Korrekt Sparen Für eine bessere Ökonomie

Reto Ringger hat Maßstäbe gesetzt: Er überzeugte den Mediengiganten Dow Jones vom Nutzen der Nachhaltigkeit. Sein Dow Jones Sustainability Index gilt heute weltweit als Richtschnur für nachhaltige Anlagen.

Reto Ringger ist ein Perfektionist. "Stets rastlos, nie ganz zufrieden", beschreibt er sich selbst. Seine Mitarbeiter sagen, Ringgers Ansprüche seien ziemlich hoch, und sein Vertrauen müsse man sich hart erarbeiten. Solch ein Chef kann anstrengend sein, auch für sich selbst.

Doch Ringger hat durch seine Rastlosigkeit etwas Besonderes erreicht, etwas, was in der Finanzwelt lange als unmöglich galt. Ende der Neunziger überzeugte der ernste, eher introvertierte Schweizer mit seiner Mannschaft den US-Mediengiganten Dow Jones, einen gemeinsamen Nachhaltigkeitsindex ins Leben zu rufen. In den Dow Jones Sustainability Index (DJSI) werden nur solche Unternehmen aufgenommen, deren Geschäftsmodell aus ökonomischer, ökologischer und sozialer Perspektive besonders zukunftsträchtig ist. Heute gilt der Index weltweit als Richtschnur für nachhaltige Investments.

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Auf dem DJSI und seinen verwandten Indizes, die ebenfalls von Ringger und seinen Leuten entwickelt wurden, basieren viele Investmentfonds und Zertifikate. Privatanleger können sie ebenso erwerben wie Großanleger. Die von Ringger zur nachhaltigen Verwaltung von Vermögen gegründete Firma Sustainable Asset Management (SAM) betreut inzwischen rund 10 Milliarden Schweizer Franken, die nach den Grundsätzen der DJSI-Familie investiert werden.

In seinem Bestreben um Nachhaltigkeit ist Ringger konsequent: Der Zürcher Firmensitz der SAM erfüllt die strengen Schweizer Minergie-Standards für nachhaltiges, energieeffizientes Bauen; der Strom kommt komplett aus erneuerbaren Quellen. Doch ein Öko-Enthusiast war der 1963 geborene Banker nie; in der Umweltbewegung beispielsweise hat er sich nie engagiert. "Er ist kein passionierter Aktivist, sondern eher ein konservativer Visionär", beschreibt Oliver Karius, ein ehemaliger Mitarbeiter, den Schweizer. Schon mit 20 Jahren setzte sich Ringger intensiv mit naturwissenschaftlichen Themen auseinander, ebenso mit den ökologischen und sozialen Problemen der modernen Wirtschaft. "Ich war erstaunt, dass Wirtschaftswelt und Finanzmarkt die Chancen nicht erkannten, die darin lagen", sagt der Ökonom heute nüchtern.

Das wollte Ringger ändern – zumal es ihn schon immer reizte, etwas Eigenes aufzubauen, wie er sagt. Er bewundert Menschen, die mit Passion große Leistungen erbringen, wie zum Beispiel Michael Dell, der einen Weltkonzern schuf, indem er die eingefahrenen Wege der Computerbranche verließ. Ringger ging es zunächst bescheidener an: Als Student der Uni Zürich gründete er den ersten Investmentclub der Universität, erzählt er.

Nach dem Studium arbeitete er dann aber ganz konventionell als Angestellter bei Schweizer Finanzinstituten, jahrelang, und brachte es bis zum Assistenten der Geschäftsleitung. Doch die Idee, einen neuartigen Börsenindex und Anlagen zu schaffen, um mit ihnen der schleichenden Umweltzerstörung etwas entgegenzusetzen, arbeitete weiter in ihm. Auf einer langen Reise durch die USA lernte er schließlich die dortigen Konzepte kennen, zum Beispiel den 1990 aufgelegten Domini 400 Social Index, den ältesten nachhaltigen US-Index.

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