Fußball Ein entspannter Bundestrainer

Joachim Löw gibt auch vor dem Spiel gegen Tschechien keinen Einblick in Taktik und Mannschaftsaufstellung. Aus Prag berichtet

Bundestrainer Joachim Löw beim Training in Frankfurt

Bundestrainer Joachim Löw beim Training in Frankfurt

Als die Lufthansa-Maschine, die die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Freitagvormittag nach Prag bringen sollte, in Frankfurt am Main mit halbstündiger Verspätung endlich startklar war, meldete sich der Flugkapitän etwas kleinlaut per Bordmikrofon: „Der Grund für die Verspätung ist das Wetter - es ist heute unser Gegner, gegen den wir leider keine Chance haben“. Der kleine Scherz am Rande, mit Blick auf die prominente Fracht, traf allerdings die Stimmung von Trainer Joachim Löw und seinen Mannen nicht wirklich.

Seit Dienstag hatte der Bundestrainer seine Spieler in Frankfurt versammelt und seither predigte er, gefragt und ungefragt, die Losung für das Spiel am Samstag gegen die Tschechische Republik: „Wir fahren nach Prag, um zu gewinnen“. Ohne Turbulenzen landete das Team nur knapp eine Stunde später in der tschechischen Hauptstadt. Wenig später stand Löw bereits Rede und Antwort – im überfüllten Bankett-Saal „Karel“ des Four Seasons Hotel im Stadtzentrum, wo sich eine geschätzte Hundertschaft an Journalisten eingefunden hatte.

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Löw sprach von einem bevorstehenden „Festtag des Fußballs“, auf den er sich freue, da mit dem Tabellenführer Deutschland und dem Zweiten Tschechien zwei spielstarke und punktgleiche Mannschaften in der EM-Qualifikationsgruppe D aufeinander träfen. Von seinem Vorgänger Jürgen Klinsmann hat Löw die Sitte übernommen, vor dem Spieltag keinen genauen Einblick in Taktik und Mannschaftsaufstellung zu geben. Auffällig war jedoch, dass in den Frankfurter Übungstagen selbst für Löw besonders häufig das Wort „Taktik“ fiel, in Gesprächen, aber auch auf dem Trainingsplatz. Die Übungseinheiten verliefen wie Lehrstunden, es wurden die Spielzüge wiederholt, bis Ball- und Laufwege, wie Löw das ausdrückt, „sitzen, wie ein Turnschuh“.

Insbesondere die Defensivabteilung wurde immer wieder auf ihre Widersacher eingestimmt. Diesen, besonders in Person des Bundesliga-bekannten gewichtigen Mittelstürmers Jan Koller, galt die besondere Aufmerksamkeit des Trainerteams. Natürlich nicht Koller persönlich, der übte schließlich (wie man hörte, geplagt von muskulären Problemen) derweil selbst in Prag. Doch immer und immer wieder wurden die Verteidiger Per Mertesacker und Christoph Metzelder auf eine der erwarteten tschechischen Standardvarianten eingestimmt. Flanke von links, Flanke von rechts – Koller verlängert und einer der wilden kleinen Kerle, zum Beispiel Tomas Rosicky oder Milan Baros, vollenden.

Da allerdings zu dieser Übung im Kader bisher vergeblich nach einem Koller-Double gefahndet worden war, machte ein naheliegendes Gerücht die Runde. Manager Oliver Bierhoff, so wurde gemutmaßt (und von einigen besonders schnellen Kollegen eilig verbreitet), habe in den geheimen Übungseinheiten sich durchaus eindrucksvoll als Stuntman für Koller betätigt. „Nein“, sagte Löw, Bierhoff habe zwar mittrainiert, als Koller-Ersatz sei er jedoch nicht in Erscheinung getreten. Dann wird diese Frage auch noch an Michael Ballack gestellt, der gemeinsam mit Philipp Lahm ebenfalls zur Pressekonferenz erschienen ist. Ballack zuckt mit den Schultern, blickt etwas hilflos zu Lahm hinüber, der gleichsam die Bierhoff-Koller-Double-Variante dementiert.

Wenn nicht wirklich etwas zu erörtern ist, dann entstehen vor solchen Spielen gerne Gerüchte: Ein Journalist macht den Anfang, die anderen folgen, bis die Angelegenheit fast schon reif ist für eine Eilmeldung der Nachrichtenagenturen. In Prag fiel dem Kollegen vom Kicker die Rolle des Einpeitschers zu: „Hat jemand eigentlich Ballack trainieren sehen, letzte Woche?“, fragt er in die Runde. Achselzucken. Schließlich waren die Übungseinheiten ja geheime Kommandosache. „Klar, wenn er nicht trainiert hat, konnte er ja auch die Frage nach Bierhoff und Koller nicht beantworten“. Übrigens: Hat jemand bemerkt, wie er leicht humpelnd die Treppe vom Pressekonferenzpodium hinabgestiegen ist?

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