metheny: Nun, insoweit, als ich ein Mitglied dieser Kultur bin. Ich habe einen Computer, ich habe auch ein Konto bei iTunes; es beunruhigt mich nicht sehr. Es gibt dieser Tage viele Diskussionen über das Musikgeschäft in Verbindung mit Downloads. Ich bin mir dessen zwar bewusst, aber ich bin vor allem Musiker. Und daher ist mein Hauptanliegen, gute Töne zu finden. Das beansprucht jede wache Minute meiner Zeit. Und ich bin nun schon lange genug dabei, um zu erkennen, dass die meisten Menschen, die solche Dinge schätzen, wahrscheinlich noch nicht einmal geboren sind.

ZEIT online: Sie machen also Musik für die Zukunft?

Metheny: Die Platten, die ich vor dreißig Jahren gemacht habe, wie Bright Size Life , wurden früher nur von Wenigen gehört. Und heute, dreißig Jahre später, von Hunderttausenden. Das hätte ich damals nicht erwartet. 1976 verkaufte sich die Platte 900mal im ersten Jahr. Und jetzt hat sich dasselbe Album über eine halbe Million Mal verkauft. Das ist großartig! Ich höre jetzt so viel über diese Platte – und das von ganz jungen Leuten, die damals noch nicht auf der Welt waren. Aber was ich eigentlich sagen will: Unser Job als Musiker ist, einfach zu spielen. Die kulturelle Umgebung ist interessant, aber nicht so wichtig.

ZEIT online:Barack Obama wird vielleicht der nächste Präsident Amerikas. Wie finden ihn die Musiker?

Metheny: Nun, an diesem Punkt wäre alles und jeder andere eine Verbesserung. Innerhalb der musikalischen Gemeinschaft sehen wir es einfach mit Freude, wenn jemand kommt, der in ganzen Sätzen sprechen kann und der auch noch in der Lage zu sein scheint, auf eine komplexere Weise zu denken. In diesem Sinne erfüllt Barack Obama perfekt, wonach wir hungern.
Ich habe das Gefühl, dass in Ihrer Frage ein Subtext steckt, weil Obama schwarz ist. Ehrlich gesagt, ich glaube, innerhalb der Musiker-Gemeinschaft ist das vielleicht erwähnenswert aber ansonsten nicht wirklich wichtig. Wir haben das alle nun schon dreißig oder vierzig Jahre hinter uns gelassen.

ZEIT online: Amerika ist also aus Ihrer Sicht bereit für einen ersten schwarzen Präsidenten?

Metheny: Die Hautfarbe ist nicht mehr entscheidend, sondern was er für das Land erreichen will.