Betreuungsangebot Etappensieg
Immerhin: Bund, Länder und Kommunen haben sich auf einen Ausbau der Krippenplätze geeinigt. Das ist ein Erfolg, aber zugleich auch nur der erste Schritt, kommentiert
Allmählich fängt man an zu glauben, dass diese kleine, zierliche Frau mit der blonden Mädchenfrisur einfach alles kann. Dazu zählt nicht nur, dass sie Bundesministerin ist und zugleich sieben Kinder erzieht. Nein, in erster Linie kann sie sich durchsetzen. Gegen den Widerstand ihrer eigenen Fraktion, der mächtigen Länderchefs in ihrer Partei und der notorisch klammen Kommunen verfolgt Ursula von der Leyen hartnäckig ihr Ziel einer familienpolitischen Erneuerung des Landes. Familie und Beruf sollen endlich auch für deutsche Frauen leichter zu vereinbaren sein.
Bei dem Spitzentreffen zum Ausbau der Krippenplätze zwischen Bund, Ländern und Kommunen hat sie ihre zähe Beharrlichkeit erneut unter Beweis gestellt.
Man hat sich auf Zahlen zum Ausbau des Betreuungsangebots für Unter-Dreijährige geeinigt
– es sind die Zahlen, mit denen von der Leyen vor zwei Monaten in den Kampf gestartet ist: Bis 2013 soll es insgesamt 750.000 Plätze in Krippen oder bei Tagesmüttern geben und damit ein Angebot für jedes dritte Kind in dieser Altersgruppe.
Zugestimmt haben die Familienminister der Länder und - als Vertreter der Kommunen - der Städtetagspräsident und Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD). Dass von der Leyen dies gelungen ist, ist kein kleiner Erfolg. „Vor acht Wochen war noch Nirwana“, kommentierte sie selbst den Fortschritt stolz.
Tatsächlich hatte es zunächst so ausgesehen, als würde von der Leyen von der eigenen Partei ausgebremst. Vom Koalitionsausschuss – den Spitzen von Union und SPD – wurden ihre ehrgeizigen Pläne nicht bestätigt, die Ministerpräsidenten murrten, man werde die Angelegenheit schon selber regeln, und in der Union brach eine Grundsatzdebatte darüber los, ob die Betreuung von Kleinstkindern außerhalb der Familie überhaupt wünschenswert sei.
Nun stellen auch Unions-Länderminister nicht länger in Frage, dass Familien Wahlfreiheit brauchen und dass von dieser wohl keine Rede sein kann, solange das Angebot an Betreuungsplätzen in Westdeutschland wie derzeit bei 7,8 Prozent liegt. Und noch etwas hat von der Leyen erreicht: Die SPD-Forderung nach einem bundesweiten Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz ist vorerst vom Tisch. Nun ist nur noch die Rede davon, dass man „perspektivisch“ daran festhalten wolle. Es sei wenig sinnvoll, einen Anspruch festzuschreiben, wo kein Angebot ist, stellte Ude klar. In der Sache sind die Sozialdemokraten damit allerdings nicht widerlegt. Denn nur ein Rechtsanspruch kann letztlich garantieren, dass wirklich alle Eltern, die das wünschen, ihre Kinder betreuen lassen können. Wie ernst die SPD es damit meint, kann sie zumindest in den Ländern schon mal beweisen, in denen sie regiert.
Doch auch wenn die Einigung vom Montag als wichtiger Etappensieg für von der Leyen gewertet werden darf: Gelöst sind die Probleme noch lange nicht. Da ist vor allem das leidige Finanzierungsproblem. Nicht nur schätzen die Kommunen den Finanzbedarf höher ein als der Bund. Auch darüber, wer welchen Anteil übernehmen soll, wurde gar nicht erst gesprochen. Was die Beteiligung des Bundes angeht, haben die Länder bisher nicht mehr in der Hand, als dass die Familienministerin sich „für eine Mitfinanzierung einsetzen“ will.
- Datum 03.04.2007 - 12:19 Uhr
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Für so ein hoch entwickeltes Land wie die Bundesrepublik Deutschland ist es eine Schande, daß die Krippenplätze erst 2013 zur Verfügung stehen werden - wenn überhaupt. Armselig und beschämend zugleich! Die Politik hat versagt! Teile der Union sprechen immer noch vom 'christlichen Familienbild', um gegen die Pläne der Koalitionsregierung zu argumentieren. Nur, warum hat das 'katholische Frankreich' seit jeher ein anderes 'christliches Familienbild'? Warum haben die Bischöfe und Kardinäle in Frankreich noch nie gegen eine vorbildliche Kinderbetreuung durch den Staat protestiert? Warum hat Frankreich eine sehr deutlich höhere Geburtenrate als Deutschland? Ich finde, daß wir uns in Deutschland sehr viel Zeit lassen, um klar erkennbare Mißstände zu beheben?
Wann endlich kommt die Familienministerin auch darauf, dass es an Kitas sicherlich nicht mangelt, aber woher sollen die Kinder kommen?
Denkt die Familienministerin nicht auch mal an die viel wichtigere Sparte in ihrem Ressort: Senioren? Nicht jeder hat so gut betuchte Eltern wie Ursula von der Leyen, aber dass immer nur alles auf die Kinder ausgerichtet ist, wie zuvor jahrzehntelang die Werbung massiv, juristisch und psychologisch geradezu gefährlich und unrealistisch, ist mehr als bedenklich.
Was wird für die älter werdende Bevölkerung getan? Sie wird zwangsweise in den Vorruhestand versetzt, ersetzt durch unerfahrene Billigkräfte.
Wenn man um die 70 ernsthaft Probleme mit seiner Gesundheit bekommt, ein Mensch unverschuldet Single, Witwe und kinderlos oder geschieden ist, über eine Rente verfügt, die unterhalb von € 800 heute liegt (Durchschnittsrente besonders für Frauen, die bei gleicher Leistung halb so viel verdienten wie die Männer), was tut das Familienministerium dafür? Nothing at all. Wendet man sich ans Sozialamt, kriegt man zunächst nur Ablehnungen und lässt es bis in die dritte Instanz gehen, wird einem infamerweise auch noch vorgeworfen, dass man zu vermögend ist, weil man ein kleines altes Auto, das nicht mehr wert ist alas € 1.500 im Höchstfall, besitzt und womöglich für den Sterbefall noch einen Vertrag abgeschlossen hatte, um wenigstens niemanden zur Last zu fallen, die Bestattungskosten auch noch zu tragen. Schulden, die man zwangsläufig in diesem Gesellschaftssystem machen musste, zählen nicht. Was ist das für ein demokratisches System? Und keiner der vielen Reichen fühlt sich verantwortlich für die ganz Armen - oder nur in dem Fall, womit sie ihr Ansehen polieren können.
Bricht man sich die Kniescheibe, und die OP misslingt gründlich, weil man zwar zwei Titanschrauben hineinwummerte, aber vergaß, die Arthrose zu glätten und eine Cerclage zu legen, es sich ein Pseudarthrose entwickelt, will keiner dafür aufkommen. Vom Krankenhaus und der Anschluss-Heil-Behandlung liegen Verordnungen vor, dass eine hauswirtschaftliche Hilfe notwendig sei. Das wird sowohl von der Ersatzkasse als auch vom Sozialamt ignoriert, ohne informiert worden zu sein. Plötzlich summiert sich die Hilfe vom Sozialdienst des DRK auf über € 900 - und keiner weiß, wer dafür aufkommen soll. Auf Kosten der Armen machen die Kassen einen derartigen Gewinn und lehnen dennoch alles ab und sind für nichts zuständig.
Das ist eine derartige psychische Belastung, dass man in diesem System wirklich nicht mehr leben möchte. Aber was soll man tun?
Gibt es keine Vernunft noch rationales Bewusstsein mehr für Gerechtigkeit für alle?
Umdenken ist an erster Stelle geboten.
Auch, wenn es wahrscheinlich wieder Unmengen an Kritik hagelt:
Würden die Leistungen der Beamtenbeihilfe exakt auf das Maß der gesetzlichen Krankenkassen - und weitaus gewichtiger - auf das Maß der gesetzlichen Pflegeversicherung gekürzt, wäre auf einen Schlag genug Geld da, um Krippen zu finanzieren. Grundgesetzlich wäre dies sogar machbar, da die Beamtenbeihilfe laut Bundesverfassungsgericht nicht zu den hergebrachten Grundsätzen des Berufsbeamtentums zählt und damit grundsätzlich vom Dienstherrn veränderbar ist.
Wer Zahlen dazu lesen möchte, kann die Bundestags-Drucksache 'Drucksache 15/2312' googeln.
Man darf gespannt sein, wann diese eklatante Ungleichbehandlung von normalen Angestellten und Beamten endlich beseitigt wird.
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