Beim verbalen Vorspiel liefen alle zur Hochform auf. Doch beim Gipfeltreffen zwischen Bayern München und Schalke 04 am Samstag gewinnt nicht die größere Klappe, sondern das bessere Team. Der größere Druck liegt beim amtierenden deutschen Meister, dem bei einem Misserfolg ein UEFA-Pokal-Jahr drohen würde. Und so stilisiert Trainer Ottmar Hitzfeld die Partie zu einem Überlebenskampf: "Wir brennen darauf, in der Allianz Arena die lebenswichtigen drei Punkte gegen Schalke zu holen."

Um alles oder nichts geht es am 27. Spieltag zwar noch nicht, aber zumindest um viel: Für Spitzenreiter Schalke ist die Partie beim Titelverteidiger eine echte Meister-Prüfung, für die Bayern ist das Kräftemessen drei Tage vor dem Champions-League-Viertelfinale beim AC Mailand wieder mal ein Auftakt in eine "Woche der Wahrheit". "Und da ist der FC Bayern besonders stark", tönte Hitzfeld.

Schalkes Kevin Kuranyi eröffnete den Schlagabtausch: "Die Zeit der Vormachtstellung der Bayern ist vorbei." Der Konter aus München kam postwendend vom Nationalmannschaftskollegen Philipp Lahm: "Bayern ist über Jahre die beste Mannschaft in Deutschland und wird es auch bleiben." Hitzfeld hingegen stichelt in der Wunde der Gelsenkirchener: "Der erste Platz kann auch ungewohnten Druck erzeugen - und das hat man den Schalkern in den letzten Partien schon angesehen." Dieses Verbalduell nahm Kollege Mirko Slomka auf und widersprach: "Die Bayern haben enormen Druck, denn bei einer Niederlage könnten die Champions-League-Plätze für sie schon in weite Ferne rücken."

Tatsächlich geht es für den Rekordmeister bei neun Punkten Rückstand auf Schalke und sechs auf Werder Bremen weniger um den Erhalt der Titelchance, als um das Champions-League-Ticket für die kommende Saison. "Spätestens jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um den Druck auf unsere Konkurrenten zu erhöhen", betonte Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge. Manager Uli Hoeneß ergänzte bescheiden: "Es geht nur um Platz drei - wirklich."

Trotz des erkennbaren Aufschwungs unter Hitzfeld, seit Wochen hängen die Bayern auf Platz vier fest. Schalke dagegen hat sich an Platz eins gewöhnt. "Und wer so lange Tabellenführer ist, der will auch am Ende oben stehen", verdeutlichte Abwehrspieler Mladen Krstajic das neue Selbstverständnis der Gelsenkirchener. Schon ein Punkt würde reichen, um auch am Samstag oben zu bleiben und die Bayern als immerwährendes Schreckgespenst im Titelkampf endgültig abzuschütteln. Manager Andreas Müller will aber noch mehr: "Wir fahren dorthin, um zu gewinnen", sagte er selbstbewusst.

Selbst die Taktik der Schalker wird öffentlich ausgebreitet. Slomka reizte die Bayern mit seiner Erkenntnis, dass der Rekordmeister im Mittelfeld "Lücken" habe, die man ausnützen wolle. Auch dieser Hinweis wurde von der Gegenseite kommentiert: "Der Slomka hat keine Ahnung", bellte Bayerns Mittelfeldrenner Owen Hargreaves in der Bild -Zeitung zurück.